DSGVO: Neue Schikanen

An die niedergelassenen Ärzte in Tirol erging am 03.07.2019 seitens der Ärztekammer Tirol folgende Mitteilung:

“Die Datenschutzbehörde hat in einer Entscheidung betreffend ein Ärztezentrum in Wien ausgesprochen, dass eine Einwilligungserklärung von PatientInnen über den unverschlüsselten elektronischen Versand (Email, WhatsApp) von Gesundheitsdaten rechtsunwirksam und unzulässig ist (dies also auch dann, wenn die PatientInnen dieser Übermittlung ausdrücklich und schriftlich zugestimmt haben). Es wird daher empfohlen, Gesundheitsdaten nur verschlüsselt zu übersenden oder ein System zur sicheren Datenbereitstellung (z.b. eine dem Stand der Technik entsprechende Befundplattform) zu nutzen. Eine Übermittlung von Gesundheitsdaten mittels Brief ist jedenfalls datenschutzkonform.”

Quelle: Ärztekammer Tirol

Zu unverschlüsseltem elektronischen Versand zählt übrigens auch die SMS! Für die Verschlüsselung von Gesundheitsdaten reicht ein mit Passwort verschlüsselter Email-Anhang – so wie es manche Labore bereits anbieten. (Quelle) Continue reading

Geschäfte und Lokale für Autisten in Wien?

22
Ruhiger Gastgarten mit Katzen – Ich hab das Paradies gefunden

Vorab, weil ich es immer wieder höre: Natürlich leiden auch viele Nichtautisten unter dem Lärm und der generellen Reizüberflutung durch Menschenmassen. Aber das ist dann nur ein ausgeprägtes Symptom von vielen weiteren Symptomen, die zu autistischem Stress führen, der häufig chronisch wird und die Lebensqualität beeinträchtigen kann.

Meine subjektiven Kriterien für ein ideales Restaurant oder Kneipe zum Weggehen:

  • Musik in erträglicher Lautstärke (nicht schreien müssen, um sich zu verstehen)
  • Keine mit Sitzgelegenheiten zu vollgestopfte Räume, bei denen man sich aneinander vorbeiquetschen muss
  • Allgemeiner Geräuschpegel, was auch mit Raumhöhe und Bauart zu tun hat (schlimm sind Keller …)
  • Geräuschpegel, den die Bar (Kaffeeautomat) und Küche (z.b. in Kaffeehäusern) verursacht
  • Einsehbarkeit von außen: Bestenfalls große Fensterfronten, sodass ich freie Plätze erspähen kann, bevor ich das Lokal betrete (war früher ein Totschlagkriterium)
  • Dieser Punkt kollidiert allerdings mit: Rückzugsmöglichkeiten durch (verwinkelte) Nebenräume, die vom Lärmpegel des Hauptraums abgetrennt sind
  • Nichtraucher: Getrennte Bereiche funktionieren oft gar nicht (Tür bleibt ständig offen, die Kleidung stinkt danach trotzdem)
  • Schanigarten: Der “Gastgarten” am Gehsteig ist oft ein No-Go, weil man den Straßenlärm direkt daneben hat.
  • Gastgarten: Leider häufig ebenfalls ein No-Go wegen den vielen Rauchern. Auf Rauch reagiere ich immer empfindlicher und beim Essen mag ich es schon gar nicht.

Continue reading

Medienkritik: Artikel über Autismus

Weil ich gerade nach Thunberg-Artikeln gesucht habe …
“Autismus ist eine Entwicklungsstörung, bei der sich das Gehirn anders entwickelt. Autismus ist keine Krankheit, sondern eher eine Wesensart. Menschen mit Autismus nehmen die Welt anders wahr. Es fällt ihnen schwer, mit anderen zu sprechen oder sich in jemanden hineinzuversetzen. Sie zeigen Emotionen anders und ihr Blick wirkt manchmal starr oder gleichgültig. Unter 100 Menschen haben im Durchschnitt ein bis zwei eine Form von Autismus. Eine eher unauffällige Autismus-Art ist das Asperger-Syndrom. Kinder mit Asperger legen großen Wert auf Ordnung und Rituale. Sie haben oft eine sehr “erwachsene” Sprache und großes Interesse für eine bestimmte Sache. Manchmal sind sie auch hochbegabt. Das nennt man dann “Inselbegabung”.

Quelle: https://www.sn.at/panorama/kinder/wie-fuehlt-es-sich-an-ein-fan-zu-sein-77879299 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG , abgerufen am 24.10.2019

An sich eine zufriedenstellende Definition, auch wenn man zur anderen Wahrnehmung die Über- und Unterempfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken und emotionale Empathie hätte erwähnen können. Inselbegabung ist jedoch nicht gleichzusetzen mit Hochbegabung. Echte Inselbegabungen (Savant-Fähigkeiten) sind sehr selten und treffen höchstens auf eine niedrige dreistellige Anzahl weltweit zu. Hochbegabungen finden sich wesentlich häufiger. Wesentlich unglücklicher bin ich mit der Formulierung “unauffällige Autismus-Art” bei Asperger – dazu hab ich erst vor kurzem gebloggt.
Der zweite Artikel wurde in der “Deutschen Ärztezeitung” veröffentlicht. Hier ist es besonders ärgerlich, wenn unsauber mit Begriffen umgegangen wird:
Asperger-Autisten gelten oft als besonders begabte Wunderkinder – so wie Greta Thunberg. Doch viele haben eine falsche Vorstellung von der Krankheit.
[…]

Autismus ist keine Krankheit, sogar in einer Provinzzeitung wie den Salzburger Nachrichten hat man das begriffen.

Menschen mit Asperger oder sogenanntem hochfunktionierendem Autismus haben eine höhere Intelligenz als Menschen mit „klassischem“ Autismus, dem Kanner-Autismus.
[…]
Das ist falsch. Denn es gibt für die Intelligenzmessung unterschiedliche Tests. Man hat herausgefunden, dass Autisten in rein nonverbalen Intelligenztests (Raven-Matrizentest) besser abschneiden als im klassischen Wechsler-Test (vgl. https://autismus-kultur.de/autismus/autipedia/autismus-intelligenz.html). Deswegen kann man nicht mehr sagen, dass Asperger-Autisten intelligenter sind als “klassische” Autisten.

Wissenschaftler untersuchen weiter, ob Unterschiede zwischen Autisten nur Nuancen sind oder auf separate Krankheiten hinweisen.Autismus-Experte Simon Baron-Cohen rät, einen Oberbegriff mit Subtypen zu haben – wie bei Diabetes Typ-1 und Typ-2. So ließe sich unter anderem besser verstehen, welche Hilfsangebote wem helfen.

Autismus ist keine Krankheit. Demzufolge halte ich den Vergleich mit Diabetes für entbehrlich. Ich weiß aber, worauf er hinaus will, und halte das auch für sinnvoll, also Subtypen je nach genetischen Gemeinsamkeiten. Aber das ist Zukunftsmusik.

Auch Betroffene sind sich nicht einig. Manche sehen Autismus als Behinderung. Andere sprechen sich unter dem Stichwort Neurodiversität dafür aus, dass sie nur eine andere Art der Wahrnehmung hätten. Wo Autismus anfängt, ist in der Tat unklar. Nach den neuen Diagnose-Kriterien würden viele Asperger-Autisten gar nicht mehr als Autisten gelten – laut einer Meta-Analyse träfe das auf jeden Vierten zu.

Das hätte man schon ausführen dürfen, wie man zu dieser Schlussfolgerung kommt. Temple Grandin erwähnt “The Autistic Brain” eine solche Studie (aus dem Jahr 2012), nach der von 657 nach dem DSM-IV diagnostizierten Autisten nur 60% gemäß den neuen Kriterien im DSM-V ihre Diagnose behalten würden (mehr dazu hier).

Wissenschaftler raten schon länger, Erkrankungen nicht nach Personen zu benennen.

Ja, aber Autismus ist keine Erkrankung, und Hans Asperger’s Verhalten während der Zeit des Nationalsozialismus sollte man von seinen Entdeckungen davor und danach trennen.

Unauffällige Autisten

11

Eigentlich arbeite ich derzeit an einer umfassenden Definition von Autismus, aber vorher liegt mir noch ein Thema am Herzen, das betrifft vor allem jene “Asperger”-Autisten, die spätdiagnostiziert wurden, also viele Jahre oder gar Jahrzehnte unauffällig blieben: Uns wird oft nachgesagt, wir seien viel milder betroffen, unser Autismus sei viel leichter oder ganz anders als bei jenen klassischen Autisten. Liebe Nichtautisten, das ist Eure Außenansicht. Das Innenleben schaut oft anders aus. Als ich neulich bei meiner neuen Hausärztin war, erzählte sie von dem Patienten mit Asperger, der, wenn das Wartezimmer zu voll ist, schnurstracks wieder hinausgeht, weil er die Reizüberflutung nicht aushielt. “Ich kann das nachvollziehen,” bestätigte ich spontan, “Das hab ich auch schon gemacht.” fügte ich ehrlich hinzu, denn es ist erst ein Jahr her, als ich wegen einer Overloadsituation in einem Ambulanzwarteraum wieder das Weite gesucht hatte. Continue reading

Petition: Klinisch-psychologische Behandlung muss von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt werden

EFx-nooW4AEmejE
Flyer: Berufsverband Österreichischer Psychologinnen: Für die Aufnahme klinisch-psychologischer Behandlung ins Allgemeine Sozialversicherungsgesetz: Link zur Petition 

In Österreich wird die klinisch-psychologische Diagnostik von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, nicht aber die schriftliche Befundausstellung (macht 50% der Kosten aus) und auch keine nachfolgende Behandlung durch klinische Psychologen. Die Kasse begründet das damit, dass Autismus nicht heilbar ist und demzufolge auch kein Behandlungsbedarf besteht.

Die Kasse hat nur in einem Punkt Recht: Autismus kann ursächlich nicht geheilt werden. Es besteht aber sehr wohl Unterstützungs- und Behandlungsbedarf, nämlich bei Begleiterkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und traumatische Belastungsstörungen, unter denen die überwältigende Mehrheit der Betroffenen leidet.  Häufig bedeutet die Diagnose auch eine mitunter einschneidende Umstellung des bisherigen Lebensstil. Handlungen werden hinterfragt, der aktuelle Job, der Umgang mit der Diagnose im Freundeskreis (sofern vorhanden) und in der Familie. Freizeitgestaltung. Gerade in der Situation nach einer frischen Diagnose ist psychologische Unterstützung hilfreich. Zudem war gerade bei spätdiagnostizierten Autisten im Erwachsenenalter Autismus häufig nicht der erste Verdacht, sondern Depressionen oder Borderline. Die Begleiterkrankung Depression oder Angststörung verschwindet nicht durch die Autismus-Diagnose, sondern besteht weiter. Continue reading