Stresszeiten

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Ein Hundeleben möchte man führen

Meine Versuche, mich zu entspannen und gleichzeitig wichtige Einkäufe zu erledigen, sind nicht gerade von Erfolg gekrönt. Derzeit ist wirklich alles mühsam. Die Öffis sind teilweise wieder bummvoll, vor allem die U-Bahnen, wo ich oft erst in die zweite einsteige, weil in der ersten schon alle stehen. Die Straßenbahnen ähnlich voll. Sitzplätze für sich alleine gibt es kaum noch. Auch mit Masken ist es immer noch unangenehm, wenn sich Fremde zu einem setzen. War vorher übrigens auch schon unangenehm für mich. Am Mittwoch rief ich beim HNO an, wegen Termin am Freitag ausmachen. Das ging nicht, man könne nur noch am selben Tag anrufen, bis zu eine Stunde vorher (das hieß, ab 8.00). Ich quälte mich um halb neun aus dem Bett und rief an, da hieß es, es gäbe keine freien Termine mehr, aber sie könne mich noch einschieben. Ja, was jetzt? Ich bekam dann um 11.45 noch einen freien Slot, aber “mit Wartezeit”. Continue reading

Der Traum ist aus.

Sieben Jahre ständig darum gekämpft, im Job glücklich zu sein. Mobbing überstanden, den Wechsel überstanden, neurotypisches Umfeld überlebt mit Coming Out, Wohnort gewechselt für eine Ausbildung, nach zähem Ringen alle Prüfungen bestanden und neuen Job mit hoher Verantwortung gefunden. Nach sieben Jahren endlich dort angekommen, wo meine Stärken und Talente geschätzt werden und meine autismusbedingten Schwächen weniger ins Gewicht fallen. Der unbefristete Vertrag war schon eingereicht, zum Greifen nah. Dann kam Corona. Als erstes fiel der Urlaub aus, auch die geplante erste Fernreise auf Kap Verden, Lebensziel. Sonstige Auslandsurlaube mit fortschreitender Dauer des Lockdowns abgesagt. Dann kam die Kurzarbeit und die Erkenntnis, dass ich nach drei Jahren bereits den Gehaltszenit erreicht haben sollte. Der Traum von einer Eigentumswohnung passé. Selbst der Traum von einer Wohnung am Stadtrand nicht mehr leistbar. Und jetz steh ich vor den Scherben von sieben Jahre lang durchgehalten zu haben. Mangels Alternativen. Und weiß eigentlich nicht, wie es noch weitergehen sollen. Ich hab meinen Autismus nie großartig an die Glocke gehängt. Aber wenn man der Erste ist, der wahrscheinlich gehen muss, weil unter dem Deckmantel des Virus das zu Tode sparen der Arbeitswelt durchgesetzt wird, dann spielt der Autismus eben doch eine Rolle. Die Veränderungen der letzten Jahre waren auch ohne Corona krass genug. Dazu gesundheitliche Probleme. Heute Diagnose Pollenallergie (quasi ganzjährig). Ich hab nie bis ins Folgejahr planen können. Chronischer Stress, die Kur zu Jahresbeginn tat gut, meine erste. Aber jetzt gehen mir die Alternativen aus. Einen Plan B hab ich nicht, kein technisches oder handwerkliches Geschick, kein autismustypisches Spezialinteresse in Programmiersprachen. Zum Leben reicht weder das Schreiben noch das Fotografieren. Ich bin gut, aber nicht gut genug.

Nach 16 Jahren Österreich hab ich sowas die Schnauze voll. Und es nützt nichts, wenn ihr jetzt sagt, dass es in der Schweiz oder Deutschland genauso scheiße ist. Es kommt auch sehr auf die Art an, wie manche Veränderungen passieren. Dieses Hinterfotzige, vorne freundlich tun, hinten das Hackl ins Kreuz hauen, das ist hier das Unerträgliche daran. Ich hab Österreich durchgespielt. Mir reichts.