Funktionsstörung

Morgen werden wahrscheinlich Verschärfungen angekündigt – die vor über 3 Wochen schon dringend nötig gewesen wären. Ein echter Lockdown ist es immer noch nicht. Unabhängig von den ganzen Verharmlosungen seitens der Regierungspolitiker, Gewerkschaften, Oppositionsparteien, Ärztevertreter, sogenannter Experten, Interviews und Journalisten bin ich erschüttert über die Blödheit im Land. Ich bring das nicht mehr zusammen.

Und es wiederholt sich alles aus dem ersten Lockdown, nur mit zehn Mal höheren Fallzahlen, Triage in den Spitälern und der ständigen Gefahr, K1 oder K2 zu werden durch die Arbeit. Homeoffice geht in meinem Fall für einzelne Projektdienste, aber nicht dauerhaft. Und es wird wieder darauf hinauslaufen, dass man die Öffis nur für die Arbeit benutzen darf, nicht, um aus der Stadt zu kommen, um wandern oder spazieren zu gehen. Vielleicht bleiben die Bundesgärten dieses Mal offen, aber alleine bin ich dort eben nicht. Alles andere ist sowieso dicht. Es ist unerträglich, mit ansehen zu müssen, wie Österreich in so eine Katastrophe läuft, durch eine unfassbare Inkompetenz, Feigheit und boshaftem Egoismus, die seinesgleichen sucht. Währenddessen business as usal, ich werd eingeschult für einen Arbeitsplatz, wobei erst in ca. 1 Monat, also vor Weihnachten, die Entscheidung fällt, ob die Arbeitsplätze grundsätzlich erhalten bleiben, und frühestens im Oktober nächsten Jahres die Entscheidung fällt, ob ich eine Chance auf eine unbefristete Stelle habe, die ich dieses Jahr schon sicher geglaubt hatte. Ein weiteres Jahr von vielen, vielen Jahren, in denen ich in der Luft hänge. Nichts planen kann. Weder Mietwohnung am Stadtrand noch Eigentumswohnung am Land. Einfach nichts. Während um mich herum die Welt wortwörtlich untergeht und ich kaum noch einem Menschen trauen kann, weil ich nicht weiß, wie ernst er alles nimmt, wird erwartet, dass ich mich ganz normal konzentrieren und 100% geben kann. Homeoffice, eh kein Problem. Lesen, lernen, etc. Ich kann mich derzeit kaum 5 Minuten konzentrieren. Schätze die zweite Welle könnte alles an sozialen, menschlichen und Wohlstandserrungenschaften hinmachen, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich möchte mich nur noch daheim vergraben, aber gleichzeitig wäre ich gerne so oft wie möglich draußen, ohne auf Öffis angewiesen zu sein. Autofahren wiedererlernen wäre schön gewesen, aber auch dafür braucht es Konzentration. Noch mehr Konzentration. Kostbares Gut, von dem ich momentan sehr wenig habe. Eltern in Deutschland. Seh ich sie überhaupt wieder? Gesund? Bin ich dann noch gesund? Betriebsärztin schreibt von halbes Jahr Sportverzicht selbst nach mildem Verlauf – sie ist die erste, die so klar davor warnt, wie sonst noch niemand. Ich weiß, dass das sehr realistisch ist. Ich weiß auch nicht, wie lange ichs noch verhindern kann, mich anzustecken. Russisch Roulette, einmal unvorsichtig sein reicht. Soll ich in Krankenstand? Dann bin ich erst recht eingesperrt. Es ist alles so unerträglich. Die Mehrheit der Österreicher scheint diesen ekelhaften Kurs mitzutragen, der gerade gefahren wird. Alte sterben lassen, Russisch Roulette bei den jungen mit und ohne Vorerkrankungen, Longcovid (Spätfolgen). Falls ich es unbeschadet bis zur Impfung überstehe, weiß ich nicht, und ich weiß es wirklich nicht mehr, ob ich in diesem Land weiterleben will. Rückkehr ist genauso frustrierend. Alternativlosigkeit ist richtig schlimm.

Ich halte diese schizophrene (Verzeihung die Wortwahl) Parallelwelt nicht mehr aus. Ich sehe die Erkenntnisse der Wissenschaft, die Beobachtungen, die Betroffenen, die Ärzte, und weiß nicht, wie ich es mit Worten ausdrücken soll, kann mir jetzt sehr gut vorstellen, wie der Austrofaschismus in Österreich so stark werden konnte, so widerstandslos. So schnell, wie es geht, dass man andere Menschen zum Tode verurteilt. Ja, es ist kein Vergleich auf Augenhöhe, auch wenn mir nicht klar ist, welche Ideologie dahintersteht, zu sagen, Ältere und Kranke sterben lassen, damit Junge möglichst uneingeschränkt weiterleben können. Schöne, neue Welt. Wirklich sauber. Und gleichzeitg soll man möglichst nie darüber reden, sondern 100% Themenwechsel, Arbeit, volle Leistung, auch wenns keine Erholung mehr gibt, sondern nur noch Anspannung. Das mit dem im Ausland leben und arbeiten, war eine super Idee, als noch Reisefreiheit war, als man gefahrlos 7 Stunden im Zug sitzen konnte. Jetzt ist es ziemlich beschissen, von der Familie getrennt zu sein.

PS: Leser, die nicht kapieren, dass ich aus Österreich schreibe, und die nicht in der Lage sind, den ganzen Artikel zu lesen, bevor sie sich ihr Vorurteil bilden, können sich Kommentare unter meinem Text sparen, danke.

Zweiter Lockdown ante portas

Im Gegensatz zum ersten Lockdown Mitte März kommt dieser mit Ansage, jetzt muss es nur noch die Regierung in Österreich einsehen, dass es keine Alternative gibt, weil sonst die Spitäler zusammenbrechen. Das werden sie leider so oder so, weil drastisches Handeln zu spät kommt. Ich habe aber meine “Hausaufgaben” gemacht und mich intensiv mit Corona beschäftigt Es wurde ein neues Spezialinteresse und ich habe den gleichen intensiven Zeitaufwand hineingesteckt wie in die anderen Spezialinteressen auch, namentlich Meteorologie, Klinefelter-Syndrom und Autismus (dieser Blog).

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Es geht nichts weiter

Die erste große Entscheidung, ob ich nach Herbst 2021 noch bei meinem Arbeitgeber beschäftigt sein werde, fällt wahrscheinlich Mitte Dezember, also kurz vor Weihnachten. Die lange Wartezeit und das ewige Hingehalten werden ist eine Zerreißprobe für die Nerven. Mein Magen hat inzwischen kapituliert, seit über einem Monat habe ich Magen-Darm-Beschwerden, vor einer Woche wurde eine Gastritis diagnostiziert (der histologische Befund steht noch aus). Derzeit geht wirklich nicht viel. Reisen geht nicht, indoor essen lehne ich kategorisch ab, nach Hause fahren ginge nur mit negativem Test, der aber nicht älter als 48 Std. sein darf. Naja, und jetzt konnte ich einen Monat lang kaum vernünftig essen. Kantine gibt es immer noch keine und eine Anfrage hat ergeben, dass das unser (mein) Problem ist. In anderen Firmen kümmert man sich da besser, und die sind nicht jwd ohne Essensmöglichkeit. Regelmäßig gesundes Essen ist nun einmal essentiell und derzeit quasi das mindeste, was irgendwie am Leben hält. Jetzt liegt die Endstation Hoffnung in einem asiatischen Lokal begründet, das längst aufsperren hätte sollen und das hoffentlich bald tut. Die Glutamatscheiße vertrag ich zwar auch nicht, aber Reis mit Ei und Huhn ohne Sojasoße geht eher und liegt nicht so im Magen wie Stelze, Schnitzel und Leberkäse. Es gab die letzten Jahre öfter mal Tage in der Arbeit, wo ich am meisten auf das gute Essen gefreut habe. Jetzt muss ich Monate oder Jahre verzichten auf Mahlzeiten, die ich mir selbst gar nicht zubereiten kann, und niemals so gut hinkriegen würde. Ich steh nun mal nicht in der Küche und koche vier Stunden Rindfleisch für mich selbst. Also Essen, ja, das ist ein bitterer Verlust.

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Die Kraft für den Neuanfang fehlt

Die Pandemie hat mir die Zukunft geraubt – ja nicht nur mir, aber es war gerade zu einem Zeitpunkt, als ich das erste Mal nach vielen Jahren wieder optimistisch in die Zukunft blickte. Die Kur im Jänner in Bad Mitterndorf kam gerade recht, die Gespräche mit dem Psychologen waren erhellend und ermutigend. Jetzt ist das Thema Beziehungssuche auf unabsehbare Zeit gescheitert – es fehlen die Gelegenheiten. Jetzt ist das Thema Reisen auf unabsehbare Zeit gescheitert. Ich war nie viel alleine außerhalb von Österreich unterwegs und wollte das mit dem neuen Job ändern. Aus meiner Fernreise wird nichts mehr, seit Ende Februar hatte ich keine Erholung während meiner Urlaubstage mehr. Es ist auch keine in Sicht. Denn auch das Thema JobSICHERHEIT ist auf unabsehbare Zeit gescheitert. Die Luftfahrtbranche zählt zu den am stärksten betroffenen Bereichen der Krise. Vom Tabula Rasa werden sich viele Airlines nicht mehr erholen, das Reiseverhalten ändert sich dauerhaft und die Klimakrise kommt auch noch dazu. Ich hab relativ frisch angefangen, viel investiert, teure Umzüge, hatte Hoffnung auf einen stabilen Arbeitsplatz. Falsch gedacht. Es wird Monate oder Jahre dauern, das mental zu verarbeiten. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch will.

Wider die Vernunft?

30

Ich sehe mich zunehmend mit inneren Widersprüchen konfrontiert, weiß immer weniger, was ich eigentlich will und was gut für mich ist. In zwei Tagen werde ich siebenunddreißig. Ich lebe immer noch alleine. Das hat sich über die Jahrzehnte so ergeben, glücklich war ich mit diesem Zustand nie. Das Alleinsein kostet Kraft, gleichzeitig kostet Gesellschaft auch Kraft. Es gibt genügend Beispiele für Autistinnen und Autisten in Partnerschaft und Ehe. Autismus ist kein Ausschlussgrund für Zusammenleben. Es würde mir in vielen Alltagssituationen Erleichterung bringen, wenn ich Entscheidungen nicht alleine treffen müsste, wenn den Alltag organisieren nicht nur an mir hängen bleiben würde. Das ständige Ausgebranntsein kommt eben auch davon, sich täglich organisieren müssen, keinen Tag die Verantwortung abgeben zu können. In Phasen des autistischen Burnouts passieren Kurzschlussreaktionen. Continue reading