Für einen Autisten hätte ich Dich nie gehalten …

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Schneeschuhwandern

Nicht selten sorgen meine Coming Outs für Erstaunen, manchmal auch für skeptisches Stirnrunzeln. Du bist Autist? Nicht wirklich, oder? Also für mich bist Du ganz normal. Das hängt stark davon, in welchem Umfeld man mich kennenlernt, ob es eine einzelne Begegnung bleibt oder ob man mehrere Tage zusammen ist und wie sich meine Tagesverfassung dabei entwickelt. In einem kürzlichen Twitter-Thread wurde anschaulich aufgezeigt, welchen Stellenwert die Bewegung (Sport) für manche Autisten hat: Überfordernde Umgebungsreize, aber auch Überforderung und mentaler bzw. emotionaler Stress führen dazu, dass man irgendwann am Limit ist und keine Energie mehr hat, sich der Situation länger auszusetzen. Was das @trampeleinhorn nun empfiehlt:

“Je nach persönlicher Veranlagung kann es also sinnvoll sein, Kartons zu treten, zu schreien/laut zu singen, Dinge zu werfen, einfach rauszulassen, was gerade im Kopf geschimpft wird für “fight”, oder zu springen, zügig zu gehen/laufen, sich zu bewegen für “flight”. Damit lässt sich […] verhindern, dass sich die Stressreaktionen sowohl energetisch als auch betreffend der Nebeneffekte kumulieren.”

Genau diese Rolle erfüllt bei mir das Wandern und Bergsteigen. Continue reading

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Spitalsaufenthalt

spitalsausblick
Meine Hausberge (Kapuzinerberg, Kühberg und Gaisberg) im schönsten Herbstkleid (Blick aus dem Zimmer vom Spital)

Erste OP seit 11 Jahren (kleiner Nabelbruch wurde direkt genäht mit selbstauflösenden Fäden). Über die Vorbereitung hatte ich schon berichtet. Der zweite Versuch, den Chirurgen zu treffen, hat dann funktioniert. Ich hatte das Aufklärungsgespräch in seinem Büro und das mit der Anästhesistin im Schwesternbüro. Der Eingriff dauerte nur rund zwanzig Minuten und verlief komplikationslos. Nach einer Nacht im Spital wurde ich am nächsten Morgen entlassen. Meine Mutter kam am gleichen Tag aus Deutschland und half mir im Haushalt in den letzten Tagen. Mittlerweile ist die Bewegung fast schmerzfrei und mein lästiger Husten fast weg, den ich mir kurz zuvor eingefangen habe.  In diesem Beitrag möchte ich kurz erwähnen, was gut lief und was in der Kommunikation zwischen mir (Autisten) und medizinischem Personal ausbaufähig ist.

Wichtig hervorzuheben ist mir: Pfleger, Schwestern und Ärzte waren alle freundlich. Ohne Migranten würde so ein Spital nicht funktionieren, ich möchte Euch nicht missen. Danke, dass es Euch gibt!

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Eine autismusgerechte Wohnung finden.

umzugklein
Quelle: Stadtplan Wien

Jetzt sind es noch knapp fünf Monate, allerhöchstens sechs Monate hin bis zu meiner Rückkehr nach Wien. So langsam also Zeit, nach einer neuen Wohnung zu suchen. Seit dem Auszug aus dem Elternhaus im September 2003 ist es mein insgesamt siebter Umzug und der vierte Ortswechsel. Der große Vorteil jetzt zumindest ist, dass ich meinen künftigen Wohnort schon fast sieben Jahr lang kennengelernt habe. Continue reading

Schiefgelaufen

In einem Monat steht eine geplante OP an, gestern hätte die Vorbesprechung im Spital stattfinden sollen. Weil ich von Beginn an vermeiden wollte, in einer überfüllten Ambulanz warten zu müssen, um dann in fünf Minuten nicht alle Fragen unterzubringen, die mir auf dem Herzen liegen, hab ich vorab ein Gespräch unter sechs Augen mit der zuständigen Krankenhauspsychologin und dem Chirurgen geführt. Dabei wurde klargestellt, dass ich ein Zweibettzimmer einem Vierbettzimmer vorziehe, und dass ich lieber per Mail kommuniziere und mich Menschenansammlungen überlasten.
Per Mailwechsel mit dem Chirurgen war vereinbart, dass wir uns “ab 8.30 in der Ambulanz treffen und gleich danach ein Termin in der AN Ambulanz vereinbart sei.” Um diese Zeit sei die Ambulanz noch leer.

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Klimaanlage versus Klimaschutz

Downtown Vienna
AKH in der Abendsonne, fotografiert von der Jubiläumswarte

Heute habe ich mich nach einem Tweet über die 39. Tropennacht in Wien im Sommer 2018 (Rekord von 2003 eingestellt) dazu hinreißen lassen, meinen Wunsch nach einer Klimaanlage in der künftigen Wohnung in Wien zu äußern. Daraufhin kam eine Antwort, dass ich damit den Klimawandel ja nur weiter anheize. Ich solle es ertragen, mit Lüften und Jalousien der Hitze Herr werden. Ob ich Kinder hätte, dann würde ich an deren Zukunft denken und nicht ausschließlich an eigene Bedürfnisse.

Ich musste mich schwer beherrschen, nicht ungehalten darauf zu reagieren. Aber natürlich trifft mich so ein Vorwurf schwer. Zum Einen, weil ich aus genetischen Gründen keine Kinder bekommen kann und dieses Glück, Vater zu werden, niemals erleben werde, jedenfalls nicht auf natürlichem Weg. Die Kinderlosigkeit habe ich mir nicht ausgesucht. Zum Anderen, weil ich als studierter Meteorologe sehr wohl um den Klimawandel Bescheid weiß und gar nicht leugne, dass stromfressende Klimaanlagengeräte alles andere als eine neutrale Klimabilanz aufweisen. Continue reading