Geschafft.

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2800 Höhenmeter (laut Veranstalter sogar 2900, nachgemessen habe ich aber weniger) und 66 Kilometer sind es am Ende geworden. Etwas länger und mehr Aufstieg als ursprünglich geplant, aber der durch den Regen durchnässte Untergrund erforderte eine Adaption der Strecke. Müde, aber glücklich erreichte ich nach 24 Stunden unterwegs sein in Bad Goisern das Ziel. Eine körperliche, mentale und autistische Meisterleistung. Weiterlesen

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Wege aus der Kopfkrise

Meistens sind es wiederkehrende Gedankenstrudel, die sich verhaken und dann in die Schlaflosigkeit führen. In der Müdigkeit passieren wieder Fehler, Missverständnisse und die Reizempfindlichkeit ist heraufgesetzt. Es wäre vermessen zu sagen, dass alle aufgezählten Strategien immer helfen – am meisten helfen würde mir ein Partner oder ein Haustier, vorzugsweise Hund oder Katze. Das ist aber in meinem Lebensentwurf beruflich nicht umsetzbar, also muss ich mein chronisch erhöhtes Stresslevel anders erniedrigen. Die Idee für diese Auflistung kommt von Amy’s Blog – danke an dieser Stelle! Weiterlesen

Autismus im Job: Gute Jobs für Autisten?

Nachdem der Autor auf meinen Kommentar unter einem Text in der  „Karriere-Bibel“ nicht reagiert hat, nun etwas prominenter:

„Verallgemeinerungen sind immer heikel, auch reicht das Spektrum hier immerhin von frühkindlichem Autismus bis hin zur Inselbegabung.“

Frühkindlicher Autismus ist kein Antonym zur Inselbegabung – ein Vergleich von Äpfel und Birnen.

Der Autor suggeriert, dass frühkindliche Autisten eine geringe Intelligenz und/oder Begabung aufweisen.Tatsächlich hängt das Ergebnis der Intelligenztests davon ab, ob es sich um den Standard-IQ-Test von Wechsler (teilverbal) oder den komplett nonverbalen Ravens Matrizentest handelt. Autisten, die Sprachdefizite aufweisen, schneiden je nach Test deutlich besser oder schlechter ab. Frühkindlicher Autismus ist kein Synonym für unbegabt oder unintelligent! Auf der anderen Seite ist Inselbegabung kein Synonym für Autismus (unter inselbegabten Menschen finden sich genauso Nichtautisten), und jene Autisten mit Inselbegabung können massive Probleme haben, ein selbstständiges Leben zu führen.

Beispiel: Drücken Sie einem Nicht-Autisten 70 Euro in die Hand, dann zockt er mit dem Geld mit ungleich höherer Wahrscheinlichkeit dann, wenn er „50 Euro verlieren“ kann, als wenn er „20 Euro behalten“ kann. Die Aussicht, Geld zu verlieren, verstärkt in uns den Drang, dieses Szenario aktiv zu verhindern. Dabei sind beide Szenarien im Prinzip völlig identisch. Einen Autisten hingegen würde dieses Psycho-Spielchen völlig kalt lassen, er würde rein rational entscheiden.

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Es hängt auch davon ab, ob man zu impulsiven Verhalten neigt, was etwa beim (häufig) komorbidem ADHS der Fall sein kann. Es ist einfach verkehrt, von Autisten zu erwarten, sie entscheiden immer rational. Ebenso wenig sind sie immer impulsiv.

„Autisten verstehen nur schwer Sarkasmus oder Ironie, können keinen Smalltalk, Sozialkompetenz ist sicherlich nicht ihr Steckenpferd. In Bereichen, in denen man andere Menschen führen, beraten oder lesen muss – zum Beispiel im Personalwesen – dürften Autisten in der Regel überfordert sein.“

Das weise ich entschieden zurück! Unter meinem autistischen Freundes- und Bekanntenkreis befinden sich auch Psychologinnen, Lehrerinnen oder Therapeutinnen, die meines Wissens einen großartigen und sehr einfühlsamen Job machen. Ich glaube, dass Autisten durch ihre eigenen, oft schmerzlichen Lebenserfahrungen sich manchmal besser in andere hineinversetzen können als viele Nichtautisten, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben. Gerade in solchen Fällen ist Smalltalk oft ein Hemmschuh, da das „um den heißen Brei herumreden müssen“ keine Verbesserung eines unbehaglichen Zustands hervorruft. Erfahrungen aus Firmen mit autistischen Mitarbeitern zeigen im Gegenteil, dass die Direktheit und Ehrlichkeit auch auf das Team überspringen kann und so generell eine für alle angenehmere Atmosphäre schafft, in der man offen reden kann.

Auch in einer Führungsrolle muss Autismus kein Hindernis sein, das hängt von den Anforderungen und der Organisation ab. Gerade weil Autisten weniger nach Bauchgefühl als rational entscheiden, wären sie sogar besonders geeignet. Allerdings verlangt die Führungsrolle viel Fingerspitzengefühl und Beziehungspflege, hier kann ein Zuviel an Sachlichkeit durchaus schwierig werden, es ist aber nicht unmöglich!

„Typische Einsatzfelder liegen dagegen im IT-Bereich, für die Arbeit mit dem Computer sind Autisten geradezu prädestiniert.“

Die Studie von Lorenz und Heinitz (2014), http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0100358#pone.0100358-Schwarzer3

zeigt, dass das autistische Interesse vielfältiger ist als häufig suggeriert. Wie oben erwähnt, findet man in allen Bereichen Autisten. Nur: Ein beträchtlicher Anteil ist nichtdiagnostiziert und hat seine ökologische Nische gefunden, in der oder sie glücklich wird, ein weiterer Teil hat zwar eine Diagnose, hat sich aber nicht geoutet, weil er oder sie zurechtkommen oder Angst vor Repressalien haben, wenn aufgrund einer Offenlegung kein Vertrauen mehr in die Fähigkeiten gegeben wird.

„Es gibt sicherlich eine Reihe adäquater Einsatzfelder, die erst noch entdeckt und freigelegt werden müssen.“

Es gibt sie bereits, und sie müssen nicht entdeckt und freigelegt werden, weil Autisten sogenannte Spezialinteressen aufweisen und darin gut sind. Der Autor hätte für die Recherche seines Texts durchaus Meinungen und Erfahrungen von Autisten bemühen können. Hierfür gibt es Twitter(-Hashtags), aber auch öffentliche Foren, wo recherchieren oder Fragen stellen kann. Ebenso gibt es zahlreiche Blogs im Netz. Es reicht mitunter schon, die zunehmende Auswahl autobiographischer Bücher zu betrachten, die von Literaturwissenschaftlern über Journalisten bis zu Künstlern reicht.

Wiederholende Abläufe
KEIN Zeitdruck

Jein… idealerweise ja, aber was ist schon ideal? Das wissen auch Autisten. Wer in bzw. mit seinem Spezialinteresse arbeitet, toleriert auch gewisse Einschränkungen. Manche Autisten mögen – geplante – Abwechslung und andere kommen mit Zeitdruck klar, wenn eine klare Prioritätenliste gegeben ist, d.h., bei Zeitdruck muss klar sein, in welcher Reihenfolge etwas erledigt werden muss, eine umfassende Vorbereitung nimmt Stress weg. Unter diesen Voraussetzungen ist auch Zeitdruck für eine gewisse Zeit tolerabel. Jeder Mensch, ob Autist oder Nichtautist, besitzt hier seine persönliche Schmerzgrenze.

Innovatives Denken als Stärke

Die Zahlen ähneln sich in den USA, in UK und wahrscheinlich auch in Deutschland oder Österreich: Nur rund 15 % der erwerbsfähigen Autisten haben eine Vollzeitstelle. Viele arbeiten Teilzeit oder wechseln häufig den Job, weil auf ihre Bedürfnisse, aber auch Fähigkeiten zu wenig Rücksicht genommen wird. Viele arbeitsfähige Autisten arbeiten zudem unter ihrer Qualifikation, werden oft in Werkstätten abgeschoben. Dabei handelt es sich bei Autismus um keine geistige Behinderung. Meine Erfahrungen dürfen keineswegs als stellvertretend für das Spektrum gesehen werden. Wenn sich andere Autisten in meinen Erfahrungen wiederfinden, zeigt das aber deutlich, welche grundsätzlichen Schwierigkeiten immer wieder auftreten. Ich hab dazu schon öfter gebloggt, in der Theorie klingen meine Anregungen auch wunderbar, nur in der Umsetzung hapert es. Warum? Weiterlesen

Was ihr nicht seht (II)

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Tja, wie erkläre ich Autismus/Asperger so, dass ich verstanden werde? Meist gelingt es mir je nach Aufmerksamkeitsspanne und zeitlichem Rahmen des Gegenüber, nur einzelne Punkte unbefriedigend klar genug zu erläutern. Nervenkitzel ist jedes Mal dabei, denn ich mag weder für einen Inselbegabten mit dann zu hoher Erwartungshaltung an mich noch für einen Schwerbehinderten gehalten zu werden, dem nichts zuzutrauen ist und der nichts auf die Reihe kriegt. Dann besteht auch der ständige Rechtfertigungsdruck, sich von frühkindlichem Autismus abgrenzen zu müssen („nein, so bin ich nicht“), aber auch wiederholt zu betonen, dass Autismus eben keine Modediagnose sei, und nur „weil es Dir auch so geht“, bist Du oder sind nicht alle Menschen gleich autistisch. Weiterlesen