Countdown 24-Stunden-Wanderung (16-17.6.)

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Altausseer See mit Sandling (links) und Loser (rechts)

Es ist wieder so weit. Im vergangenen Jahr hat mich das Feuer gepackt, als ich das erste Mal bei einer 24-Stunden-Wanderung mit dabei war. Es ist nicht das, was ihr zuerst denkt, denn man geht hier nicht 24 Stunden nonstop durch, sondern die Wanderung dauert insgesamt 24 Stunden, mit mehreren, teils stündlichen Unterbrechungen mit Jausenstationen. Letztes Jahr ging ein Marathonläufer mit, der für das Verkehrsreferat von Bad Aussee zuständig ist und mit dem ich mich eine Weile unterhalten konnte. Er plante in seiner Heimat ebenfalls eine 24-Stunden-Wanderung, die nun realisiert werden konnte und vom Samstag, 16. Juni, 8.00 auf Sonntag, 17. Juni, 8.00 stattfindet. Start ist in Altaussee im Salzkammergut. Insgesamt werden 100 Teilnehmer zugelassen (ca. 60 weniger als im Vorjahr), die Strecke ist 60km lang (6km weniger) und 2000 Höhenmeter hinauf (800 hm weniger). Continue reading

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Säen und entwurzeln

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Wien vom Stephansdom (Südturm) fotografiert

Einsamkeit kann tödlich sein. Das war unterschwellig der Hauptgrund für mich, Salzburg wieder zu verlassen. Eine Entscheidung, die nicht leicht fällt. Ich bin bisher vier Mal umgezogen: Vom Elternhaus nach Mainz, von Mainz nach Innsbruck, von Innsbruck nach Wien und von Wien nach Salzburg. Die Abnabelung wurde vor allem dadurch erleichtert, dass ich den vormaligen Wohnort wortwörtlich satt hatte. Wenngleich der erste Auszug nur eine halbe Trennung war, denn ich fuhr fast jedes Wochenende nach Hause. Als ich nach Innsbruck zog, freute ich mich auf ein praxisnaheres Stadium, natürlich auch auf die Berge und auf wetterverrückte Studienkollegen, die ich schon kannte. Continue reading

Vollzeitautist.

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In ihrem Blogartikel zum Welt-Autismus-Tag über mangelnde Barrierefreiheit für Autisten schrieb elodiyla diese Zeilen:

Der größte Teil der Autisten ist arbeitslos. Wahrscheinlich, weil sie an Bewerbungsgesprächen und sozialen Strukturen scheitern. Die Barrieren in den Köpfen der anderen hindert sie daran, ihre Produktivität einsetzen zu können. Doch zu viele Menschen glauben, dass jemand, der im Alltag viele Schwierigkeiten hat, keine komplexe Aufgaben lösen kann.

Ich erlebe diesen vermeintlichen Widerspruch selbst und er hemmt mich dabei, offen mit meinem Autismus umzugehen. Für Außenstehende ist es nicht nachvollziehbar, wie jemand, der Vollzeit im Schichtdienst arbeitet, im Alltag ein einfaches Telefonat nicht führen kann, nicht mal zu den Nachbarn hingeht, wenn sie zu laut sind, kein Auto fahren will oder kann, obwohl er ständig über die Öffis meckert und seine Einkäufe und Arzttermine andauernde verschiebt. Wie passt das zu beruflichen Höchstleistungen?

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Presse: Genialität oder Krankheit?

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Skizze: Prozentuale Verteilung der Genialität bei Autismus

Der 2. April ist Welt-Autismustag: Das Bild der Krankheit wird noch immer durch Vorurteile bestimmt.

Quelle: Kleine Zeitung, 02.04.18, 05:10 Uhr

Genau mein Humor, danke.

Autismus ist keine Krankheit, denn Autismus ist nicht heilbar. Sonst bis auf das Einmachglas als Symbolbild ein guter Artikel.

Und die Deutsche Welle beginnt ihren Artikel über “Krankheit oder Charakterzug?” mit einem Bild von Stephen Wiltshire, der das Savant-Syndrom hat, einer in dieser Ausprägung sehr seltenen Sonderform bei Autismus. Im Text wird gut differenziert, auch die gewählten Beispiele sind gut, doch dann werden wieder Bilder eingestreut von weiteren Savant-Autisten (Daniel Tammet und “Rain Man”). Continue reading

Welt-Autismus-Tag: Wir sind eine Krankheit …

Freud und Leid liegen manchmal nah beieinander. Über Twitter stoße ich auf eine großartige Presseaussendung über Autismus von Martin Schenk, dem Menschenrechtsaktivisten, Psychologen und stv. Direktor der Diakonie Österreich. Der Text kommt sprachlich völlig ohne defizitäre Anwandlungen aus, so ist nicht von “-Störung”, sondern nur vom Autismus-Spektrum die Rede …

Viele Menschen im Autismus Spektrum sind Vorurteilen und Stigmatisierung ausgesetzt. „Dieser Tag ist ein Weckruf für Respekt und Achtsamkeit gegenüber einfachen Bildern und falschen Diagnosen“, so Schenk, selbst Psychologe. […] Schätzungen sprechen von 80 000 Betroffenen in Österreich.

Danach folgt ein anschauliches Beispiel anhand eines Schülers mit der Diagnose Asperger und ein Appell für mehr Inklusion.

„AutistInnen brauchen ein Gegenüber, das sensibel dafür ist, dass sie ihre Umwelt anders wahrnehmen und soziale Prozesse und Begegnungen anders verarbeiten”

In Summe ist es der beste Text, den ich je in Österreich von Nichtautisten über Autismus gelesen habe. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Martin Schenk und Christiane Dobernig.

In drei Tageszeitungen wurde die Presseaussendung der Diakonie Österreich (Original-Quelle von APA OTS, abgerufen am 30.03.18) sofort aufgegriffen und umgeschrieben. Doch anscheinend kann man es der österreichischen Bevölkerung nicht zumuten, neutral über Autismus zu berichten.

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