Nach dem “Urlaub”

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Eine Woche am Kärntner Weißensee, “Deutschlands Süden”, wie es mein Kollege scherzhaft nannte, aber es stimmt. Zu 90% deutsche Urlauber, ein wenig Gardaseefeeling. Ich fühlte mich wie ein Neutrum, kannte mich geographisch gut aus, verstand den Dialekt der Einheimischen, feierte meinen 15. Jahrestag in Österreich am vergangenen Samstag, und doch werde ich vom Dialekt her als Deutscher sofort identifiziert. Auf der Rückfahrt im 4er Abteil fragte mich der Kärntner direkt “Woher aus Deutschland kommen Sie?” Das war Premiere, erstmals und endlich eine konkrete Frage und nicht das rhetorische “Kommen Sie aus Deutschland?” (siehe Eva Steffen. Wir sind gekommen, um zu bleiben.) Das hab ich entsprechend gerne beantwortet, zumal der Fragesteller ein Bahnfreak war und wir uns gut drei Stunden über Züge und Bahnstrecken unterhalten haben (nachdem mein reservierter Zug ausfiel und durch eine Ersatzgarnitur ohne Speisewagen und geringem Getränke/Speiseangebot ersetzt wurde). Continue reading

Schmerz-Chronologie – Sesambeinproblem

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Mostalm bei Wien, fernab der hektischen Großstadt

Inzwischen haben schon drei Orthopäden, 1 Physikalischer Arzt, 1 Physiotherapeutin und 3 Bandagisten mit meinem Fuß zu tun gehabt. Wegen den vielen Wechseln inklusive neuer Einlagen und alternativen Sportversuchen ist es für mich schwer zu sagen, ob und was sich verbessert hat. Dank meines penibel geführten Tourenbuchs kann ich aber gut abschätzen, wann die Schmerzen auftraten und wie sie sich weiterverhielten. Der Grund, warum ich das öffentlich mache … vielleicht bewahrt es den ein oder anderen übermütigen vor der gleichen Tortur, speziell, wenn man sein Spezialinteresse zu exzessiv auslebt, egal ob Autist oder Nichtautist. Zum Anderen ist es für mich selbst wichtig, immer wieder nachschauen zu können, wo ich gerade stehe, was sich verändert hat, was ich verbessern kann. Continue reading

Strategien von Autisten im Umgang mit Schwierigkeiten im Berufsalltag (II)

rueckzug
Ruhepol der Natur als Energieressource für den Berufsalltag

Dieser Beitrag war schon länger geplant, ist aber doch relativ umfangreich in der Umsetzung. Im ersten Teil hab ich das Buch Kohl, Seng, Gatti (Hrsg.): Typisch untypisch. Berufsbiografien von Asperger-Autisten. Individuelle Wege und vergleichbare Erfahrungen, 2017 umfangreich rezensiert (Link). Im zweiten Teil geht es um einen gemeinsamen Nenner bei der Beantwortung der vorformulierten Interviewfragen für die 22 interviewten Autistinnen und Autisten. Ich möchte mich dabei auf konstruktive Strategien bei Problemen im beruflichen Alltag beschränken. Welche Bewältigungsstrategien funktionieren, was führt zu einer Verschärfung der Problematik? So mancher Leser mag sich denken, hey, das kenne ich auch und ich bin nicht autistisch! Aber das ist kein Widerspruch, denn es gibt keine autistischen Alleinstehungsmerkmale. Erst die Summe bestimmter Symptome qualifiziert für die Diagnose Autismus. Manche Strategien helfen neurotypisch denkenden Menschen also genauso, andere laufen intuitiver ab als bei Autisten – sie müssen darüber nicht extra nachdenken.

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“Das haben aber viele – sind das auch alles Autisten?”

Das Bild zeigt eine Nelkenart auf einem waagrecht hervorstehenden Pflanzenstängel über Waldboden.
Autismus: Der Blick fürs Detail

Wenn ich über Probleme durch meinen Autismus im Alltag spreche, was ohnehin nur sehr selten vorkommt, höre ich oft: “Das kenne ich auch, das haben viele Leute.” Großteils ist es den Leuten, die diese Aussage treffen, wahrscheinlich nicht bewusst, dass sie uns Autisten damit absprechen, autistische Besonderheiten aufzuweisen. Denn eines ist wichtig: Es gibt kein Alleinstehungsmerkmal bei Autismus! Erst die Anzahl spezifischer Merkmale (gemäß den derzeitig gültigen Diagnosekriterien, die sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder wandeln bzw. anders gewichtet werden), die zeitliche Beständigkeit und die resultierenden Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebenssituationen (Beruf, Alltag, Freizeit, Familie) qualifiziert für eine Autismus-Diagnose. Continue reading

Suche nach neuen Bewältigungsstrategien

linumaustria

So langsam scheine ich die Talsohle durchschritten zu haben. Ich suche jetzt nach einem Ausweg aus der ganzen Misere. Mit der Wohnung habe ich vorerst beschlossen, mit dem Jetzt zurechtzukommen und mir mit der Wohnungssuche bis Herbst Zeit zu lassen. Oberste Priorität hat die Gesundheit. Da bin ich derzeit dabei, mich einzulesen in das Thema Schuhe, Belastung, Trainingsaufbau, Dehnen und CO. Dank Masseurin und Physiotherapeut-Vortrag hab ich wertvollen Input bekommen und muss das jetzt verarbeiten und einordnen, wie mir das künftig weiterhelfen kann. Die letzten kurzen Wanderungen waren nicht von Erfolg gekrönt, obwohl sie mental Balsam waren. Die Schmerzen sind aber bereits auf kurze Strecken zu deutlich, um in den nächsten Wochen auch nur annähernd an leichte Wanderungen zu denken. Continue reading