Löffelräuber: Auf die Folter gespannt werden.

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Wenn ewig um den heißen Brei herumgeredet wird, wenn etwas nicht sofort erledigt werden kann, wenn vage Ansagen kommen statt konkrete Zeitpunkte – diese Situationen ziehen extra viel Energie alias Löffel (vgl. Löffel-Theorie). und erschweren adäquate Reaktionen. „Das mag keiner“, „das geht mir auch so, und ich bin kein Autist“, ja – aber als Autist kann man sich regelrecht verirren im Labyrinth aus „worst-case“-Gedankenszenarien, und man kann vor allem sich und seine Umwelt damit verrückt machen, indem man an nichts anderes mehr denkt und die Konzentrationsfähigkeit verliert. Ein paar Beispiele: Weiterlesen

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Too much information

Kurz notiert. Heute mit dem Vorhaben ins Einkaufszentrum (die ich normalerweise meide, aber im einkaufszentrenverseuchten Salzburg gibt es sonst keine genügend hohe Dichte an Geschäften, wo man zentral das bekommt, was man braucht, und mangels zeitgemäßer Verkehrsanbindung kommt man auch nicht schnell woanders hin, speziell bei starkem Dauerregen, wenn das Rad ausscheidet.), Winterlaufschuhe mit Spikes zu kaufen. Und der obligatorische Lebensmitteleinkauf danach. In der Galerie erschlägt mich die Menschenmasse. Kaum Unterschied zum 27.12. als ganz Bayern und Salzburg einkaufen war. Hölle. Nach etwa zehn Minuten geht mir die Langsamgeherei* der Flanierer schon auf den Sack (* ich unterscheide dabei sehr wohl zwischen denen, die körperlich nicht schneller können und den Schaufensterschlenderern, die an den Flaschenhälsen stehenbleiben), andauernd muss ich mich vorbeiquetschen. Und ich kann nirgends stehen bleiben, weil ich anderen damit automatisch im Wege stehe. Ärger im Reformhaus über unsortierte Ware, finde das Pulver gegen Sodbrennen auch beim zweiten Mal nicht. Wegen dem generellen Lärmpegel schaff ichs nicht, die Verkäuferin zu fragen. Als Nächstes zum Hervis, der die größte Salomonauswahl hat. Wieder Ärger über die scheinbar chaotisch verteilte Ware, dazu Hölle, weil zwei Drittel der Verkaufsfläche Wintersport ist und endlos herumgewuselt wird. Ich kann nicht mal zwischen zwei riesigen Schuhkartonbergen stehenbleiben, um zu schauen, weil ich damit anderen Kunden im Wege stehe, die da genau durchwollen. Die gewünschten Schuhe oder vergleichbare mit Spikes finde ich nicht. Aber da war noch ein Geschäft im Erdgeschoss von Salomon selbst. Der Weg dorthin wieder nahe am Meltdown. Menschen, Menschen, Menschen. Flaschenhälse bildend. Sich vorbeiquetschen müssen. Im Geschäft ein Kommen und Gehen, schnatternde Verkäuferinnen. „Den Schuh gibt es nicht mehr. Am besten im Internet schauen, da gibt es ihn noch manchmal.“ – danke, sehr präzise. Zumal es deppert ist, wenn man Schuhe vorher anprobieren muss. Aber erst mal finden. Vielleicht hätte ich den Halbschuh anprobiert, aber zu hoher Lärmpegel. „Ich schau mal woanders“ antworte ich, um einen Vorwand zu haben, schnell hinauszukommen. Der lästige Einkauf fehlt noch. Dort wieder zu viele Menschen, alle mit Einkaufswägen. Alle gaaaanz langsam schiebend, möglichst jeden Platz versperrend. Aber stehenbleiben kann man wieder nicht, weil man dann im Weg steht. Gespräche über Familientratsch zwischen den Konserven- und der Nudelabteilung. Sie stehen genau dort, wo ich hinwollte. Keine Kraft, um was zu sagen. Ich muss hier weg, und zwar schleunigst. Zum Glück reicht der Kassiererin heute das Zeigen der leeren Einkaufstasche und ich muss den Rucksack nicht extra absetzen. Das bringt mich sonst wieder unter Druck beim Einräumen. Gewaltsames zur Seite drücken von Personen, die im Weg stehen und nicht reagieren. Schnell raus und in den ersten Bus, egal wohin. Nur weg von der lauten Straße, die bei Dauerregen noch lauter ist als sonst. Ferienzeit, die Busse fahren noch seltener und sie fahren ohnehin zu selten. Wieder nicht bekommen, was ich wollte. So oft ist das. Ich nehme es mir fest vor, und binnen Minuten bin ich so überreizt, dass nichts mehr geht. Assistenzhund wäre die Lösung. Der mich durch den Menschendschungel sicher geleitet. Anderer Fokus. Notflauschisierung, wenn es gar nicht mehr geht.

Grobmotoriker

Dieses Thema brennt mir schon seit längerem unter den Nägeln: Grobmotorik, Feinmotorik, Koordination und Körperwahrnehmung. Ein paar Beispiele, wo es mich akut beeinträchtigt oder zumindest dafür sorgt, dass ich es kreativ umgehen muss, werde ich nachfolgend detailliert beschreiben. Nicht, um meine Schwächen bloßzustellen, sondern des Aha-Effekts wegen. Das alles können, müssen aber nicht Autismus-Symptome sein, die sich schon früh im Kindesalter manifestieren. Es ist mir wichtig, dass Angehörige, aber auch die Betroffenen selbst diese erkennen und rechtzeitig, wenn möglich und erwünscht, Gegenmaßnahmen ergreifen können. Vieles lässt sich üben, manches fällt im Erwachsenenalter leichter, manches wird sich nie ändern und manches wird man darum versuchen zu vermeiden. Die Welt geht für mich nicht unter, wenn aus mir nie ein Skifahrer wird – ein Schicksal, das ich übrigens mit Temple Grandin teile.

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