Wie erkennen Autisten Autisten?

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Autisten haben häufig eine enge Bindung zu Tieren. Wenig verwunderlich: Tiere zeigen ehrliche Emotionen, sie betrügen nicht, sind bedingungslos treu, spüren oft, wenn man gerade Trost und Zuneigung braucht.

Wir Autisten sind natürlich keine Psychologen (wenngleich es eine Menge autistischer Psychologinnen gibt …) und können uns nie sicher sein. Wir können nicht ausschließen, dass für das gezeigte autistische Verhalten andere Erklärungen vorhanden sind. Und trotzdem empfinde ich es manchmal wie eine Art siebten Sinn, den ich besitze, um andere Autisten aufzuspüren. Wobei ich hier zwischen echten Autisten und dem broader autism phenotype (BAP) unterscheiden möchte, letzteres sind in der deutschen Entsprechung die autistischen Züge. Das bedeutet, jemand verhält sich in mehreren Punkten autistisch, qualifiziert aber nicht in allen Diagnosekriterien für eine Diagnose. Continue reading

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“Das haben aber viele – sind das auch alles Autisten?”

Das Bild zeigt eine Nelkenart auf einem waagrecht hervorstehenden Pflanzenstängel über Waldboden.
Autismus: Der Blick fürs Detail

Wenn ich über Probleme durch meinen Autismus im Alltag spreche, was ohnehin nur sehr selten vorkommt, höre ich oft: “Das kenne ich auch, das haben viele Leute.” Großteils ist es den Leuten, die diese Aussage treffen, wahrscheinlich nicht bewusst, dass sie uns Autisten damit absprechen, autistische Besonderheiten aufzuweisen. Denn eines ist wichtig: Es gibt kein Alleinstehungsmerkmal bei Autismus! Erst die Anzahl spezifischer Merkmale (gemäß den derzeitig gültigen Diagnosekriterien, die sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder wandeln bzw. anders gewichtet werden), die zeitliche Beständigkeit und die resultierenden Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebenssituationen (Beruf, Alltag, Freizeit, Familie) qualifiziert für eine Autismus-Diagnose. Continue reading

Rausgefischt

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Tatort Mahü

Vor wenigen Tagen habe ich meine erste Strafe mit dem Rad kassiert, und meine erste Strafe überhaupt. Die Situation war nicht alltäglich und für mich mit erhöhtem Stress verbunden. Was war geschehen? Ich hatte in einer stark frequentierten Fußgängerzone eine rote Ampel überfahren und wurde unmittelbar von einem Radpolizisten angehalten. Er ließ mich erstmal absteigen und fragte mich dann, ob ich wusste, warum ich angehalten wurde. “Weil rot war.” antwortete ich sofort, es gab nichts zu beschönigen. Er verlangte erst mal meinen Personalausweis.

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Terminoverload…

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Auch für mich gibt es eine Grenze dessen, was ich alleine bewältigen kann. Diese Grenze hatte ich letzte Woche erreicht. Wenn ich zurückblicke, dann waren seit März vor allem Termine, Termine, Termine. Im März die zwei Wochen Einschulung am Stück in Wien, dazwischen zum Orthopäden. In Salzburg zum Röntgen, dann Umzug, dann Dienstreise Salzburg. Anfang April zurück, am ersten freien Tag gleich Urologe. Mitte April Röntgen und MRT, die Woche darauf Augenärztin, die Woche darauf Orthopäde, die Woche darauf Hausarzt, dann Einlagen abholen, dann nochmal Orthopäde, kommende Woche nochmal extra rausfahren zum Orthopäden, weil falsche Verordnung für Einlagen verschrieben wurde. Und nochmal Einlagen abholen. Jeder Arzttermin war mühsam. Willkommen in der neurotypischen Welt! Continue reading

Nicht wahrnehmbarer Autismus? Really?

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Ich weiß noch immer nicht, ob ich das als Kompliment oder Herausforderung verstehen soll, wenn mir gesagt wird: “Wenn Du vorher nichts gesagt hättest, dann hätte ich nie bemerkt, dass Du Autist bist.” Dieses Mal parierte ich sofort und nachvollziehbar: Im Job sei ich in meinem Element. Solange es um fachliche Dinge gehe, sei mein Autismus nahezu unsichtbar [jedenfalls die beeinträchtigenden Aspekte davon, auch Stärken kann man mit Autismus in Verbindung bringen], erschöpfend sei vielmehr der Alltag, aber das bekommen die Kollegen nicht mit.

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