Wie geht Urlaub?

 

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Venedig

Unmittelbar nach der frohen Botschaft, im kommenden Jahr wieder in Wien arbeiten und leben zu dürfen, begann mein insgesamt neuntägiger Urlaub. Über so einen langen Zeitraum habe ich seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn nur selten Urlaub genommen. Auslandsreisen mache ich alleine gar nicht, für längere Hüttentouren kam in mir zu sehr der Meteorologe zum Vorschein – leider manchmal, denn mit dem Wissen, wie gewittrig die Sommermonate sein können und wie gefährlich entsprechend alpine Unternehmungen, kann ich nicht ein halbes Jahr im Voraus Urlaub planen. Dieses Jahr werde ich mit diesem kategorischen Nein erstmals brechen, wenn ich im Juli eine Woche durch die Ötztaler Alpen wandere und Ende September eine Woche durch die Hohe Tatra (jeweils geführte Touren).  Nervenkitzel alleine durch das Wetter – das versuche ich zu meiden. Ich bin vielleicht kein expliziter Schönwetterwanderer, wohl aber dann, wenn die Touren anspruchsvoll werden. Continue reading

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Hoffnung hat sich erfüllt.

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Wienliebe

Spätestens Anfang 2019 kehre ich nach Wien zurück und das weiterhin im gleichen Job – der Idealfall. Die Arbeit am neuen Standort ist deutlich anspruchsvoller und wird meine autistische Widerstandsfähigkeit herausfordern. Ich habe mir das trotzdem gut überlegt und der Umstand, dass ich trotz persönlicher Befürchtungen und Vorbehalte meinen derzeitigen Job erfolgreich ausüben kann, gibt mir Auftrieb, dass ich das auch unter nochmals erschwerten Bedingungen schaffen kann. Das geht nicht ohne gegenseitiges Verständnis, sich aufeinander einlassen. Continue reading

Vollzeitautist.

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In ihrem Blogartikel zum Welt-Autismus-Tag über mangelnde Barrierefreiheit für Autisten schrieb elodiyla diese Zeilen:

Der größte Teil der Autisten ist arbeitslos. Wahrscheinlich, weil sie an Bewerbungsgesprächen und sozialen Strukturen scheitern. Die Barrieren in den Köpfen der anderen hindert sie daran, ihre Produktivität einsetzen zu können. Doch zu viele Menschen glauben, dass jemand, der im Alltag viele Schwierigkeiten hat, keine komplexe Aufgaben lösen kann.

Ich erlebe diesen vermeintlichen Widerspruch selbst und er hemmt mich dabei, offen mit meinem Autismus umzugehen. Für Außenstehende ist es nicht nachvollziehbar, wie jemand, der Vollzeit im Schichtdienst arbeitet, im Alltag ein einfaches Telefonat nicht führen kann, nicht mal zu den Nachbarn hingeht, wenn sie zu laut sind, kein Auto fahren will oder kann, obwohl er ständig über die Öffis meckert und seine Einkäufe und Arzttermine andauernde verschiebt. Wie passt das zu beruflichen Höchstleistungen?

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Welt-Autismus-Tag: Wir sind eine Krankheit …

Freud und Leid liegen manchmal nah beieinander. Über Twitter stoße ich auf eine großartige Presseaussendung über Autismus von Martin Schenk, dem Menschenrechtsaktivisten, Psychologen und stv. Direktor der Diakonie Österreich. Der Text kommt sprachlich völlig ohne defizitäre Anwandlungen aus, so ist nicht von “-Störung”, sondern nur vom Autismus-Spektrum die Rede …

Viele Menschen im Autismus Spektrum sind Vorurteilen und Stigmatisierung ausgesetzt. „Dieser Tag ist ein Weckruf für Respekt und Achtsamkeit gegenüber einfachen Bildern und falschen Diagnosen“, so Schenk, selbst Psychologe. […] Schätzungen sprechen von 80 000 Betroffenen in Österreich.

Danach folgt ein anschauliches Beispiel anhand eines Schülers mit der Diagnose Asperger und ein Appell für mehr Inklusion.

„AutistInnen brauchen ein Gegenüber, das sensibel dafür ist, dass sie ihre Umwelt anders wahrnehmen und soziale Prozesse und Begegnungen anders verarbeiten”

In Summe ist es der beste Text, den ich je in Österreich von Nichtautisten über Autismus gelesen habe. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Martin Schenk und Christiane Dobernig.

In drei Tageszeitungen wurde die Presseaussendung der Diakonie Österreich (Original-Quelle von APA OTS, abgerufen am 30.03.18) sofort aufgegriffen und umgeschrieben. Doch anscheinend kann man es der österreichischen Bevölkerung nicht zumuten, neutral über Autismus zu berichten.

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Autisten und Do-it-yourself-Mentalität

Im gestern erschienenen Artikel in der Wiener Zeitung über die zunehmende Do-it-yourself-Mentalität im Handel kommt der Redakteur wieder einmal nicht ohne die von Vorurteilen geprägte Metapher Autismus aus. Der Artikel leitet mit dem Elektronikfachladen SATURN ein, der in Innsbruck seit einiger Zeit mit einer innovativen Neuerung aufwartet.

Es gibt keine Kassen. Freilich ist die angebotene Ware – hier sind es zuvorderst Kleinteile wie Batterien, Kabel, Kopfhörer, aber auch Kaffeemaschinen – nicht gratis. Es gilt, vorab eine App auf sein Mobiltelefon zu laden, seine Zahlungsverbindungen zu hinterlegen und mit dem integrierten Scanner das Preisschild des gewünschten Objekts zu erfassen. Der Diebstahlschutz wird flugs entfernt. Dann kann man schnurstracks wieder aus dem Laden marschieren. Personal ist zwar vorhanden, es kümmert sich aber nur auf Nachfrage um Erläuterung des Konzepts oder konkrete Hilfestellung. Der Konsument der Zukunft ist tendenziell Autist. Und immer online.

Der Autor schließt mit den Worten

Aber bis auf weiteres werde ich die Supermärkte ansteuern, die noch Kassen besitzen. An denen Menschen aus Fleisch und Blut sitzen. Und denen gelegentlich – ohne Vorahnung – ein Lächeln entweicht.

Nun, ich bin Autist und ich bevorzuge aus denselben Gründen Geschäfte mit menschlichen Kassen wie der Autor. Weil ich selbst in einer Branche arbeite, die stark gefährdet ist, in naher Zukunft durch Automaten ersetzt zu werden. Diese Mentalität will ich nicht unterstützen. Es wurden schon genug Arbeitsplätze vernichtet, weil man vordergründig die Bequemlichkeit unterstützen möchte, in Wahrheit geht es aber nur darum, Personalkosten einzusparen.

Für mich persönlich ist Kontakt mit Verkäufern lediglich dann ein Graus, wenn ich beim Betreten eines Geschäfts keine Zeit habe, mich zuerst umzusehen, sondern sofort angelabert werde. Das setzt mich unter Druck und ich bekomme Schweißausbrüche. Weiters merke ich genau, wenn ein Verkäufer fachlich wenig Ahnung hat und nur versucht, mir einen teuren Artikel anzudrehen. Wenn ich dagegen meine Lieblingsbergsportgeschäfte aufsuche, bin ich sogar dankbar, wenn mir Artikel empfohlen werden, die besser bzw. günstiger sind als das, was ich mir online ausgesucht habe. Geschäfte ohne Onlineshop vermeide ich daher weitgehend.

Mir persönlich macht es grundsätzlich aber gar nichts aus, an einer Kassa zu zahlen, wo ein Mensch sitzt. Im Gegenteil finde ich die verschiedenen Selbstbedienungskassen mit selbst einscannen wie bei Spar, Billa, Merkur oder McDonalds verwirrend, und wenn sich hinter mir dann Schlangen bilden, ist der Druck dann größer als mit Schlangen an den Menschenkassen. Bei letzteren stört mich einzig, wenn die Menschen keinen Abstand halten und auch die Trennteile nicht benutzen, sodass ihre Ware in meine geschoben wird. Oder der Kassamensch nebenher plaudert und unkonzentriert ist und vom Wartenden hinter mir was über den Scanner ziehen will. All dies ist lästig, aber ich nehme diese Lästigkeit in Kauf, wenn es den Arbeitsplatz des Kassamenschen sichert.

Technikaffine Autisten, die mit Selbstbedienungskassen keine Probleme haben und mit dem Onlineshop von SATURN zurechtkommen (ich nicht), mögen das neue System toll finden, ich gehöre nicht dazu. Ich bin aber auch kein technikaffiner Autist und empfinde diese Metapher daher als unnötige Verallgemeinerung.