Zugverspätungen

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Das Autofahren hatte ich gegen Ende des Gymnasiums lange vor mir hergeschoben. Alle Klassenkameraden hatten den Führerschein gemacht, bis ich diesen anging. Die Fahrstunden gestalteten sich für mich schwierig. Von Technik verstand ich gar nichts, die Koordination mit Bremse, Gas und Kupplung überforderte mich lange Zeit, dazu gleichzeitig noch die Umgebung beachten und auf die Anweisungen des Fahrlehrers achten. Eines blieb zwangsläufig auf der Strecke. In Summe absolvierte ich 30 Fahrstunden, während der Durchschnitt sonst bei 10-15 lag. Weiterlesen

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Isoliert bleiben

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Ein schwieriger Umgang für mich. Ich weiß, es gibt viel viel mehr Autisten, die Familien gegründet haben oder erst später mit Familie von der Diagnose erfuhren. Für mich selbst ist das alles jedoch sehr weit entfernt von meiner Lebensrealität. Beziehung? Fehlanzeige. Nach über drei Jahrzehnten Lebenszeit könnte man meinen, dass da schon was vorhanden sein müsste. Jetzt bin ich in dem Alter, indem viele Weggefährten, Bekannte und Freunde, aber auch Arbeitskollegen eine Familie gründen. Das ist für mich leider oft gleichbedeutend mit dem Ende der Bekannt- oder Freundschaft. Weiterlesen

Fortschritte

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Ich beschließe den Tag mit ein paar positiven Notizen…

Da wäre einmal die Feststellung, dass mir die Arbeit wieder Spaß macht und ich das erste Mal seit Abschluss des Studiums meine Stärken zeigen kann. Nach sieben Lehrjahren keine Selbstverständlichkeit. Das Berufsbild des Meteorologen wandelt sich ständig, die technologischen Fortschritte galoppieren davon. Nicht jeder ist ein Nutzen. Die ständigen Veränderungen machen mir schon arg zu schaffen, aber was sich zum Glück nicht ändert, sind physikalische Gesetze und die meteorologischen Grundphänomen. Trotz allem High-Tech, der uns zur Verfügung steht, lassen sich Gewitter (kleinräumig) oder Italientiefs (großräumig) immer noch nicht vernünftig prognostizieren. Lucky us, es braucht also weiter Meteorologen!

Der Sommer war mies, leider oft Schlechtwetter immer zu meinen freien Tagen, zuletzt im Urlaub und jetzt zeichnet es sich auch für mein größtes Wanderprojekt ab, für eine 24-Stunden-Benefizwanderung mit 60 Kilometer Wegstrecke und 2700 Höhenmetern. Eine absolute Grenzerfahrung, die ich wenigstens bei trockenen Bedingungen unternommen hätte. Aber es soll heuer einfach nicht sein.

Trotz allem kann ich auf mehrere Errungenschaften stolz sein …

… dass ich mir so etwas überhaupt zutraue, wo ich noch in der Schulzeit mit Sport auf Kriegsfuß stand. Trauma besiegt und Grenzen erweitert.

… dass ich eisern bleibe und konsequent auf ein Auto verzichte und alle meine alleinigen Wandertouren ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln umsetze. Ich orientiere mich dabei selten an bereits begangene Routen oder Tourenvorschläge, sondern stelle meine Strecken selbst zusammen.

  • … von 2004 bis 2010 waren 29 Touren in Begleitung, 8 alleine (400km, 34 100 Höhenmeter)
  • …2011 6 alleine von 18 insgesamt
  • …2012 9 alleine von 29 insgesamt
  • …2013 11 alleine von 43 insgesamt
  • …2014 16 alleine von 51 insgesamt
  • …2015 21 alleine von 56 insgesamt
  • …2016 40 alleine von 78 insgesamt (1250km, 70 300 Höhenmeter)
  • …2017 bisher 31 alleine von 54 insgesamt

2011-2017: 288 780 Höhenmeter, 4697km.

Schrittweise habe ich mich gesteigert, in Ausdauer, Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Material, Risikoeinschätzung (Wetter, Gelände, Lawinen) und bin gerne alleine unterwegs, scheue einsame Wälder nicht mehr.

Das Naturerlebnis, die Fotografie, die kreativen Tourenziele und -umsetzungen – das alles ist quasi meine Lebensversicherung, mein Rückzugsort, wo ich sein darf, wie ich bin, ohne Rechtfertigungsdruck, ohne Missverständnisse, ohne Reizüberflutung.

Gekommen, um nicht zu bleiben

wasserturm

So schnell ändern sich Perspektiven, Einstellungen, Lebensziele, Gefühle.

In Wien hatte ich eine harte Zeit, sechseinhalb Jahre lang. Angefangen von einer Zweck-WG, die zum Alptraum wurde, über einen soziopathischen Arbeitgeber, der mehr in den Bore-Out als in den Burn-Out drängte und meine Fähigkeiten absprach, bis hin zum ununterbrochenen Lärm einer Großstadt, im Alltag, in der Nachbarschaft, allgegenwärtig. Als ich Ende November die einmalige Gelegenheit hatte, all dem den Rücken zuzukehren und einen Neustart zu vollziehen, ergriff ich sie natürlich. Weiterlesen

Anschluss finden ist schwierig

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Vor kurzem wurde ich gefragt, wie mir das in Innsbruck und Wien zuvor gelungen ist, wo ich je sechs Jahre gewohnt habe.  Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Im Gegensatz zu vielen Nichtautisten habe ich keinerlei Kontakt und auch nie das Bedürfnis danach gehabt, alte Schulkollegen wiederzusehen. Man kann sich wahrscheinlich vorstellen, dass mit zwischenmenschlichen Missverständnissen und noch dazu ohne Diagnose/Erklärung ein autistisches Schulleben alles andere als einfach ist, im Grunde war es traumatisch. Ich verstand mich mit den Lehrern immer deutlich besser als mit Gleichaltrigen oder Jüngeren. Ich war ja schon immer ein Kopfmensch und maß mich nicht mit anderen Schülern. Ein gutes Lehrerverhältnis macht Schüler nicht unbedingt beliebter. Ich hatte wechselnde Freunde abseits der Schule, und ein Kumpel, mit dem ich früher oft meine Freizeit verbrachte, verlor ich aus den Augen, als ich ins Gymnasium kam und er in die Realschule ging. Die meiste Zeit verbrachte ich alleine, erst durch meine Wetterleidenschaft ergaben sich bis 2002 zaghafte Kontaktversuche mit meist älteren Leuten, über deren Wetterhobby durch die regionale Zeitung berichtet worden war. Weiterlesen