Abstruse Theorien? Mitnichten!

abstrus
Tweet in meine Richtung am 31.08.18

Der Tag war zu schön, um darauf zu antworten. Nachdem ich Twitter am Handy deinstalliert habe, hätte ich sowieso nicht antworten können und selbst im eingeloggten Zustand wäre es nicht gegangen, weil mich besagter User blockiert hat, dennoch in den letzten Jahren immer wieder zitierte und seiner Twitterblase den Fraß vorwarf, eine Methodik, die man auch bei anderen radikal(er)en Gruppierungen öfter sieht: So zitieren (z.b. ein Screenshot), dass der andere nicht darauf reagieren kann (er ist ja weiterhin blockiert) und nichts davon mitbekommt. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich so ein hinterrückliches Verhalten nicht ausstehen kann. Das grenzt an Mobbing, insbesondere, wenn die zitierten Tweets dann umgedeutet werden. So wurde vor Jahren einmal behauptet, ich hielte mich für etwas besseres als frühkindliche Autisten, weil ich mich als Asperger bezeichne. Völliger Schwachsinn – führte aber dazu, dass ich aus einem Gemeinschaftsblog mit anderen Autistinnen ausgestoßen wurde.

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Klimaanlage versus Klimaschutz

Downtown Vienna
AKH in der Abendsonne, fotografiert von der Jubiläumswarte

Heute habe ich mich nach einem Tweet über die 39. Tropennacht in Wien im Sommer 2018 (Rekord von 2003 eingestellt) dazu hinreißen lassen, meinen Wunsch nach einer Klimaanlage in der künftigen Wohnung in Wien zu äußern. Daraufhin kam eine Antwort, dass ich damit den Klimawandel ja nur weiter anheize. Ich solle es ertragen, mit Lüften und Jalousien der Hitze Herr werden. Ob ich Kinder hätte, dann würde ich an deren Zukunft denken und nicht ausschließlich an eigene Bedürfnisse.

Ich musste mich schwer beherrschen, nicht ungehalten darauf zu reagieren. Aber natürlich trifft mich so ein Vorwurf schwer. Zum Einen, weil ich aus genetischen Gründen keine Kinder bekommen kann und dieses Glück, Vater zu werden, niemals erleben werde, jedenfalls nicht auf natürlichem Weg. Die Kinderlosigkeit habe ich mir nicht ausgesucht. Zum Anderen, weil ich als studierter Meteorologe sehr wohl um den Klimawandel Bescheid weiß und gar nicht leugne, dass stromfressende Klimaanlagengeräte alles andere als eine neutrale Klimabilanz aufweisen. Continue reading

Auf sich achten: Weniger ist mehr.

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Ausblick vom “Häuserl am Roan” auf Wien, im Hintergrund das Leithagebirge mit flacher Dunstschicht davor.

Es ist schon eigenartig, das Thema Sozialkontakte. Zwischen der 24-Stunden-Wanderung Mitte Juni und der mehrtägigen Hüttenwanderung Ende Juli hatte ich Null (tiefsinnigere) Sozialkontakte, abgesehen von den Kontakten mit den Arbeitskollegen und zwei Terminen mit meinem Psychologen. Das war echt zach. An den wenigen, an einer Hand abzählbaren Tagen mit Sozialkontakten in Salzburg gelingt es mir sogar, der Stadt Positives abzugewinnen. Doch sind die Tage so in der Minderheit, dass die negativen Gefühle meinem jetzigen Wohnort gegenüber überwiegen. Einsamkeit macht depressiv, pessimistisch. Die politische Stimmung im Land fungiert als Verstärker von Weltuntergangsgefühlen, von Perspektivlosigkeit, Zukunftsängsten, Ohnmachtsempfinden. Continue reading

Vollzeitautist.

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In ihrem Blogartikel zum Welt-Autismus-Tag über mangelnde Barrierefreiheit für Autisten schrieb elodiyla diese Zeilen:

Der größte Teil der Autisten ist arbeitslos. Wahrscheinlich, weil sie an Bewerbungsgesprächen und sozialen Strukturen scheitern. Die Barrieren in den Köpfen der anderen hindert sie daran, ihre Produktivität einsetzen zu können. Doch zu viele Menschen glauben, dass jemand, der im Alltag viele Schwierigkeiten hat, keine komplexe Aufgaben lösen kann.

Ich erlebe diesen vermeintlichen Widerspruch selbst und er hemmt mich dabei, offen mit meinem Autismus umzugehen. Für Außenstehende ist es nicht nachvollziehbar, wie jemand, der Vollzeit im Schichtdienst arbeitet, im Alltag ein einfaches Telefonat nicht führen kann, nicht mal zu den Nachbarn hingeht, wenn sie zu laut sind, kein Auto fahren will oder kann, obwohl er ständig über die Öffis meckert und seine Einkäufe und Arzttermine andauernde verschiebt. Wie passt das zu beruflichen Höchstleistungen?

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Wenn Autismus heilbar wäre, was bliebe dann …?

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Autistische Wahrnehmung

Grundsätzlich halte ich die pauschale Aussage in beide Richtungen verkehrt, d.h. “Kein Autist möchte geheilt werden.” ebenso wie “Jeder Autist möchte geheilt werden.” Das liegt vor allem daran, dass es sich um ein Autismus-Spektrum handelt und es sehr individuelle Lebenswege gibt, mit dem eigenen Autismus umzugehen. Manche empfinden es täglich als schwere Behinderung und sehen selbst dann keine normale Lebensqualität, wenn gesellschaftliche Barrieren abgebaut würden, etwa bei extremer Reizempfindlichkeit gegenüber natürlichen Einflüssen (grelle Sonne, Gerüche, vom Wind verursachte Geräusche, Nahrungsaufnahme, usw.) oder bei Begleiterkrankungen, die körperlich oder seelisch einschränken. Andere zeigen eine höhere Funktionalität, sie können besser kompensieren, führen nach außen hin ein unscheinbares Leben, auch wenn dem ein jahrelanger K(r)ampf vorausgegangen sein mag und die Alltagsbewältigung weit mehr Herausforderungen verlangt als für Außenstehende sichtbar ist. Nachdem es auch “high functioning autism” gibt, kann man beide Sichtweisen nicht einfach in “Kanner” = Krankheit und “Asperger” = Behinderung teilen. Man kann nicht sagen, dass frühkindliche Autisten (Definition nach dem noch gültigen ICD-10) per se geheilt werden wollen und dass Asperger-Autisten ihren Autismus nie als Last empfinden. Continue reading