Gesichtererkennung

gesichter

Während der Mittagspause hab ich immer einen kurzen Fußweg zur Kantine, dabei treffe ich öfter auf Kollegen anderer Abteilungen. Manche grüßen, sobald sie die Erlaubniskarte sichtbar an der Kleidung sehen, andere grüßen, weil sie mich kennen. Nur ich brauche bei manchen Gesichtern manchmal Sekunden, bis ich überhaupt reagieren kann. Mein Gehirn verhält sich dann wie ein Prozessor, der erst einmal rödelt, um mit abgespeicherten Gesichtern zu vergleichen, bis er das passende Gesicht erkannt hat. In dieser Zeit wirke ich geistig abwesend oder gar ignorant bis verwirrt oder perplex, insbesondere, wenn mir das Gesicht von irgendwoher bekannt vorkommt, z.b., weil es der Kollege vom Nachbarzimmer ist, den ich jede Woche sehe, aber ich nicht darauf komme, woher er mir bekannt vorkommt. Weiterlesen

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Flashbacks

ffDie sentimentalen Phasen nehmen gerade zu. Ich bin (zuviel) alleine und habe viel Zeit, über verpasste und genutzte Chancen nachzudenken. Als ich von Wien nach Salzburg wechselte, hatte ich keine andere Wahl. Entweder weiter auf Teilzeit bleiben, bis auch die Reserven rasant schwinden, oder einen Vollzeitjob in einer fremden Stadt ohne soziales Auffangnetz. Zum Zeitpunkt der alternativlosen Wahl war es die richtige Entscheidung. Dass ich so abhängig sein würde von meinen (geliebten) Türöffnermenschen, war mir nicht bewusst. Ich hoffe, dass es keine Jahre bis zur Rückkehr werden. Salzburg ist für mich Exil, so günstig der Arbeitsplatz für mich auch ist. Dabei war der Weg dorthin ein persönlicher Meilenstein.

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Grobmotoriker

Dieses Thema brennt mir schon seit längerem unter den Nägeln: Grobmotorik, Feinmotorik, Koordination und Körperwahrnehmung. Ein paar Beispiele, wo es mich akut beeinträchtigt oder zumindest dafür sorgt, dass ich es kreativ umgehen muss, werde ich nachfolgend detailliert beschreiben. Nicht, um meine Schwächen bloßzustellen, sondern des Aha-Effekts wegen. Das alles können, müssen aber nicht Autismus-Symptome sein, die sich schon früh im Kindesalter manifestieren. Es ist mir wichtig, dass Angehörige, aber auch die Betroffenen selbst diese erkennen und rechtzeitig, wenn möglich und erwünscht, Gegenmaßnahmen ergreifen können. Vieles lässt sich üben, manches fällt im Erwachsenenalter leichter, manches wird sich nie ändern und manches wird man darum versuchen zu vermeiden. Die Welt geht für mich nicht unter, wenn aus mir nie ein Skifahrer wird – ein Schicksal, das ich übrigens mit Temple Grandin teile.

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2. Autismus-Fachtagung in Rosenheim, 12.11.17

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Am 6. Jahrestag meiner ersten Kuhschneeberg-Besteigung fuhr ich das erste Mal auf eine Fachtagung über Autismus, die von Autismus Rosenheim e.V. veranstaltet wurde. Sie erstreckte sich über zwei Tage, am Samstag waren fünf bekannte Buchautoren mit autistischem Hintergrund zu hören (Preißmann, Schmidt, Linke, Hübner, Anouk), am Sonntag kamen die Fachleute Tebartz van Elst, Theunissen, Schilbach sowie die niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiaterin Eva Maria Paas zu Wort. Weiterlesen

Multitasking und Telefonate

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Asperger-Autisten sind nicht dafür berühmt, mehrere Sachen gut gleichzeitig zu können. Sie bevorzugen Aufgaben schrittweise zu erledigen, also eins nach dem anderen und tun sich damit schwerer, die Aufmerksamkeit zu teilen. Doch selbst wenn es mit viel Übung und mit dem Abarbeiten eines bestimmten Musters („Routine“) gelingt, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, bleibt etwas unweigerlich auf der Strecke: die zwischenmenschliche Kommunikation. Das kann sich etwa so äußern, dass man im Multitasking-Prozess schroff oder gar unhöflich erscheint, etwa nicht antwortet, knapp antwortet, undiplomatisch antwortet und dabei gar noch das Gesicht verzieht. Entweder konzentriert man sich auf die Aufgabe oder mehrere Aufgaben zugleich oder auf die Kommunikation. Das Gehirn ist nur begrenzt teilungsfähig. Ich persönlich glaube ja, dass kein Mensch während Multitasking 100 % Leistung bringen kann, zumindest nicht über längere Zeit hinweg, aber wie dem auch sei, die Unhöflichkeit des Asperger-Autisten hat hier eben ihre handfesten Gründe, und ist nicht Teil eines schlechten Charakters oder einer schlechten Kinderstube. Weiterlesen