Wider die Vernunft?

30

Ich sehe mich zunehmend mit inneren Widersprüchen konfrontiert, weiß immer weniger, was ich eigentlich will und was gut für mich ist. In zwei Tagen werde ich siebenunddreißig. Ich lebe immer noch alleine. Das hat sich über die Jahrzehnte so ergeben, glücklich war ich mit diesem Zustand nie. Das Alleinsein kostet Kraft, gleichzeitig kostet Gesellschaft auch Kraft. Es gibt genügend Beispiele für Autistinnen und Autisten in Partnerschaft und Ehe. Autismus ist kein Ausschlussgrund für Zusammenleben. Es würde mir in vielen Alltagssituationen Erleichterung bringen, wenn ich Entscheidungen nicht alleine treffen müsste, wenn den Alltag organisieren nicht nur an mir hängen bleiben würde. Das ständige Ausgebranntsein kommt eben auch davon, sich täglich organisieren müssen, keinen Tag die Verantwortung abgeben zu können. In Phasen des autistischen Burnouts passieren Kurzschlussreaktionen. Continue reading

Der Mensch zählt nichts mehr

5
Wenige Freuden im Arbeitsalltag: Sonnenaufgang im Nachtdienst 

Ich machs relativ kurz. Beim Arbeitgeber hat letztes Jahr die politische Farbe der Chefetage gewechselt.Als ich 2015 von einem privaten Wetterdienst wegging, wo es All-in-Verträge und keinen Betriebsrat gab und Mobbing und Intrigen auf der Tagesordnung standen, hab ich aufgeatmet. Es sollte nur noch aufwärts gehen. Schließlich bin ich dort gelandet, wo ich jetzt bin. Ein sozialer Arbeitgeber, wo niemand gekündigt wird, wo eine flache Hierarchie auf Abteilungsebene herrscht. Wer hier arbeitet, will keine Karriere machen, sondern sich zum Spezialisten vertiefen. Spätestens seit der Coronakrise ist klar, dass unsere Arbeit keinerlei Wertschätzung mehr erfährt. In den Medien werden wiederholt Falschberichte lanciert, in denen völlig aus der Luft gegriffene Gehälter als Grund dafür herangezogen werden, die Löhne deutlich zu senken. Dabei kostet unsere Firma den Steuerzahler keinen Cent, sondern finanziert sich zu 100% aus den Gebühren der Kunden. Das passt natürlich nicht in den Startvorteil, den man sich den Gewerkschaften gegenüber herausholen will. Es geht aber definitiv zu weit, wenn der Redakteur einer rechtsradikalen Boulevardzeitung einen Gewerkschaftsfunktionär “Kapo” nennt. Continue reading