Hilft nix: Loslassen, und nach vorne schauen

Nach dem plötzlichen Ende einer Freundschaft, die schon seit Jahresbeginn nicht mehr friktionsfrei verlaufen war, und ich in der Extremsituation Pandemie einfach nicht loslassen wollte oder konnte, hat es einige Wochen Trauerzeit gebraucht, damit klarzukommen. Eigenanteile ganz klar vorhanden, hätte (habe) ich auch zugegeben, aber wenn die andere Seite nicht in der Lage ist, sich selbst zu reflektieren, hilft es nichts. Ich bin grundsätzlich versöhnungsbereit, aber darum betteln tu ich auch nicht, wenn es auf einseitige Schuldzuweisungen hinausläuft – ohne Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen.

Jetzt wird die Extremsituation Pandemie schon wieder akut, weil die Politiker ignorante Idioten sind, und uns trotz Erfahrung aus dem Vorjahr ins offene Messer laufen ließen. Es kann also durchaus bald wieder zu lockdownähnlichen Zuständen kommen. Ich hab mein Kontaktmanagement wenig geändert, sondern treffe im wesentlichen seit Pandemiebeginn immer die gleichen Menschen (Freunde, enge Bekannte) und ausschließlich Menschen, die selbst vorsichtig sind. Ich bin zwei Mal geimpft und hole mir bald nach 7 Monaten die dritte Teilimpfung, um die Grundimmunisierung abzuschließen. Ich teste einmal die Woche mit PCR-Gurgeltests, die es in Wien gratis für jeden Haushalt gibt. Und ich trage durchgehend FFP3-Maske (die passen bei mir besser als FFP2), sobald ich mich im öffentlichen Raum bewege – auch in Fußgängerzonen. Mich stört es absolut nicht. Eine Sauerstoffmaske würde mich mehr stören.

Im letzten Jahr war ich so darauf fixiert, dass ich *ganz alleine* in Wien war, von den Eltern in Deutschland getrennt, dass es schwer war, ohne wichtigste Bezugsperson klarzukommen. Die kam aber auch einige Wochen wunderbar ohne mich klar, wie ich zu Jahresbeginn leidvoll erfahren musste. Ich glaube, dass ich meine eigene Resilienz massiv unterschätzt habe, ich bin viel stärker als ich es zugeben kann. Inzwischen hab ich durch die Pandemie so viele neue Bekannte kennengelernt und auch Kontakt zu alten Bekannten wiederhergestellt, dass ich auf ein breites soziales Netz zurückgreifen kann. Ich bin *nicht* alleine, sondern habe viele Gleichgesinnte, die wie ich für ein Ende der Pandemie kämpfen – für ZeroCovid, um das gleich klarzustellen, und nicht für ein Ende der Maßnahmen. Daraus schöpfe ich meine Kraft und mache weiter.

Daneben ist endlich meine Fußverletzung (Sesambein-Ermüdungsbruch nach 24-Stunden-Wanderung mit Trailrunning-Schuhen) anscheinend endgültig ausgeheilt, die mich vom Juni 2018 bis September 2020 in der Bewegungsfreiheit zeitweise stärker einschränkte. Ich kann wieder völlig schmerzfrei Strecken über 20km wandern, auch in felsigerem Gelände. Die letzten Wochen war ich viel unterwegs wandern, Natur genießen, neue Bewegungsfreiheit auskosten. Pétanque hat da nicht hineingepasst, zumal ich dafür nicht aus der Stadt herauskomme. Ich will es nicht ganz aufgeben, aber es dauert noch, bis ich einen neuen Anlauf starten kann. Dazu ist der Herbst außerdem einfach meine liebste Wanderzeit und freie Tage müssen ohnehin vom Wetter und vor allem meinem Energiehaushalt her passen, dass ich überhaupt eine Wanderung machen kann.

Ich war so blöd, aber es ging nicht anders, dass ich im Winter Urlaub genommen habe. Vielleicht ein wenig Naivität, dass es wieder nicht so eskaliert wie im Vorjahr, aber unser Urlaubsplan wird bis Ende Oktober gemacht, und gilt dann bis Ende April. Ich fahre an Weihnachten nach Hause und möchte im Februar bzw. März jeweils ein Wochenende mit dem Alpenverein schneeschuhwandern. Ob das realisiert werden kann, steht in den Sternen. Am liebsten wäre mir, es würden nur Drittgeimpfte zugelassen, Zweitgeimpfte mit Test und Genesene mit Impfung. Ungeimpfte … sorry sunshine, wrong place. Dann würde ich mich sicher fühlen, aber nach der dritten Impfung bin ich womöglich ohnehin so gut wie sicher und die Anspannung lässt nach. Diese Gruppenwanderungen sind für mich sehr wichtig – das gehört zu den wenigen gänzlich unautistischen Unternehmungen, die ich mache – weil es direkt an mein Hobby anschließt. Da schlaf ich auch mit Fremden in einem Zimmer und toleriere die Lautstärke beim abendlichen Zusammensitzen.

Natürlich werden die Regeln viel, viel lockerer sein oder die Veranstaltungen gar nicht stattfinden, mal schaun. Wenn es ausfällt, ist es kein Drama, dann mach ich eben Tagestouren.