Exekutive Dysfunktion: Zu viele Termine, zu wenige Termine

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Genügend Leerlaufzeit ist wichtig

Exekutivfunktionen beschreiben die Fähigkeit, Aufgaben zu beginnen, fortzusetzen und zu beenden. Die Exekutive Dysfunktion macht sich unter anderem dann bemerkbar, wenn es darum geht, sein Leben zu organisieren, ob in der Arbeit, im Haushalt, in der Freizeit, eingeschlossen Urlaub und Ausflüge, aber auch beim Einkaufen, beim Sichtzurechtfinden in fremden Umgebungen und in der Terminplanung. Continue reading

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Auf sich achten: Weniger ist mehr.

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Ausblick vom “Häuserl am Roan” auf Wien, im Hintergrund das Leithagebirge mit flacher Dunstschicht davor.

Es ist schon eigenartig, das Thema Sozialkontakte. Zwischen der 24-Stunden-Wanderung Mitte Juni und der mehrtägigen Hüttenwanderung Ende Juli hatte ich Null (tiefsinnigere) Sozialkontakte, abgesehen von den Kontakten mit den Arbeitskollegen und zwei Terminen mit meinem Psychologen. Das war echt zach. An den wenigen, an einer Hand abzählbaren Tagen mit Sozialkontakten in Salzburg gelingt es mir sogar, der Stadt Positives abzugewinnen. Doch sind die Tage so in der Minderheit, dass die negativen Gefühle meinem jetzigen Wohnort gegenüber überwiegen. Einsamkeit macht depressiv, pessimistisch. Die politische Stimmung im Land fungiert als Verstärker von Weltuntergangsgefühlen, von Perspektivlosigkeit, Zukunftsängsten, Ohnmachtsempfinden. Continue reading

Was den Stress beim Einkauf verursacht

Einer der Hauptgründe für mein Prokrastinieren von (mehr oder weniger) dringenden Einkäufen ist der damit verbundene Stress mit anderen Menschen. Das beginnt häufig schon mit der Anfahrt. Ich verzichte meist aufs Rad, weil ich (inzwischen) seltener Einkaufen gehe, dann aber möglichst viel auf einmal kaufen will. Da ist das Rad dann hinderlich bzw. der Rucksack mitunter zu klein (mein schweres Bügelschloss muss auch noch reinpassen). Das heißt dann immer Bus, und der ist unpünktlich, unbequem (Straßenschäden, ruckartiges Anfahren und Bremsen) und voll. Pro Busfahrt mindestens eine Person, die sich wochenlang nicht gewaschen hat, und sich dann meistens zu mir setzt oder stellt.

Im Einkaufszentrum ist es laut, hektisch, wuselig, Gedränge, Gerempel. Überlaute Hintergrundmusik sorgt dafür, dass es keine Ecke gibt, wohin man sich kurz mal zurückziehen kann.

In Einzelhandelgeschäften fehlt mir häufig die Möglichkeit, mir vorher im Online-Shop das Produkt meiner Wahl herauszusuchen, weil ich vor Ort oft “den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe.” Zudem wird man meist sofort angesprochen von Verkäufern, was ja gut gemeint ist, aber mich immer extrem unter Entscheidungsdruck setzt. Ich muss mir Produkte immer vorher erst anschauen können. Deswegen geh ich nie auf Wochenmärkte, weil man sofort vom Marktstandverkäufer angelabert wird, klar, der will verkaufen, speziell, wenn nebendran noch zehn weitere Gemüsemärkte mit günstigeren Preisen sind. Aber ich kann mir dann nichts anschauen und bin oft in dem Moment so überreizt, dass ich verstumme statt laut auszusprechen “Ich möchte mir zuerst alles anschauen.

So gibt es in Salzburg mindestens fünf oder sechs Sportgeschäfte, aber ich kenne keinen Verkäufer/Berater persönlich wie in Wien, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er mir etwas aufschwatzt, dass ich gar nicht wollte. Ist schon zu oft passiert. Also warte ich oft lange, bis ich wieder in Wien bin, wo mein persönlicher Verkäufer auch mal sagt “da zahlst Du nur die Marke mit, es gibt auch das günstigere Produkt X, das genauso gut ist.”

In größeren Elektronikfachgeschäften sind die Mitarbeiter teilweise inkompetent, teilweise kompetent, ein Glücksfall. Als ich meine Spiegelreflex bewusst dort kaufte, weil ich im Garantiefall dann überall in Österreich hingehen konnte, und nicht an einen fixen Ort gebunden war, befand sich in der Schachtel kein Akku. Als ich zurückging und dies reklamierte, wollten sie mir unterstellen, ich hätte ihn daheim herausgenommen. Der Lüge/Betrug bezichtigt zu werden hat mich so wütend gemacht, am liebsten hätte ich den Kauf rückgängig gemacht. Dabei war es sogar der jüngere (neue) Mitarbeiter, der mir glaubte, aber der Leiter der Fachabteilung hat drei Mal Äußerungen fallen lassen, wo er mir eindeutig nicht glaubte. Es macht wahrlich keinen Spaß, viel Geld für einen Laden hinzulegen, wo der Kunde erstmal Verbrecher ist, wenn er reklamiert, wenn in Wahrheit die Mitarbeiter Mist gebaut haben. In seriösen Geschäften wird immer vor der Herausgabe kontrolliert, ob sich die vollständige Ware im Karton befindet.

Am häufigsten aber ist der Supermarkteinkauf. Früher waren sowohl die Laufbänder länger zum Auflegen als auch der Ablagebereich, um einzuräumen. Inzwischen haben viele Geschäfte kurze Laufbänder, wenig oder gar kein Ablagebereich und häufig viel zu wenig Trennteile, um seine Waren vom nachfolgenden Kunden abzugrenzen. Wenn der Vordermann oder die Vorderfrau dann vor sich hinträumt, hat man plötzlich wenig Zeit, alles aufzulegen, oder der Hintermann/Hinterfrau legt auch schon auf und man hat zu wenig Platz für sein eigenes Zeug. Oder wenn man der erste an der Kassa ist, was ich zu vermeiden versuche. Denn dann muss ich blitzschnell alles auflegen, während sies schon drüberzieht, aber ich kann nicht gleichzeitig auflegen und aufräumen. Der oder die nach mir drängelt schon oder kommt auf Körperkontaktnähe an mich heran, was ich wie die Pest hasse. Extra nervig ist es dann, wenn ich meinen Rucksack auch noch herzeigen muss, und sie zieht weiter über den Scanner. Dann komm ich gar nicht mehr nach, in der Hektik fällt mir dann noch was herunter. Als ich noch jünger war und weit vor der Diagnose, musste ich immer im Kopf erst organisieren, in welcher Reihenfolge ich den Rucksack abnahm, Geldbeutel bereithielt und wieder einräumte. Das klappt zwar inzwischen schon intuitiver, aber manches “Könnten Sie bitte den Rucksack zeigen?” kommt doch immer noch unerwartet und unvorbereitet.

Nach solchen Erlebnissen bin ich meist nassgeschwitzt, der Schweiß steht auf der Stirn. Das kann bei Konfrontationen wie in dem Elektronikgeschäft wirken, als ob ich schuldig sei. Tatsächlich laufen bei mir nur die Stresshormone Amok. Danach sackt auch der Blutzucker ab, ich muss dann dringend etwas essen, sonst werd ich ganz zittrig. Man kann sich vorstellen, dass die Summe aus alledem schwer unter einen Hut mit mehreren Einkäufen an einem Tag zu bringen ist. Regentage machen es nicht leichter, zur allgemeinen Geräuschentwicklung kommt noch das schneidende Geräusch von Fahrzeugreifen auf einer nassen Fahrbahn hinzu.

Man könnte jetzt natürlich sagen – warum bestellst Du nicht alles online? Das klingt im ersten Moment einfach und unkompliziert, aber ist es dann gar nicht. Erstens besitzen nicht alle Sportgeschäfte einen (übersichtlichen) Online-Shop, zweitens muss ich gerade bei Lebensmitteln sehen, was ich einkaufe, nicht immer steht alles auf meiner Liste, und drittens ist es durch meinen Schichtdienst ein Glücksspiel, ob ich zuhause bin oder nicht. Und ich möchte an freien Tagen nicht den ganzen Tag zuhause bleiben zu müssen, in Erwartung eines Pakets, dass dann vielleicht doch nicht kommt. Ich hole es auch ungern bei meinen (wenig geliebten) Nachbarn ab, wo man dann wieder darauf angewiesen ist, dass diese auch zuhause sind. Oder die lange Odyssee mit Paketdiensten und -zustellung.

Was helfen würde (Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Rückzugsräume in Einkaufszentren

Beruhigende Klassikmusik statt lautes Popgedudel

Keine Musik/Hintergrundbeschallung in Einkaufsmärkten

Keine grellen/flackernden Neonröhren

Wieder mehr Ablagefläche an den Kassen

Begleithund (schön wär’s …)

Abstand halten (wird bei Bankomaten ja auch gemacht)

Übersichtliche Online-Shops und/oder übersichtliche Märkte (Negativbeispiel: Hervis, Intersport)

Ungeplante Freizeit überfordert

Ich sehe mich wieder einmal mit einem nicht rational erklärbaren Phänomen konfrontiert. In meinem Dienstplan habe ich eher zufällig fünf freie Tage in Serie bekommen, ohne Urlaub zu nehmen. Davor ist allerdings noch ein Spätdienst, bei dem ich bis eine Stunde vor Dienstschluss nie weiß, ob ich ihn regulär um 23.00 Uhr beenden darf oder er nicht doch länger dauert. Mein inneres Kind ist gespalten:

Da ist die eine Stimme, die sagt: “Nutz das doch aus, fahr weg!” und fieberhaft suche ich nach potentiellen Zielen, wobei mich wieder mal die Wucht des Single-Daseins trifft, und z.b. anspruchsvolle Bergtouren ausscheiden. Dann ist es eine Jahreszeit, in der ich nie Urlaub nehmen würde, außer es gäbe vorab ein geplantes Ereignis, wie in knapp zwei Wochen eine 24-Stunden-Wanderung, an der ich teilnehmen werde. Sonst ist es mir aber viel zu unbeständig vom Wetter. Meine ambitionierten Wanderpläne beschränken sich alle auf die Zeit von August bis Oktober, aber nicht davor. Die Tage verstreichen also, ich habe mich immer noch nicht entschieden. Ich könnte ja nach Wien fahren für ein paar Tage, wohlwissend, dass auch dort bedingt durch das verlängerte Wochenende die Hölle los sein wird. Gestern habe ich dann endlich mal nach Hotels in Wien geschaut, natürlich ist längst alles ausgebucht oder gut die Hälfte teurer als sonst. Verlockend wäre die Vorstellung schon, viele Bekannte oder Freunde zu treffen.

Die andere Stimme sagt: “Schalte einen Gang zurück. Entscheide von Tag zu Tag, was Du machen willst.” Das bringt mitunter den Nachteil, dass ich mich täglich über meinen täglich grillenden Nachbarn aufregen muss, der mir mit dem Grillgestank die Wohnung einnebelt. Dafür könnte ich, wenn sich doch ein trockenes Zeitfenster abzeichnet, noch ein zwei Bergtouren machen, evtl. sogar mit Übernachtung, da ab Juni die ersten Hütten aufsperren. Denn eines ist auch klar, die beiden längeren freien Phasen in diesem Monat büße ich dann zu Monatsende, wenn der Dienstplan wieder dichter wird. Grundsätzlich bin ich mit meinem Dienstplan sehr zufrieden, viel besser als bei meiner ersten Firma – durch die 12-Stunden-Dienste hat man viel Freizeit im Monat. Aber ich habe immer noch nicht gelernt, mit längeren freien Serien umzugehen, die ich nicht verplant habe, speziell bei gewitteranfälligem Wetter, wo mir exponierte Wanderungen zu riskant sind, und wo man leider derzeit nicht einmal am Vortag richtig weiß, wo und wann am nächsten Tag Gewitter losgehen.

Ich fühle mich überfordert und entscheidungsunwillig.

“Verzerrtes Denken” im Job (Newsletter von Barbara Bissonnette)

Von Barbara Bissonnette, u.a. Job-Coach für Asperger-Autisten, habe ich einen E-Mail-Newsletter abonniert, in dem sie regelmäßig auf Schwierigkeiten im Job und mögliche Lösungsansätze aufmerksam macht.
Vor kurzem ging es um “verzerrtes Denken”, welches bei der Jobsuche behindert oder dabei, mit den Kollegen zurechtzukommen.  Der Begriff “Kognitive Verzerrungen” (cognitive distortions) nimmt Bezug auf Gewohnheitsmuster mit negativem Denken, was zur Missinterpretation von Personen und Situationen führt: Ein Ereignis tritt auf und man kommt zu einem negativen Schluss darüber, weshalb und verhält sich entsprechend. Das Problem besteht darin, nicht zu beachten, ob die Schlussfolgerung überhaupt einen Sinn ergibt.
In Dr. David Burns Buch Feeling Good: The New Mood Therapy (1) wurden zehn häufige Muster verzerrten Denkens identifiziert:

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