Inklusion? Schön wär’s …

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Die beste und einzige Behandlung ist eine Psychotherapie beziehungsweise eine Art „Coaching“.

Die zitierte Aussage stammt aus einem Artikel (abgerufen am 27.10.16, 21.30), der inhaltlich gut wäre, würde nicht inflationär der Begriff Krankheit benutzt werden. Autismus ist keine Krankheit! Dass gerade eine Diagnostikerin diesen Begriff noch verwendet, ist sehr traurig. Aber ich nutze diesen Blogtext nicht, um mich über diese Wortwahl aufzuregen, sondern möchte die obige Aussage kritisch beleuchten:

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„Autismus mal anders“ von Aleksander Knauerhase

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Viele in der Öffentlichkeit stehende Autisten müssen sich dafür rechtfertigen, was sie sagen und schreiben. Es ist nicht möglich, Autisten aus dem ganzen Spektrum zu vertreten. Jeder erkennt sich in manchen Aussagen wieder, in anderem überhaupt nicht. Ich habe das vorliegende Buch als Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit Fachbegriffen, aber auch dem Gegenstand von Forschungsthemen genommen. Es ist sozusagen eine erweiterte Rezension. Wie bereits im Vorwort des Buchs angekündigt, handelt es sich nicht um ein Fachbuch, sondern ist in einfacher Sprache geschrieben. Dem Autor ist es gelungen, in verständlicher Sprache das autistische Sein zu erklären. Um eine Lücke zwischen Sachbuch und individuell gefärbten Informationen (z.B. Autobiografien) zu füllen, fehlen für mich jedoch vor allem Bezugnahmen auf literarische und wissenschaftliche Quellen. Einfache Sprache und Quellenverweise schließen sich für mich nicht aus.

Nicht über Autisten sprechen, sondern mitreden lassen. Das mag oft richtig sein und in vielen Fällen fehlen eben genau diese Informationen von Betroffenen selbst. Eine solide Grundausbildung, die auch autodidaktisch sein kann, ist jedoch unumgänglich, wenn es um die Verwertung wissenschaftlicher Informationen geht. Quellenangaben helfen auch dem Leser weiter, warum der Autor bestimmte Aussagen trifft.

Ich kann das Buch aber jedem weiterempfehlen, der nach Denkanstößen und persönlichen Erfahrungen als Autist sucht. Die Länge dieser Auseinandersetzung erlaubt es leider nicht, auf alle angesprochenen Themen einzugehen, dafür ist die Vielfalt im Buch zu umfangreich (was ebenfalls positiv zu bewerten ist).

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Blombergs Verschwörungstheorien in Buchform

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Neulich besuchte ich wieder einmal meine Stamm-Buchhandlung Morawa, um zu schauen, was es im Autismus-Regal neues gibt. Auch nach ca. einem Jahr steht noch eins über Verschwörungstheorien zu Autismus da: Harald Blomberg – Autismus ist heilbar.

Blomberg ist schwedischer Psychiater und ignoriert jegliche seriöse Forschung über Autismus. Schon der Klappentext löste bei mir tiefgehende Empörung aus. So behauptet er, Autismus entstünde durch Glutein- und Kaseinunverträglichkeit (in einem Blogtext erläuterte ich bereits, dass es sich hier um Begleiterscheinungen handelt, die nur auf einen kleinen Bruchteil von Autisten zutreffen), durch Quecksilber und andere Schwermetalle (in der S3-Leitlinie zu Autismus, die 2016 erschien, klar ausgeschlossen), steigende Belastung durch elektromagnetische Felder und Funkwellen (müsste da nicht die ganze Weltbevölkerung autistisch sein?) sowie Entzündungsprozesse, Gehirnschädigungen und gestörte Immunabwehr. Im Original heißt das Buch „Autism – a disease that can heal“. Haben wir uns nicht darauf geeinigt, DASS AUTISMUS KEINE KRANKHEIT IST?!

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In der Bewegung liegt die Kraft

Für mich ist das Schreiben eine große Leidenschaft seit der Kindheit. Früher schrieb ich ganze Zettel und Blöcke voll, später Kurzgeschichten und Gedichte am PC, dann begann ich 2002 mit einer Website, die ich rasch mit viel Inhalt füllte, und auch danach war ich immer in irgendeiner Form aktiv, in Foren, auf Blogs, auf sonstigen Plattformen.

Nach ein paar Tagen Zwangspause ohne Schreiben, sei es beruflich bedingt, weil soziale Verpflichtungen Vorrang hatten oder weil keine Gelegenheit war (Urlaub), fühle ich mich ebenso unrund wie wenn ich ein paar Tage keinen Sport treibe.

Nach Hause kommen und entspannen. Wie geht das? Ich sitze oft am Computer und habe regelrechten Schreibdurchfall. Möchte Blogtexte schreiben, möchte etwas übersetzen, einen Fachartikel dort, eine Zusammenfassung hier, zwischendrin ein wenig Kommunikation auf Englisch in amerikanischen Facebookgruppen. In den Leerlaufzeiten, wenn ich unterwegs bin und das Handy außer Reichweite ist, kommen die ganzen Gedanken und Ideen für weitere Texte. Ein unablässiger Gedankenstrom.

Nur daliegen und entspannen ist schwierig. Sonst fühle ich eine innere Unruhe, mich zu bewegen oder zu schreiben. Entspannung, das bedeutet für mich allenfalls noch in einem Kaffeehaus zu sitzen und Zeitung zu lesen. Essen und Trinken ist immer mit Lesen verbunden, ich fahre dafür auch nochmal eine Station weiter mit der Tram, um irgendwoher eine Zeitung zu bekommen. Buch lesen geht genauso, am liebsten aber Zeitung. Das Ritual ist seit der Kindheit, seit dem Frühstück vor der Schule, gegeben. Oder Film schauen. Abendessen und Film schauen.

Wenn ich ruhig da sitze, vermeintlich entspannt, bin ich eher völlig verspannt, und wippe bald mit dem Fuß, oder reibe und zupfe an meinen Augenbrauen herum. In Ruhe ein Buch lesen kommt eher selten vor, am ehesten noch vor dem Einschlafen. Sonst lese ich am liebsten in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder während einer längeren Zugreise. Das ist für mich Entspannung. Entspannung im Urlaub im Sinne von faulenzen, herumliegen, sich im Bett räkeln? Undenkbar. Ich muss aktiv sein, mich bewegen.

Der nonverbale Autist Birger Sellin schrieb in seinem Buch „Ich will kein inmich mehr sein“

Also macht wohlgemeinte friedhofsruhe mich unruhig Aber action macht mich stiller

Und meinte damit, dass er deswegen anfange zu zappeln und zu schreien, weil es ihn beruhige. Während ihn die Stille unruhig mache.  Es gibt bei mir Ausnahmen: Manchmal bin ich untertags so überreizt worden, dass ich abends Stille brauche, nicht einmal Musik ertrage, obwohl ich sonst extrem viel Musik höre.  Dann ist jedes Außengeräusch zu viel.

Meine Schreibdurchfälle sind auch eine Art Stimming. Während dem Schreiben und nach der Erschaffung eines neuen Texts fühle ich eine innere Befriedigung. Wenn ich im mentalen und sensorischen Stress bin, unter Reizüberflutung leide, dann ist der Drang zum Schreiben umso größer. Schreiben statt innerlich schreien. Denn nach außen zeige ich meine Gefühle kaum, allenfalls durch kontinuierliche Schwarzmalerei.

Aus diesem Grund ist es für mich wichtig, meinem Schreibdrang regelmäßig nachgehen zu können. Wird mir dieser kontinuierlich entzogen, werde ich immer unentspannter – was auch das Umfeld zu spüren bekommt.

Overloads vorbeugen

Was genau hilft nun, die Reizüberflutung erträglicher zu gestalten? Dazu gibt es von einer sehr geschätzten Bloggerin eine schöne Übersicht auf Englisch. Meine Übersetzung:

Sinnesüberreizung – und wie man diese bewältigt.

Sinnesüberreizung wird mit folgenden Störungen in Verbindung gebracht:

  • Fibromyalgie
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)
  • Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS)
  • Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)
  • Generalisierte Angststörung (GAD)
  • Synästhesie

Eine Sinnesüberreizung tritt auf, wenn einer oder mehrere der Sinnesorgane durch die Umgebung überstimuliert wird. Grundsätzlich fühlt sich das so an, als ob alles zur gleichen Zeit geschieht, und zu schnell für Dich geschieht, um mitzuhalten. Sinnesüberreizungen können durch Überstimulierung von jedem Sinn hervorgerufen werden:

  • Hören: Laute Geräusche oder Klänge aus mehreren Quellen, wie wenn sich mehrere Menschen gleichzeitig unterhalten
  • Sehen: Grelles Licht, Stroboskoplicht oder Umgebungen mit vielen Bewegungen, wie Menschenmassen oder häufige Szenenwechsel im Fernsehen
  • Geruch und Geschmack: Starke Aromen und scharfes Essen
  • Tasten: Taktile Sinneserfahrungen wie von anderen Menschen berührt werden oder das Gefühl von Stoff auf der Haut.

Offensichtlich reagiert jeder unterschiedlich auf Sinnesüberreizungen.

Einige Verhaltensbeispiele:

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Es gibt zwei verschiedene Methoden, Sinnesüberreizungen zu verhindern: Vermeidung und Grenzen setzen

  • Schaffe Dir eine ruhigere und geordnetere Umgebung, welche den Geräuschpegel bei einem Minimum hält und das Gefühl des Durcheinanders reduziert.
  • Ruhe Dich vor großen Ereignissen aus.
  • Konzentriere Deine Aufmerksamkeit und Energie auf jeweils eine Sache.
  • Beschränke die Zeit, die Du für vielfältige Aktivitäten verwendest.
  • Wähle Situationen, in denen Du Menschenansammlungen und Geräusche vermeiden kannst.
  • Man könnte auch Interaktionen mit bestimmten Leuten beschränken, um Sinnesüberreizung zu vermeiden.

In Situationen mit Sinnesüberreizung ist es wichtig, sich selbst zu beruhigen und auf ein normales Niveau zurückzukehren.

  • Ziehe Dich aus der Situation zurück.
  • Tiefer Druck gegen die Haut kombiniert mit Wahrnehmungen aus dem eigenen Körper, die die Rezeptoren in den Gelenken und Bändern stimulieren, beruhigt häufig das Nervensystem.
  • Sinneseindrücke reduzieren kann helfen, etwa stressende Geräusche zu eliminieren und das Licht abzudämmen
  • Für manche funktioniert es, beruhigende, konzentrierte Musik zu hören.
  • Gönn Dir eine längere Erholung, wenn eine kurze Pause keine Erleichterung bringt.

Was ist, wenn ein_e Bekannte_r gerade eines Sinnesüberreizung erleidet?

  • Erkenne den Beginn der Überreizung. Wenn sie die Fähigkeiten verloren haben zu scheinen, die sie normalerweise haben, z.B. vergessen, wie man spricht, ist das oft ein Zeichen für eine schwere Überreizung.
  • Verringere den Lärmpegel. Wenn sie sich an einem lärmreichen Ort aufhalten, biete ihnen an, sie wohin zu führen, wo es ruhiger ist. Gib ihnen Zeit, damit sie Fragen und Antworten verarbeiten können, weil Überreizung tendenziell das Verarbeiten verlangsamt. Wenn Du den Lärmpegel steuern kannst, etwa die Musik abzuschalten, mach es.
  • Berühre oder stoße sie nicht. Viele Leute mit Sinnesüberreizung sind übersensibel gegenüber Berührungen – berührt zu werden, oder alleine die Gedanken daran, berührt zu werden, können die Überreizung verschlimmern. Wenn sie sitzen oder kleine Kinder sind, begib Dich auf ihre Höhe statt über sie zu ragen.
  • Spricht nicht mehr als notwendig. Frag, wenn notwendig, um Hilfe anzubieten, aber sagt nichts Beruhigendes oder bring sie dazu, über etwas anderes zu reden. Sprechen ist Sinnesinput, und kann die Überreizung verschlimmern.
  • Wenn sie eine Jacke haben, wollen sie sie möglicherweise anziehen und die Kapuze aufsetzen. Das hilft, die Reize zu verringern, und viele Leute finden das Gewicht der Jacke tröstend. Wenn sich ihre Jacke nicht in Reichweite befindet, frag sie, ob Du sie ihnen bringen sollst. Eine schwere Decke kann denselben Zweck erfüllen.
  • Reagiere nicht auf Aggressionen. Nimm sie nicht persönlich. Überreizte Menschen verursachen selten ernsthaften Schaden, da sie niemanden verletzen wollen, sondern bloß der Situation entkommen wollen. Aggressionen treten meist dann auf, weil Du versuchst hast, sie zu berühren, einzuengen bzw. ihre Fluchtmöglichkeit blockiert hast.
  • Wenn sie sich beruhigt haben, sei Dir dessen bewusst, dass sie oft erschöpft sind und für längere Zeit Überreizungen gegenüber empfänglicher sind. Es kann Stunden oder Tage dauern, bis sie sich von der Phase mit Sinnesüberreizung vollständig erholt haben. Falls möglich, versuche den Stress danach ebenfalls zu verringern.
  • Wenn sie damit beginnen, sich selbst zu verletzen, solltest Du dabei normalerweise nicht aufhalten. Zurückhalten macht ihre Überreizungen wahrscheinlich schlimmer. Schreite nur ein, wenn sie etwas tun, das sie ernsthaft verletzen könnte, etwa fest beißen oder den Kopf gegen Wand schlagen. Es ist viel besser, die Selbstverletzungen indirekt anzugehen, indem man die Überreizungen abmildert.

Zusammenfassung: Denk an die 5 R’s:

  • 1. Recognise (Erkenne)

… die Symptome der Überreizung

  • 2. Remove (Entferne )

… Dich aus der Situation

  • 3. Reduce (Verringere)

… den Sinneseindruck, der die Überreizung verursacht

  • 4. Relax (Entspanne)

… Deinen Körper und beruhige Dich

  • 5. Rest (Ruhe)

… Dich aus, da Du sehr wahrscheinlich ermüdet sein wirst. * PS: Im Englischen verwendet man den Begriff Overload für Überreizung, welche sich in Sinnesüberreizung (Sensory Overload) und mentale Überreizung (Mental Overload)/endlos kreisende Grübeleien unterteilt. Reizfilterschwäche (Sensory Gating Disorder) bezieht sich meist auf die körperlichen Sinne, während Hochsensibilität eher auf Gefühle abzielt.