Inklusion? Schön wär’s …

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Die beste und einzige Behandlung ist eine Psychotherapie beziehungsweise eine Art „Coaching“.

Die zitierte Aussage stammt aus einem Artikel (abgerufen am 27.10.16, 21.30), der inhaltlich gut wäre, würde nicht inflationär der Begriff Krankheit benutzt werden. Autismus ist keine Krankheit! Dass gerade eine Diagnostikerin diesen Begriff noch verwendet, ist sehr traurig. Aber ich nutze diesen Blogtext nicht, um mich über diese Wortwahl aufzuregen, sondern möchte die obige Aussage kritisch beleuchten:

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Nichts verstanden: Kolumne in der FAZ über „Fahrstuhltypen“

Ja, natürlich handelt es sich auch bei dieser Kolumne (abgerufen am 19.10.16, 18.23) um einen nicht ganz ernst gemeinten Beitrag. Es herrscht Meinungsfreiheit, Künstlerfreiheit, Satirefreiheit. Aber: Der Autor suggeriert, Unhöflichkeit sei typisch autistisch. Und das ist keineswegs der Fall!

Wer nicht grüßt, redet auch sonst nichts, und deshalb pressen diese autistischen Mitfahrer ihren Blick auf die kahlen Aufzugwände, als gäbe es da irgendetwas Spannendes zu entdecken – was selten der Fall ist. Dient natürlich nur dem Zeittotschlagen. Solche Mitfahrer scheinen nur einen Wunsch zu haben: Ich will hier raus!

Wenn ich einen Fahrstuhl betrete, hoffe ich immer, dass er leer ist und bin frustriert, wenn auf dem Weg nach oben ständig diese nichtautistischen Mitfahrer einsteigen und ich den fürchterlichen Smalltalk ertragen muss, der mich nicht die Bohne interessiert. Das kann anstrengend sein, besonders früh am Morgen, wenn das Gehirn erst langsam auftaut und das Sprachzentrum vor dem ersten Kaffee noch nicht funktionsfähig ist. Sofern ich geistig Betriebstemperatur erreicht habe, grüße ich durchaus, ich brülle es beim Einsteigen vielleicht nicht ins Gesicht, aber ich bewege meine Lippen. Manchmal bin ich aber auch so im Gedanken und so unter Strom, dass keine zusätzliche Energie für Begrüßungsfloskeln und Smalltalk aufgewendet werden kann.

Wenn mein Akku vollkommen erschöpft ist, möchte ich tatsächlich nur noch so schnell hinaus wie möglich, insbesondere dann, wenn die Kabine „so groß wie ein Hasenstall“ ist und man genauso eng zusammenstehen muss. Jeder Mensch hat seine persönliche Komfortzone, was die Distanz zu seinen Mitmenschen betrifft. Da gibt es kulturelle Unterschiede (Mitteleuropäer versus Südamerikaner), aber auch sensorische Unterschiede. Im Gegensatz zu anderen Autisten schreie ich nicht auf, wenn mich jemand berührt, ich falle auch nicht in Ohnmacht oder bekomme sonstige Zustände, aber ich empfinde es als sehr sehr unangenehm, wenn ich mit fremden Menschen sehr nahe zusammenstehen muss (Weihnachtsmärkte sind daher nicht meine Lieblingsplätze). Sie dringen dann in meine Komfortzone ein. Und das kann, wenn ich ohnehin schon überlastet bin, durchaus eine Panikattacke auslösen „Ich will hier raus!“

Gewöhnlich sieht man das dem Menschen aber nicht an. Autismus ist unsichtbar. Selbst ein Flattern mit den Händen, ein unruhiges Schaukeln oder Wippen kann man als Folge bloßer Nervosität erklären und nicht als selbstregulierendes Verhalten infolge einer sensorischen Überlastung. Andere halten aber eben ihr Smartphone vor die Nase, weil sie versuchen, sich auf einen (hier: visuellen) Reiz zu konzentrieren, wenn man aufgrund der Anzahl der Personen im Hasenstall keine leere Wand mehr anstarren kann.

So, und ist das schlimm? Nein. Genauso wie es Morgenmuffel gibt, haben auch Fahrstuhlbegrüßungsmuffel ihre Berechtigung. Die wenigen Sekunden unkommunikativ sein lassen sich ohne bleibende Egoschäden überleben.

Themenwoche Psyche beim „Kurier“

Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ lancierte vergangene Woche eine Themenreihe über Psyche, neben Depressionen, Demenz und Angsterkrankungen wurden auch ADHS und Autismus besprochen. Um überzogene Erwartungshaltungen gleich zu dämpfen: Während die anderen Themen relativ ausführlich behandelt werden, gibt es zu ADHS und Autismus nur je eine Doppelseite. Der Hauptkritikpunkt beim Lesen: Es wird suggeriert, dass beides vor allem bei Kindern auftritt. Schule und Arbeit werden bei Autismus völlig ausgeklammert, dabei gehören diese Themen in meinen Augen zu den größten Baustellen in Österreich. Ebenso werden ADHS und Autismus stark aus der defizitorientierten Perspektive betrachtet, wo zudem der Eindruck vermittelt wird, mit Medikamenten und Therapien sei alles heilbar. Es sind leider immer wieder vergebene Chancen in den (österreichischen) Medien, Autismus neutral darzustellen. Weiterlesen

Innovatives Denken als Stärke

Die Zahlen ähneln sich in den USA, in UK und wahrscheinlich auch in Deutschland oder Österreich: Nur rund 15 % der erwerbsfähigen Autisten haben eine Vollzeitstelle. Viele arbeiten Teilzeit oder wechseln häufig den Job, weil auf ihre Bedürfnisse, aber auch Fähigkeiten zu wenig Rücksicht genommen wird. Viele arbeitsfähige Autisten arbeiten zudem unter ihrer Qualifikation, werden oft in Werkstätten abgeschoben. Dabei handelt es sich bei Autismus um keine geistige Behinderung. Meine Erfahrungen dürfen keineswegs als stellvertretend für das Spektrum gesehen werden. Wenn sich andere Autisten in meinen Erfahrungen wiederfinden, zeigt das aber deutlich, welche grundsätzlichen Schwierigkeiten immer wieder auftreten. Ich hab dazu schon öfter gebloggt, in der Theorie klingen meine Anregungen auch wunderbar, nur in der Umsetzung hapert es. Warum? Weiterlesen

Life is what happens while you’re busy making other plans.

It looks like I decided to study a job branche where long term tasks are not likely. I have to deal with major changes and when quick decisions are required.

You know very well how difficult it is for autistic persons to deal with sudden change. Either you can take it or you have to leave it. 

I’ve done quite a lot things proving I’m good in what I studied. I don’t know what else would be sufficient for a living. Hiking guide, photography, writing – not promising enough in these rough times. I highly dislike uncertainty, especially the risk of becoming dependent on social welfare.I’m not a  person who is willing to try something new every 2 years. 

So there is no plan B, at least not now.I also cannot neglect the rapidly worsening political climate. It appears unlikely to have better social conditions for poor people and especially those with disabilities. I feel it is a wrong time for facing experiments. So I have to try it. I’ll do.