Interview über Thunberg im “Standard” – die Erkrankung *seufz*

Grundsätzlich: Der Artikel (abgerufen am 20.10.19) wäre insgesamt gut, wenn nicht von Erkrankung die Rede wäre. Das gibt dem Ganzen einen defizitären Beigeschmack. Im ganzen Artikel zähle ich insgesamt 6 Mal Erkrankung und 13 Mal Störung. Das macht die Erwähnung von positiven Eigenschaften wie Spezialinteressen und Unbeirrbarkeit zunichte. Die Aussagen sind durchaus schwerwiegend für Betroffene, denn die interviewte Person ist klinische Psychologin, Psychotherapeutin und stv. Leiterin des Autismuszentrum Sonnenschein in St. Pölten.

Nachtrag, 23.10., nach Rückfrage bei der Psychologin selbst zeigt sich, dass die Schuld vorwiegend bei der Redakteurin zu suchen ist, die Aussagen verkürzt und den Teil mit Reizüberflutung und Depressionen nicht abgedruckt hat. Insbesondere muss man bei Journalisten aufpassen, dass sie einem gerne Begriffe in den Mund legen, die so nicht beabsichtigt waren. Erklärung ist für mich akzeptiert, ich hatte früher, als ich noch Zeitungswetter geschrieben und Interviews gegeben habe, selbst mit entstellenden Aussagen zu kämpfen gehabt.

Seiberl: Es ist gut, dass sie [Greta Thunberg] ihre Erkrankung öffentlich gemacht hat

Autismus ist KEINE Erkrankung!

STANDARD: Zurück zu Greta Thunberg und ihrer Form von Autismus, die als Asperger-Störung bezeichnet wird. Was unterscheidet diese Form von anderen?

Asperger-Störung gibt es nicht, es gibt nur das Asperger-Syndrom.

[…]

STANDARD: Es gab aber in den letzten Tagen immer wieder auch Diskussionen über die genaue Bezeichnung der Erkrankung: Autismus oder Asperger-Syndrom. Warum spielt das eine so große Rolle?

[…]

STANDARD: Sie behandeln Menschen mit diesen Erkrankungen. Mit welchem Ziel?

Seiberl: Autismus ist eine Erkrankung, mit der man geboren wird und die auch nicht heilbar ist. Das Therapieziel einer Behandlung hängt natürlich immer vom Schweregrad der Autismus-Spektrum-Störung ab.

Ganz heikle Beantwortung. Autismus ist keine Erkrankung und muss demzufolge auch nicht behandelt werden.

Insgesamt ist das Ziel, Menschen mit sozialen Defiziten Hilfe zu bieten, um ihnen das Leben in der Gesellschaft zu erleichtern und sie zu integrieren.

[…]

Diese Aussage hätte genügt, wobei ich soziale Defizite bei Autisten kritisch hinterfrage, denn gegenüber anderen Autisten zeigen viele Autisten keine Defizite im Sozialverhalten, eher fehlt es an Verständnis und Empathie von neurotypischen Menschen für Autisten!

Viele Nichtautisten leiden nämlich am “Neurotypischen Syndrom“, das wie folgt definiert ist:

  • Ausgeprägte Beeinträchtigungen im Gebrauch vielfältigen verbalen Verhaltens wie wörtliche Sprache und Ehrlichkeit, um soziale Interaktionen zu steuern.
  • Scheitern bei der Entwicklung von Beziehungen zu nicht-neurotypischen Menschen; Bedürfnis, nicht-neurotypische Menschen zu hänseln; häufige unangemessene Versuche, andere menschen zu manipulieren.
  • Mangel an spontanem Verlangen, seine eigenen Interessen mit anderen Menschen zu teilen (z.b.deutet der ständige Gebrauch von Smalltalk einen Mangel an Mitteilungswürdigem gegenüber anderen Leuten an)
  • Mangel an sozialer oder emotionaler Gegenseitigkeit; zu glauben, dass alle anderen der neurotypischen Denkweise entsprechen sollten.

 

Autismus als andere Wahrnehmung

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Autismus als Spektrum

Ich beziehe mich für meinen Definitions- und Erklärungsversuch vor allem auf folgende Bücher:

  • Ian Ford – A Field Guide to Earthlings. An Autistic/Asperger View of Neurotypical Behavior, 2010
  • Gee Vero – Autismus – (m)eine andere Wahrnehmung. , 2014
  • Temple Grandin and Richard Panek – The Autistic Brain, 2013
  • Ludger Tebartz Van Elst, Autismus und ADHS. Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und Neuropsychiatrischer Krankheit, Kohlhammer, 2016

Ausgangslage ist die andere Wahrnehmung – sensorisch, motorisch und emotional. Diese beeinflusst, wie wir denken, wie wir fühlen und wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Etwa wörtliches Verstehen, weil wir nicht auf Mimik, Gestik und Tonmelodie achten, kein Smalltalk, weil wir “schnell zur Sache kommen” und die kognitive Empathieleistung, die uns viel länger und intensiver über unseren Gesprächspartner nachdenken lässt als das umgekehrt neurotypische Menschen tun. Continue reading

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Das Gefühl, oben zu stehen, ist für mich selten geworden

Derzeit kommt jedes Mal, wenn ich mich halbwegs berappelt habe, der nächste Rückschlag. Letzte Woche neue Einlagen, zwei volle Tage Wandern mit den Wanderfreunden ohne Schmerzen. Ein neues Lebensgefühl, Hoffnung. Am dritten Tag fing es dann langsam wieder an, sich irritiert anzufühlen, aber noch ohne stärkere Schmerzen. Am vierten Tag haben wir nur noch eine kleine Tour gemacht, da blieb es unverändert. Es folgte ein schöner Tag zu zweit und ein ganzer Tag Pause, wo ich meine vielen Bilder am Computer sortierte. Das irritierte Gefühl blieb leider, schwer zu beschreiben. Der Fuß kribbelt und bizzelt wie unter Strom. Unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Continue reading

Theories, just theories …

Today I maneuvered into an overload situation. Nausea attack became overwhelming at work. I felt dizzy and couldn’t concentrate on the screens anymore. My colleagues reacted immediately and called the emergency service at the airport to announce my arrival. The emergency doctor measured blood pressure and gave me something against nausea, a rather sparse examination in my eyes, ignoring dizziness. I told about suspecting kidney stones at first because renal colics started similar a couple of years ago, I went to the urologist a few days earlier but everything was clean. The doctor didn’t believe me and squinched up her face. I decided to visited another emergency doctor, an emergency general practitioner recommended a few months earlier. To do so, however, I had to get off this infrastructurally fucked up airport. Crowded people all over the platform. The first suburban train arriving has been quickly filled up with a bunch of loud tourists with fat suitcases. Moreover, it was an old one without air-conditioning. I couldn’t stand the combination of crowded train without a place to sit and heated up, too. I got out before the train departed and left the platform. Thinking … I could have taken a cab but additional communication skills would have been needed then. I finally decided for another train, a main-line train, where I could at least have a seat and the seat besides was empty until arrival. Then I had to take the bus and a few meters to walk. The decision to visit another emergency doctor turned out to be a good idea. He took his time to explain my condition and asked enough questions to get a good impression of what was going on. I felt understood. Still a difficult way home. At first to the next open pharmastore (on a Saturday …), another round with crowded bus and to walk in the more crowded shopping mile Mariahilfer Straße in Vienna, then into the supermarket to get necessary food to endure the weekend. About 4 hours after I left work I was finally at home.

Now I’m sitting all the day in my apartment thinking about the same shit over and over. There is literally not a single piece of hope in my life at the moment. In a few days my hiking holiday starts… I have a gastrointestinal virus, still a bone edema and a problem with my peroneus nerve leading to numbness in my lower leg when I go hiking upward after a while. The weather forecast is full of shit, very unsettled with lots of showers and thunderstorms each day. I have a few days off later but they look rainy, too. I’m still looking forward to having company. It will be my only holiday with friends, so this gastro shit better gets lost. I don’t know how I should deal with the entire situation when I have to cancel this holiday, too. I fear going to see my general practitioner on Monday, therefore. I don’t accept a ”no” at the moment.

Year of the lost

2019 is the year of injuries. Physical and inside. It hurts each way. Jt questions any way how i could get in touch with people without doing any harm, to them, to me.

“win, loose, what’s the difference?” (manny, runaway train)