warum…

…hab ich immer so ein sagenhaftes Pech mit Wohnungen …

Erstes Zimmer in Innsbruck, gestörte Vermieter, spionierten ständig hinterher, Mails und Anrufe wegen drei Fusseln vor der Waschmaschine. Dusche damals im Keller, Klo am Gang. Meldeten dann Eigenbedarf an, war aber nur die Frau, der Mann musste sich beugen.

Erste Garconniere in Innsbruck, Wände aus Papier. Nebenan jemand, der ständig ins Telefon brüllte, gegenüber ein Kindergarten, schräg gegenüber ein Studetenheim, wo jeden Sommer die Amerikaner sich bis zur Besinnungslosigkeit betranken. Außerdem Schlägereien direkt vor meinem Fenster. Wasserrrohre völlig korrodiert, Klos mehrfach verstopft.

WG in Wien. Keine gute Kombination aus Freund des Vermieters zugleich Chef der Firma. Hatte ein 12 qm Zimmer, der WG-Kollege breitete sich in der restlichen Wohnung aus, kein gemeinsam, sondern ich eher ein lästiges Anhängsel. Wohnung kostete 800, hat von mir 350 verlangt, obwohl ich gerade mal ein Fünftel der Wohnung nutzen konnte.

Wohnung in Ottakring. Wände wieder aus Papier. Betrunkener Arbeiter, ständig sehr laut, direkt unter mir. Schlafzimmer straßenseitig, immer die Nachtschwärmer zwischen Ottakringer und Thaliastraße. Starker Verkehrslärm. Polizei war damals mehrfach im Haus wegen dem Betrunkenen, der auch mal nachts um halb zwei am geöffneten Küchenfenster saß, kochte, rauchte und sich dabei laut unterhielt. An Fenster öffnen im Sommer war oft nicht zu denken, zumindest hatte ich Klimaanlage.

Wohnung in Salzburg, eh schon wissen, handwerkender Pensionist zwei Jahre durch, vom Vermieter und Makler übers Ohr gehauen.

Wohnung in Wien. Im November besichtigt, einen Tag vor meiner Nabelbruch-OP. Das war wohl der Fehler. Zu wenig Bedenkzeit, OP-bedingt keine Möglichkeit, später nochmal zu besichtigen. Vormieter sagten, es sei ruhig, man höre höchstens die Nachbarn am Balkon und über den Lüftungsschacht im Bad/WC. Was sie leider nicht sagten, war, dass man den Trittschall extrem hört. Ich hatte mir extra eine lange Liste geschrieben, worauf ich achten muss beim Einzug. Laminatböden-Dämmung und auf die Wohnung unter mir achten waren nicht dabei.

Bis auf die Garconniere in Innsbruck ist allen Wohnungsbezügen gemein, dass ich nie weitere Wohnungen anschaute, oft zeitbedingt, manchmal entfernungsbedingt und, schon lange, bevor ich die Diagnose hatte, waren Besichtigungen für mich enorm anstrengend.

Gut, in Wien sah ich mir damals vor dem Umzug nach Ottakring eine Wohnung in Neubau an, Massenbesichtigung. Gleich mal den ersten Fehler gemacht, weil ich meine Schuhe nicht sofort auszug. Belehrung von der Vermieterin wie von einer strengen Internatslehrerin. Und dann kamen zur angegebenen, eh schon überteuerten Miete, noch 80 Euro Strom extra dazu. Einer sagte sofort, er nimmt sie, mir war sie viel zu teuer.

Besichtigungen alleine sind too much information. Ich kann nicht gleichzeitig Makler/Vermieter/Vormietern zuhören, akustische Informationen aufnehmen/gewichten und auf alle Details in der Wohnung achten. Soviel Zeit bleibt oft auch gar nicht. Bei Massenbesichtigungen ist das Gefühl wie bei Bewerbung im Job, wo man einen besten Eindruck hinterlassen muss. Ich fühle mich eh schon unwohl, wenn ich bewertet werde, wie ich mich gebe, aber ich trete dann auch besonders gerne in Fettnäpfchen, wie etwa Schuhe nicht ausziehen, weil ich völlig überreizt bin in so einem Moment.

Mich ärgert gerade sehr vieles… Die Nabelbruch-OP bewusst im November, damit ich im Frühjahr wieder wandern/bouldern kann. Beides kann ich jetzt so, wie ich es die letzten 8 Jahre betrieben habe, die nächsten Monate vergessen. Ich hab ab dem Zeitpunkt, wo ich die Wohnung zusagte (4.11.) naturgemäß nicht mehr gesucht. Es sind jetzt Monate vergangen, wo ich meinen ursprünglichen Plan, einen Makler beauftragen, der für mich sucht, sehr wohl hätte umsetzen können. Mitte Februar und März hab ich bei den Erledigungen in der Wohnung und Dienstreisen in Wien das Hotel der Übernachtung in einer komplett leeren Wohnung vorgezogen. Ziemlich sicher wäre mir damals schon der starke Trittschall von unten aufgefallen. Ob mir diese Erkenntnis etwas genützt hätte, wäre eine andere Frage gewesen.

Jetzt hab ich den für mich persönlichen Tiefpunkt erreicht. Ich kann den Stress nicht wegbouldern oder meine langen Märsche machen, die oft dafür sorgen, dass ich wieder einen klaren Kopf bekomme. Beim Wandern kann ich am besten denken und neue Ideen entwickeln und Rückschläge auch am besten verarbeiten. Das geht gerade nicht.

Oberste Priorität für eine gelungene Rückkehr nach Wien hatte die RUHIGE Wohnung als Rückzugsort. Ich kann meine erhöhte Reizempfindlichkeit durch Asperger nicht ausblenden, darauf muss ich Rücksicht nehmen, dazu muss die Wohnung passen, auch wenn ich dafür ein Drittel mehr zahlen muss als nichtautistische Menschen. Ich hatte schon in Salzburg gemerkt, dass mich die 12-Stunden-Dienste mehr anstrengten und ich häufiger daheim blieb und nichts machte, um mich zu erholen. Ich wusste von Beginn an, dass es in Wien eher noch fordernder sein würde und der Rückzugsort Wohnung noch wichtiger. Jetzt kann ich wieder von vorne anfangen. Kann die erst abgeschlossenen Verträge wieder kündigen, muss schauen, dass ich meine neuen Möbel auch in die nächste Wohnung mitziehen kann samt Teppichen. Und die Wohnung muss passen, kein weiterer Fehltritt wird verziehen. Meine Gesundheit wirds nicht verzeihen.

Und es ist frustrierend, weil der Job passt (hier lesen auch Kollegen mit, aber deswegen höre ich nicht auf über das Leben mit Autismus zu schreiben). Mir taugt die neue Arbeit, die Kollegen sind alle hilfsbereit und ich komme gut zurecht. Mir taugt auch sehr, dass ich nicht alleine im Dienst bin. Das waren ja von Beginn an Bedenken, ich wäre nicht teamfähig wegen Asperger. Aber es ist das Gegenteil der Fall. Ich schätze den Input von Kollegen sehr. Der Austausch ist wichtig. Ich hab auch viele Gesundheitsangebote vor Ort, die ich in Salzburg nicht hatte. Massagen, Sehtest, Vorsorgeuntersuchungen, ein großes Gesundheitszentrum nebenan mit kurzen Wartezeiten. Es passt und es frustriert, weil die restlichen Umstände gerade nicht passen. Und ich es wieder nicht geschafft habe, beim wichtigsten Faktor Wohnen die richtige Entscheidung zu treffen. Ich bin jetzt in Wien angekommen, lebe aber den Alltag wieder aus dem Koffer. Ich kann die Wohnung nicht weiter einrichten und nicht zur Ruhe kommen. Alle freien Tage in den nächsten Wochen sind verplant. Letzte Nacht hab ich wenigstens mal acht Stunden geschlafen, daher kann ich jetzt diesen Blogtext verfassen und dabei einigermaßen gefasst klingen.

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aktueller stand

ich komme derzeit einfach nicht zum bloggen.

** die Bosekopfhörer konnte ich gestern endlich abholen, erster Eindruck ist mal positiv

** ob die Nachbarn gestern leiser waren als vorgestern kann ich nicht beurteilen, weil ich am Abend unterwegs war

** heute MRT/Röntgen vom Fuß, dann entscheidet sich weiter, wie es mit der Einlagenversorgung aussieht. Ich brauch jedenfalls mehr als nur die (blaue) Sportsohleneinlage, weil die für die flachen Alltagsschuhe ungeeignet ist.

** neuer Arbeitsplatz macht Spaß, ich versuche, mehr Struktur hineinzubringen, Checklisten zu benutzen, so wie ich es früher auch immer gemacht habe. Von der Lautstärke her ist es weit weniger schlimm als erwartet, aber das Wetter war bisher auch sehr ruhig. Ein besseres Headset, was die Ohren komplett umschließt (so wie es Piloten benutzen), werd ich noch anfordern. Am schwierigsten sind Situationen, wenn ich telefonieren muss und nebenan brüllt einer ins Telefon. Fachlich komm ich aber klar, da hab ich kaum Bedenken.

Update, 18.04., eher nicht so rosig der MRT-Befund. Deutliches Knochenmarködem unter dem Sesambein… so oder so lange Sportpause, ich hoffe nur, dass ich nicht komplett ruhigstellen muss. Aber mein lang geplanter Slowakei-Urlaub Mitte Juni ist gefährdet, und überhaupt, nach Ostern hab ich endlich wieder mehrere Tage in Folge frei, und weiß mit dieser Zeit jetzt überhaupt nichts anzufangen. Mir wird sicher vorgeschlagen, auf Schwimmen umzusteigen, aber das hab ich leider verlernt und war noch nie meines, alleine schon gar nicht. Radfahren weiß ich nicht, ob sinnvoll ist, beim in die Pedale treten … kann sämtliche Wanderplane bis zum Sommer in die Tonne treten.

Die Folgewirkungen sind das Problem. Weniger Sport heißt mehr Rückenbeschwerden, heißt unausgeglichen, dass ich Stress nicht abreagieren kann, wie die Geräusche in der Wohnung oder stressige Dienste. Und die Bewegung brauch ich langfristig wegen meiner Osteopenie, dem Nierensteinrisiko, etc… das ist meine Lebensversicherung, gerade mit dem Schichtdienst. Leider hab ich ausgerechnet die nächsten Tage sehr wenig Freizeit, um das alles zu verdauen und zu akzeptieren, dass das Jahr 2019 für die Fische ist.

*Update, 18.4., ich übernachte ab sofort auswärts.

Update, 19.4., hatte wenigstens fünf Stunden Schlaf bei einer Bekannten, die mir spontan einen Platz angeboten hat. So eine Situation hatte ich in 35 Jahren noch nie, dass ich nur 2 Wochen nach dem Umzug nicht in der eigenen Wohnung schlafen kann. Würde am liebsten sofort ausziehen, leider völlig utopisch, zeitlich, von den Kräften her, von der Gesundheit, organisatorisch.

Drahtseilakt der Psyche

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Vor vier Wochen hab ich schon befürchtet, dass ich das mental nicht packen werde, wenn ich so oft unterwegs bin und dann gleich weitermachen. Jetzt ist die Befürchtung eingetroffen, weil – wie so oft – mehrere Faktoren zusammenkommen…

Zum Einen lief die Übergabe schief, der Vermieter hat mich um mehrere hundert Euro betrogen (Beitrag auf meinem anderen Blog – geschützt, Anfrage PW via Kontaktadresse möglich). Das war ein Schlag in die Magengrube, den ich nicht verdauen konnte, weil gleich danach der Umzug stattfand und große Einkäufe betreffend Möbel. Dann hatte ich genau einen Tag Zeit, bis ich wieder packen musste für eine Woche Dienstreise zurück an den Ort, wo das Trauma passierte. Die Dienste waren zwar nicht sehr anstrengend, aber einfach zu viel, die Erschöpfung zu groß. Dann misslang noch ein Schuhkauf, wo ich mich auf eine Twitterempfehlung verlassen hatte und dann den Schuh nach Reklamation nicht mehr zurückgeben konnte mit fadenscheiniger Begründung. Jetzt hatte ich teure Halbschuhe, die an den Fersen rieben mit und ohne Einlagen. Ich kam bisher nicht dazu, mir weitere Einlagen machen zu lassen. In den leichten Wanderschuhen, wo die Einlagen passen, konnte ich erst zwei fast schmerzfreie Touren machen, inzwischen schmerzt die Stelle am Fuß mit Einlagen genauso wie vorher ohne. Continue reading

Ärztefrust

Ja, ich hab chronische Fußschmerzen und hätte schon viel früher zum Arzt gehen sollen. Ausschlussgrund war lange Zeit das Telefonieren, und die Angst, zu wenig Zeit zu haben, wenn ich dort bin, nicht genau genug beschreiben zu können, was wehtut, zu wenig Zeit zum Fragen stellen. Der heutige Besuch des Orthopäden in Wien hat mich wieder bestätigt.

Ich hab knapp zwei Stunden gewartet, der Arzt hat mich nicht einmal fünf Minuten lang untersucht. Ich kam nicht dazu Fragen zu stellen, zu erwähnen, dass ich bereits Osteopenie habe, dass ich viel wandern gehe, dass die Schmerzen zeitverzögert dazu begannen, als ich auf Laufschuhe umgestiegen bin und vor allem nach längerem Tragen der deutlich flacheren und engeren Schuhe sukzessive spürbar waren. Sesambeinentzündung, Röntgen veranlasst, Zinkverband und Einlagen. Das ging so schnell, dass ich gleich wieder vergaß, wann ich zur Kontrolle sollte. Und dann begannen die Probleme. Der Verband ist feucht und nässte meine Socken durch, soll drei Tage draufbleiben, darf natürlich nicht nass werden. Wie ich das machen soll, fragte ich den Orthopädietechniker, kreativ sein, sagte er. Ich bin derzeit im Hotel, sagte ich, Frischhaltefolie. Nur funktioniert das nicht, weil ich zwischen Haut und Folie nicht abschließen kann. Die letzten frischen dickeren Socken sind jetzt von Zinksalbe durchtränkt. Und mehr weiß ich nicht. Sportpause, bis das Röntgen oder die Einlagen fertig sind? Wie mach ich das mit dem Umzug? Wie werd ich schnell wieder fit? Welche Schuhe soll ich tragen? Welche soll ich meiden? Dafür blieb keine Zeit.

Auf den Fall war ich natürlich nicht vorbereitet. Hatte weder Deo noch Waschlappen dabei, weil es war nicht geplant, dass ich die Dusche nicht benutzen kann. Irgendwie hatte ich schon befürchtet, dass die 11 Tage (!) Dienstreise nicht reibungslos verlaufen werden. Selbst wenn seine Diagnose korrekt ist, fehlen mir die entscheidenden Infos, vor allem, weil mich das total niederschlägt. Worst Case. Großer Stress ohnehin durch die Dienstreise, den Umzug nächste Woche und danach schon wieder Dienstreise. Und die freien Tage zwischendurch kann ich mich jetzt nicht bewegen, kann den Stress nicht abbauen. Auch das Thema Bouldern hat sich auf unbestimmt erledigt, weil dazu muss man enge Schuhe tragen, um klettern zu können. Darauf hatte ich mich bei der Rückkehr gefreut. Jetzt geht weder wandern noch bouldern, meine wichtigsten (einzigen) Ausgleichssportarten. Ich war schon davor am Limit, was den erhöhten Stress durch das viele Reisen betrifft. Viel Neues, viel zu lernen. Und jetzt fehlt der Ausgleich. Mein Körper läuft auch unrund, wenn ich mich nicht bewegen kann. Die Verdauung streikt, ich schlafe schlechter, usw. Eine wertschätzende ganzheitliche Medizin nimmt auf sowas Rücksicht. Kein Wunder, dass viele zum Heilpraktiker oder Homöopathen rennen. Auch wenn man die “Medikamente” in den Mistkübel hauen könnte. Aber nach hundert Minuten Wartezeit drei Minuten Behandlungszeit? Und das Gefühl, der Arzt ist auf dem Sprung, und vor lauter Gehudel und Ultraschnelldiagnostik kommt man nicht dazu, die Fragen loszuwerden, die man loswerden wollte. Überhaupt lief es schon schief, als ich dort ankam. Im Internet stand nämlich, dass die Ärzte dort Privatärzte seien. Tatsächlich gab es wie auf der Titanic zwei Eingänge, einen für die Gstopften und einen für die Armen. Der Gstopfteneingang war gähnend leer, das Wartezimmer für die Kassenpatienten bumpvoll. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, zahlen zu müssen, dafür ausgiebiger untersucht zu werden. Die zwei Eingänge haben mich so verwirrt, dass ich bei der Praxis für die Kassenpatienten rein bin. Das hätte ich mir sparen können.

Das Ende der Geschichte wird sein, dass ich mir den Verband morgen schon entfernen werde, um duschen zu können und nicht weitere Flecken im Socken und auf dem Boden zu hinterlassen.

 

 

Auditive Wahrnehmungsstörung

Dieser Blogtext beschreibt meine Schwierigkeiten sehr gut. Das ist auch der Grund dafür, weshalb ich dem Telefonieren so abgeneigt bin und weshalb ich mir in größeren Gruppen immer schwer tue, speziell, wenn ich fremd bin und man nicht über meine autistischen Bedürfnisse Bescheid weiß. Gerade die Situation auch, wenn ich an der Supermartkasse, an einem Ticketschalter, beim Bäcker an der Theke oder sonstwo stehe, und hinter mir fängt jemand laut zu reden oder telefonieren an, habe ich größte Mühe, noch einen klaren Satz herauszubringen bzw. zu verstehen, was der Verkäufer mir sagt. Es ist zugleich auch mühsam und frustrierend bei “Erstkontakten”, wenn ich akustisch nur die Hälfte vom Zwiegespräch mitbekomme und öfter “ins Blaue” antworte, weil ich die Frage nicht richtig verstanden habe. Im Job hilft mir ein Headset bzw. hilft oft die fachliche Routine. Die Fragen sind meist vorhersehbar. Im Privaten gilt das leider nicht und “Anrufe aus heiterem Himmel” beantworte ich meist schlichtweg nicht. Continue reading