Vorbereitungen, Checklisten und Routinen

Gut vorbereitet und gebrieft kann man gedanklich auch einmal abschweifen ohne schlechtes Gewissen.

Eines der Kernsymptome von Autismus ist die Furcht vor der Ungewissheit, vor allem, was außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Autisten bevorzugen tendenziell vorsehbare Zeiträume, wollen vorbereitet und möglichst gut informiert sein. Routinen bringen Regelmäßigkeit in den Alltag, vorhersehbare Abläufe, die beruhigen. Sehr wichtig sind für mich Aufgabenlisten auf Papier, wo ich regelmäßig notiere und aktualisiere, was in nächster Zeit zu tun ist. Dazu zählen Alltagsverpflichtungen, unaufschiebbare Einkäufe (z.b. Kleidung oder technisches Equipment), aber auch Haushaltsaufgaben wie waschen, putzen oder staubsaugen. Auch Spontanität ist bei mir geplant. Ich arbeite im Schichtdienst und habe immer wieder einzelne Tage unter der Woche der frei. Meistens unternehme ich dann selbständig etwas, während ich an freien Wochenendtagen eher zu zweit und mit mehreren unterwegs bin. Ich halte mir bewusst einzelne Tage komplett frei, wo ich mir nichts vornehme, keine Termine ausmache oder Verpflichtungen eingehe. Diese Tage sind für mich reserviert und es kann passieren, dass ich mich noch in der Früh umentscheide und etwas anderes tue. Ich muss mich dann nur vor mir selbst rechtfertigen.

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“Das haben aber viele – sind das auch alles Autisten?”

Das Bild zeigt eine Nelkenart auf einem waagrecht hervorstehenden Pflanzenstängel über Waldboden.
Autismus: Der Blick fürs Detail

Wenn ich über Probleme durch meinen Autismus im Alltag spreche, was ohnehin nur sehr selten vorkommt, höre ich oft: “Das kenne ich auch, das haben viele Leute.” Großteils ist es den Leuten, die diese Aussage treffen, wahrscheinlich nicht bewusst, dass sie uns Autisten damit absprechen, autistische Besonderheiten aufzuweisen. Denn eines ist wichtig: Es gibt kein Alleinstehungsmerkmal bei Autismus! Erst die Anzahl spezifischer Merkmale (gemäß den derzeitig gültigen Diagnosekriterien, die sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder wandeln bzw. anders gewichtet werden), die zeitliche Beständigkeit und die resultierenden Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebenssituationen (Beruf, Alltag, Freizeit, Familie) qualifiziert für eine Autismus-Diagnose. Continue reading

Suche nach neuen Bewältigungsstrategien

linumaustria

So langsam scheine ich die Talsohle durchschritten zu haben. Ich suche jetzt nach einem Ausweg aus der ganzen Misere. Mit der Wohnung habe ich vorerst beschlossen, mit dem Jetzt zurechtzukommen und mir mit der Wohnungssuche bis Herbst Zeit zu lassen. Oberste Priorität hat die Gesundheit. Da bin ich derzeit dabei, mich einzulesen in das Thema Schuhe, Belastung, Trainingsaufbau, Dehnen und CO. Dank Masseurin und Physiotherapeut-Vortrag hab ich wertvollen Input bekommen und muss das jetzt verarbeiten und einordnen, wie mir das künftig weiterhelfen kann. Die letzten kurzen Wanderungen waren nicht von Erfolg gekrönt, obwohl sie mental Balsam waren. Die Schmerzen sind aber bereits auf kurze Strecken zu deutlich, um in den nächsten Wochen auch nur annähernd an leichte Wanderungen zu denken. Continue reading

Nervenaufreibend bis zuletzt

Flache Nebelschwaden im Süden von SalzburgDie letzten Wochen waren sehr anstrengend für mich, weil ich aus meinen gewohnten Routinen gerissen wurde. Es kamen gleich mehrere Baustellen zusammen und das hat dazu geführt, dass ich phasenweise die Fassung verloren habe und im mildesten Fall auf Twitter mit niveauarmen Schimpfwörtern um mich geschmissen habe. Der korrekte autistische Fachbegriff dafür lautet “Meltdown”. Erst elf Tage Dienstreise (Einschulung am neuen Arbeitsplatz in Wien), dann eine Woche Übersiedlung und diese Woche erneut Dienstreise (zum alten Arbeitsplatz, weil wegen Unterbesetzung meine Dienste nochmal benötigt werden). Meine üblichen Entspannungsroutinen – wandern, Film schauen, fotografieren, schreiben/bloggen – konnte ich in der ganzen Zeit kaum umsetzen. Continue reading