DSGVO: Neue Schikanen

An die niedergelassenen Ärzte in Tirol erging am 03.07.2019 seitens der Ärztekammer Tirol folgende Mitteilung:

“Die Datenschutzbehörde hat in einer Entscheidung betreffend ein Ärztezentrum in Wien ausgesprochen, dass eine Einwilligungserklärung von PatientInnen über den unverschlüsselten elektronischen Versand (Email, WhatsApp) von Gesundheitsdaten rechtsunwirksam und unzulässig ist (dies also auch dann, wenn die PatientInnen dieser Übermittlung ausdrücklich und schriftlich zugestimmt haben). Es wird daher empfohlen, Gesundheitsdaten nur verschlüsselt zu übersenden oder ein System zur sicheren Datenbereitstellung (z.b. eine dem Stand der Technik entsprechende Befundplattform) zu nutzen. Eine Übermittlung von Gesundheitsdaten mittels Brief ist jedenfalls datenschutzkonform.”

Quelle: Ärztekammer Tirol

Zu unverschlüsseltem elektronischen Versand zählt übrigens auch die SMS! Für die Verschlüsselung von Gesundheitsdaten reicht ein mit Passwort verschlüsselter Email-Anhang – so wie es manche Labore bereits anbieten. (Quelle) Continue reading

Autismus und Empathie

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Dieser Artikel von Sue Fletcher-Watson und Geoffrey Bird, erschienen am 01.November 2019, – mit freundlicher Genehmigung beider Autoren habe ich wesentliche Erkenntnisse ins Deutsche übersetzt. Es handelt sich um einen monatlichen Leitartikel im Autismus-Journal, der regelmäßig Mythen widerlegen soll. Nach Ansicht der Autoren haben irreführende Begrifflichkeiten, Studien und theoretische Grundlagen über das Thema Autismus und Empathie zu einem falschen Bild von Autisten beigetragen – insbesondere wirkt sich das Vorurteil, Autisten besäßen wenig Empathie, sehr negativ für sie aus.

Das Problem fängt schon damit an, dass es keine wissenschaftlich gültige Definition von Empathie gibt. In einem Lexikon wird sie definiert als ‘Fähigkeit, die Gefühle anderer zu verstehen und sie zu teilen”. Dazu existieren zahlreiche Synonyme wie Seelenverwandtschaft, Sympathie, Empfindsamkeit, Verständnis, Identifikation, Bewusstsein, freundschaftliche Gefühle, Gleichgesinnt sein, Nähe empfinden, usw. Empathievermögen gilt daher als menschliche Eigenschaft, die zugleich schwer greifbar und messbar ist. Continue reading

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Was für ein Jahr … und es ergeben sich immer noch neue Erkenntnisse.

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Zwei Jahre intensives Bergwandern machten sich bemerkbar. Insbesondere links der deutliche Abdruck vom Sesambein.

Zu meinem Sesambeinödem hab ich heuer regelmäßig berichtet (März, April, August, September und die Chronologie.)  Erst durch die letzte Physiotherapietermine hat sich ergeben, dass die Ursache viel weiter oben zu suchen ist. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Am Anfang standen die Einlagen, um den betroffenen Fußbereich weichzubetten (auch wenn die Schuhmacher genau das nicht gemacht haben trotz Vorgabe durch die Orthopäden). Außerdem sollte ich mich schonen, damit das Ödem ausheilen kann. Der Arztwechsel hat im Prinzip bestätigt, dass das Ödem echt ist, aber Zweifel über die Ursache gebracht. Fakt ist, dass man anhand des MRT vom April nicht erkennen kann, ob die Zweiteilung des Sesambeins durch einen Ermüdungsbruch zustandekam oder schon seit der Geburt (“anlagebedingt”) vorliegt. Die Einschätzung der zweiten Radiologin deutete daraufhin, dass wiederholte Überlastung (Mikrotraumen) die Ursache für die Entzündung war und nicht der Bruch bzw. die Zweiteilung. Continue reading

Geschäfte und Lokale für Autisten in Wien?

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Ruhiger Gastgarten mit Katzen – Ich hab das Paradies gefunden

Vorab, weil ich es immer wieder höre: Natürlich leiden auch viele Nichtautisten unter dem Lärm und der generellen Reizüberflutung durch Menschenmassen. Aber das ist dann nur ein ausgeprägtes Symptom von vielen weiteren Symptomen, die zu autistischem Stress führen, der häufig chronisch wird und die Lebensqualität beeinträchtigen kann.

Meine subjektiven Kriterien für ein ideales Restaurant oder Kneipe zum Weggehen:

  • Musik in erträglicher Lautstärke (nicht schreien müssen, um sich zu verstehen)
  • Keine mit Sitzgelegenheiten zu vollgestopfte Räume, bei denen man sich aneinander vorbeiquetschen muss
  • Allgemeiner Geräuschpegel, was auch mit Raumhöhe und Bauart zu tun hat (schlimm sind Keller …)
  • Geräuschpegel, den die Bar (Kaffeeautomat) und Küche (z.b. in Kaffeehäusern) verursacht
  • Einsehbarkeit von außen: Bestenfalls große Fensterfronten, sodass ich freie Plätze erspähen kann, bevor ich das Lokal betrete (war früher ein Totschlagkriterium)
  • Dieser Punkt kollidiert allerdings mit: Rückzugsmöglichkeiten durch (verwinkelte) Nebenräume, die vom Lärmpegel des Hauptraums abgetrennt sind
  • Nichtraucher: Getrennte Bereiche funktionieren oft gar nicht (Tür bleibt ständig offen, die Kleidung stinkt danach trotzdem)
  • Schanigarten: Der “Gastgarten” am Gehsteig ist oft ein No-Go, weil man den Straßenlärm direkt daneben hat.
  • Gastgarten: Leider häufig ebenfalls ein No-Go wegen den vielen Rauchern. Auf Rauch reagiere ich immer empfindlicher und beim Essen mag ich es schon gar nicht.

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Medienkritik: Artikel über Autismus

Weil ich gerade nach Thunberg-Artikeln gesucht habe …
“Autismus ist eine Entwicklungsstörung, bei der sich das Gehirn anders entwickelt. Autismus ist keine Krankheit, sondern eher eine Wesensart. Menschen mit Autismus nehmen die Welt anders wahr. Es fällt ihnen schwer, mit anderen zu sprechen oder sich in jemanden hineinzuversetzen. Sie zeigen Emotionen anders und ihr Blick wirkt manchmal starr oder gleichgültig. Unter 100 Menschen haben im Durchschnitt ein bis zwei eine Form von Autismus. Eine eher unauffällige Autismus-Art ist das Asperger-Syndrom. Kinder mit Asperger legen großen Wert auf Ordnung und Rituale. Sie haben oft eine sehr “erwachsene” Sprache und großes Interesse für eine bestimmte Sache. Manchmal sind sie auch hochbegabt. Das nennt man dann “Inselbegabung”.

Quelle: https://www.sn.at/panorama/kinder/wie-fuehlt-es-sich-an-ein-fan-zu-sein-77879299 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG , abgerufen am 24.10.2019

An sich eine zufriedenstellende Definition, auch wenn man zur anderen Wahrnehmung die Über- und Unterempfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken und emotionale Empathie hätte erwähnen können. Inselbegabung ist jedoch nicht gleichzusetzen mit Hochbegabung. Echte Inselbegabungen (Savant-Fähigkeiten) sind sehr selten und treffen höchstens auf eine niedrige dreistellige Anzahl weltweit zu. Hochbegabungen finden sich wesentlich häufiger. Wesentlich unglücklicher bin ich mit der Formulierung “unauffällige Autismus-Art” bei Asperger – dazu hab ich erst vor kurzem gebloggt.
Der zweite Artikel wurde in der “Deutschen Ärztezeitung” veröffentlicht. Hier ist es besonders ärgerlich, wenn unsauber mit Begriffen umgegangen wird:
Asperger-Autisten gelten oft als besonders begabte Wunderkinder – so wie Greta Thunberg. Doch viele haben eine falsche Vorstellung von der Krankheit.
[…]

Autismus ist keine Krankheit, sogar in einer Provinzzeitung wie den Salzburger Nachrichten hat man das begriffen.

Menschen mit Asperger oder sogenanntem hochfunktionierendem Autismus haben eine höhere Intelligenz als Menschen mit „klassischem“ Autismus, dem Kanner-Autismus.
[…]
Das ist falsch. Denn es gibt für die Intelligenzmessung unterschiedliche Tests. Man hat herausgefunden, dass Autisten in rein nonverbalen Intelligenztests (Raven-Matrizentest) besser abschneiden als im klassischen Wechsler-Test (vgl. https://autismus-kultur.de/autismus/autipedia/autismus-intelligenz.html). Deswegen kann man nicht mehr sagen, dass Asperger-Autisten intelligenter sind als “klassische” Autisten.

Wissenschaftler untersuchen weiter, ob Unterschiede zwischen Autisten nur Nuancen sind oder auf separate Krankheiten hinweisen.Autismus-Experte Simon Baron-Cohen rät, einen Oberbegriff mit Subtypen zu haben – wie bei Diabetes Typ-1 und Typ-2. So ließe sich unter anderem besser verstehen, welche Hilfsangebote wem helfen.

Autismus ist keine Krankheit. Demzufolge halte ich den Vergleich mit Diabetes für entbehrlich. Ich weiß aber, worauf er hinaus will, und halte das auch für sinnvoll, also Subtypen je nach genetischen Gemeinsamkeiten. Aber das ist Zukunftsmusik.

Auch Betroffene sind sich nicht einig. Manche sehen Autismus als Behinderung. Andere sprechen sich unter dem Stichwort Neurodiversität dafür aus, dass sie nur eine andere Art der Wahrnehmung hätten. Wo Autismus anfängt, ist in der Tat unklar. Nach den neuen Diagnose-Kriterien würden viele Asperger-Autisten gar nicht mehr als Autisten gelten – laut einer Meta-Analyse träfe das auf jeden Vierten zu.

Das hätte man schon ausführen dürfen, wie man zu dieser Schlussfolgerung kommt. Temple Grandin erwähnt “The Autistic Brain” eine solche Studie (aus dem Jahr 2012), nach der von 657 nach dem DSM-IV diagnostizierten Autisten nur 60% gemäß den neuen Kriterien im DSM-V ihre Diagnose behalten würden (mehr dazu hier).

Wissenschaftler raten schon länger, Erkrankungen nicht nach Personen zu benennen.

Ja, aber Autismus ist keine Erkrankung, und Hans Asperger’s Verhalten während der Zeit des Nationalsozialismus sollte man von seinen Entdeckungen davor und danach trennen.