Strategien von Autisten im Umgang mit Schwierigkeiten im Berufsalltag (II)

rueckzug
Ruhepol der Natur als Energieressource für den Berufsalltag

Dieser Beitrag war schon länger geplant, ist aber doch relativ umfangreich in der Umsetzung. Im ersten Teil hab ich das Buch Kohl, Seng, Gatti (Hrsg.): Typisch untypisch. Berufsbiografien von Asperger-Autisten. Individuelle Wege und vergleichbare Erfahrungen, 2017 umfangreich rezensiert (Link). Im zweiten Teil geht es um einen gemeinsamen Nenner bei der Beantwortung der vorformulierten Interviewfragen für die 22 interviewten Autistinnen und Autisten. Ich möchte mich dabei auf konstruktive Strategien bei Problemen im beruflichen Alltag beschränken. Welche Bewältigungsstrategien funktionieren, was führt zu einer Verschärfung der Problematik? So mancher Leser mag sich denken, hey, das kenne ich auch und ich bin nicht autistisch! Aber das ist kein Widerspruch, denn es gibt keine autistischen Alleinstehungsmerkmale. Erst die Summe bestimmter Symptome qualifiziert für die Diagnose Autismus. Manche Strategien helfen neurotypisch denkenden Menschen also genauso, andere laufen intuitiver ab als bei Autisten – sie müssen darüber nicht extra nachdenken.

Continue reading

Advertisements

Wie wichtig sind Routinen?

Mich heilt nur die Natur

Die übliche Reaktion auf die Kundmachung depressiver Verstimmungen ist die Empfehlung, “unter die Leute zu gehen!” bzw. “rauszugehen.” Dabei erleben viele Autisten meist eine Gratwanderung zwischen dem Wunsch nach mehr Sozialkontakten und der gleichzeitigen Erschöpfung nach sozialen Aktivitäten. Diese sind selten den autistischen Bedürfnissen angepasst. Die Anfahrt kann bereits energieraubend sein, das Lokal hellhörig und laut, Stimmengewirr, klapperndes Geschirr, Verkehrslärm, Zigarettenrauch. Auch größere Gruppen sind anstrengend, wenn man mehrere Gespräche gleichzeitig hört. Für viele Autisten ist das eigene Zimmer oder die eigene Wohnung ein heiliges Refugium, ein wichtiger Rückzugsort, nach den eigenen Bedürfnissen eingerichtet. Abgeschirmt (bestenfalls) von Umgebungslärm, das Gegenteil von Menschenmassen in der Stadt und überfüllten Öffis. Continue reading

Der etwas andere Arzt

13
Nicht immer verläuft der Lebensweg geradlinig

Inzwischen habe ich den Orthopäden gewechselt, auf Empfehlung bin ich zu einem Privatarzt, der selbst aktiv Sport treibt. Der erste Kontakt verlief holprig. Es gab zwei E-Mail-Adressen, eine bestehend aus Vor- und Nachname, die andere von der Gemeinschaftspraxis, in der er ordiniert. Terminanfrage telefonisch UND per Mail möglich, stand auf der Webseite, ausschließlich telefonisch aber nur bei der Gemeinschaftspraxis, die für mich öffentlich besser erreichbar ist. Ich schrieb trotzdem an die private Adresse, weil ich sicher gehen wollte, dass er meine Ausführungen liest. Geantwortet hat trotzdem eine Ordinationshilfe mit der Bitte um telefonische Terminvereinbarung. Ich schrieb kurz, aber deutlich zurück, dass ich Autist sei und nicht telefonieren könne und bat um eine schriftliche Terminvereinbarung. Das hat dann doch unkompliziert funktioniert. Continue reading

Entschleunigung – Teil 2

32
Blick vom Krummbachstein ins Höllental, Gahns

Nachdem das im Juli mit der Wiederaufnahme von Bergtouren nicht geklappt hat … (maßgebliche Gründe: Radfahren war kontraproduktiv, weil dabei die Fußballen stärker belastet werden als beim normalen Gehen, und die Einlagen wurden nicht korrekt angefertigt, es fehlte die Aussparung der linken Sesambeinchen, stattdessen wurde der gesamte Vorderfuß weichgebettet, was kontraproduktiv ist) muss ich erneut von vorne anfangen. Inzwischen zehrt es schon sehr an Körper und Psyche. In kurzer Zeit zu viel verloren, an Freunde treffen, an regelmäßigen Bekanntentreffen, die gemeinsamen Touren mit dem Alpenverein. Meinen Griechenlandurlaub im Oktober hab ich inzwischen abgesagt, die Stornierung wird eher teuer, die Flüge waren schon gebucht. Bleiben noch zwei halbherzige Wanderurlaube. Neue Pläne hab ich momentan gar keine für längere (und damit erholsame) Urlaube.

Continue reading

Verunsicherung

1klein
Die Natur vermisse ich am meisten.

Es ist alles nur noch urmühsam. Ärzte, die einen nicht richtig anschauen, weil sie sagen, man sei zu jung für ein Leiden, dabei ist man genetisch vorbelastet, was er weiß, und muss Medikamente nehmen, die genau jene Beschwerden hervorrufen, die “Ältere” haben. Ärzte, die die Verantwortung abschieben. Nein, die Ärztin, die mir die Hormonspritze gibt, sei nicht zuständig dafür, wenn ich gravierende Nebenwirkungen habe, ich solle zum praktischen Arzt. Der praktische Arzt schaut mich nicht an. Bei mir entwickelt sich langsam eine richtige Ärztephobie. Und ich bin vorher schon sehr wenig hingegangen. Der zweite (Wahlarzt-)Orthopäde hielt sich zurück mit Empfehlungen, die Empfehlung mehr Rad zu fahren, erwies sich als kontraproduktiv mit den falschen Schuhen. Warum hat er nicht gesagt, worauf ich achten muss? Warum haben die Schuhmacher, wenn sie schon die Abdrücke kontrollieren, nichts gesagt, dass die Einlagen kontraproduktiv waren? Der Orthopäde sprach noch von einer Aussparung, die dann nicht vorhanden war. Wie als Laie soll ich das feststellen? Ich hab vorher noch nie eine Einlage gesehen und gehe normalerweise davon aus, dass ein orthopädischer Schuhmacher sein Handwerk versteht. Continue reading