Wien 2019

Luftbild Wien (by me)
Luftbild Wien im Dezember 2010, ganz rechts in Bildmitte der Flughafen Schwechat

Die Rückkehr nach Wien deutet sich jetzt für das zweite Quartal 2019 an, d.h., ich hab genügend Zeit für die Wohnungssuche und kann einige Fehler vermeiden. Seit meinem Auszug aus dem Elternhaus 2003 ist es die siebte Übersiedlung. Leicht wird es auch trotz der großen Zeitspanne, die mir noch bleibt, nicht, denn nebenher arbeite ich ja auch noch Vollzeit. Es gilt also, einen realistischen Zeitplan aufzustellen, sodass ich hier Stressfaktoren von vorneherein vermeiden kann. Continue reading

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Autoritärer Pfad Österreich 2018

Was mit Antritt der FPÖ-ÖVP geführten Regierung im Jänner (!) 2018 schon alles verschlechtert wurde bzw. noch dieses Jahr umgesetzt wird. Liste wird ständig aktualisiert.

Das Drehbuch liefert der autoritäre Pfad, beschrieben von Timothy Snyder.

1) 12-Stunden-Arbeitstag eingeführt, “freiwillige” Ablehnung, aber Zustimmung von Betriebsrat/Arbeitsmediziner nicht mehr notwendig.

Folge: Aus Angst vor Jobverlust werden viele zustimmen müssen, Lohndumping, Menschen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko/vorhandenen Beeinträchtigungen schäden sich vorsätzlich, keine Vereinbarkeit mit Familie/vorhandener Kinderbetreuung, keine zusätzlichen Arbeitsplätze, wenn bestehendes Personal einfach länger arbeitet.

2) Ruhezeiten Gastronomie von 11h auf 8h verkürzt, Zumutbarkeit Arbeitsweg künftig 2h statt 1h.

Folge: Der eklatante Mangel an Arbeitskräften in der Gastronomie (v.a. Köche & Kellner) wird sich verschärfen, nicht geringer werden. Keine Erholung mehr für jene, die weit pendeln müssen. Schon jetzt lange Wartezeiten zu den Randzeiten für Öffifahrer.

2) Notstandshilfe abgeschafft

Folge: Diese hat bisher garantiert, dass nicht auf das Vermögen zugegriffen wird, wenn man länger als ein Jahr arbeitslos wird. Künftig darf man alles bis 4000€ aufbrauchen. Hartz4 lässt grüßen. In Deutschland versucht man sich gerade langsam davon zu verabschieden. Druck, Arbeit zu finden steigt, besonders schwer für Migranten, ältere und behinderte Menschen. Druck, Arbeit zu behalten steigt ebenfalls, speziell in Branchen, wo es nicht viele Arbeitsplätze gibt.

3) Selbstverwaltung der Krankenkassen abgeschafft durch Kostenbremse

Folge: Dringend notwendige Bauprojekte (in Wien z.b. Schmerz- und Wundversorgungszentren, neue Hausärzte, etc.) sofortig gestoppt. Versorgungsengpässe drohen. Ärztestellen bei den Kassen befristet auf 1 Jahr bis mutmaßlicher Zusammenlegung der Kassen zu einer großen Kasse bei angeblich gleichbleibenden Leistungen. Tatsächlich: Viele Kassenleistungen werden fallen (schon jetzt ist der Selbstbehalt teilweise sehr hoch).

4) Humanitäres Bleiberecht abgeschafft

Folge: Zahlreiche vorbildlich integrierte Flüchtlinge, teils sogar mit Lehrstellen in Mangelberufen, werden quasi über Nacht abgeschoben. Keine Motivation für jene, die schon da sind, sich zu integrieren, keine Entlastung in Mangelberufen.

5) Asylrecht vor Abschaffung

Forderung Österreichs, das Asylrecht in ganz Europa auszusetzen. Schon jetzt in Österreich aberwitzige Begründungen für Ablehnung von Asylansuchen.

6) Interessensausgleich per Umweltverträglichsprüfung abgeschafft

Nach 1 Jahr werden Großprojekte wie Dritte Piste am Flughafen Wien oder 380kv-Leitung in Salzburg automatisch genehmigt, gleiches gilt auch für große Kraftwerk/Staudammprojekte, mit negativen Folgen für geschützte Tierarten und die Natur generell.

7) Sozialpartnerschaft abgeschafft

Österreich war bis 2018 kein Streikland, weil die Rechte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen in den Kammern vertreten waren (“Sozialpartnerschaft”). Wichtige Änderungen z.b. im Arbeitsrecht wurden von den Gewerkschaften ausverhandelt, aus den Kammern ergaben sich Kollektivverträge, die Betriebsvereinbarungen wie Lohnabschlüsse festhalten. Die Kammern werden nun geschwächt (Pflichtmitgliedsbeitrag vor Abschaffung), in der künftigen Ögkk (vgl. Punkt 3) sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je 50% Stimmrecht haben, obwohl die Arbeitnehmer deutlich mehr einzahlen. Jetzt wurde das 12h-Gesetz ohne Begutachtung durch die Sozialpartnerschaft durchgepeitscht. Damit stehen erstmals in der Geschichte der Zweiten Republiks Streiks bevor, allerdings ohne Erfahrung der Gewerkschaften.

8) Schengen vor Abschaffung

Defakto dauerhafte Grenzkontrollen. Nachteil für Pendler, Tourismus und Handel.

9) Wohnrechtsreform begünstigt Mietpreisexplosion

220 000 der 300 000 privat vermieteten Wohnungen in Wien unterliegen der MRG-Vollanwendung, die reformiert und für den Markt geöffnet werden soll. (Quelle: @forumwohnbaupolitik).

10) Lehrerprojekt für Flüchtlinge gestrichen

Folge: Keine Integration möglich, keine Perspektive auf Arbeit/sinnstiftende Tätigkeit.

11) Degressives Arbeitslosengeld

Je länger man arbeitslos ist, desto weniger Geld gibt es. Folge: Druck/Verzweiflung steigt, Obdachlosigkeit nimmt zu.

12) Mindestsicherung bei kinderreichen Familien gedeckelt

Zudem Knüpfung an Ausbildungsniveau und Deutschkenntnisse. Klar ein fremdenfeindliches Gesetz (kinderreiche Migrantenfamilien), mit Kollateralschäden bei Nichtmigranten. Trifft die Kinder am stärksten. Armut wird vererbt.

12) Erfolgreiches Sozialprojekt (Mobilität für ältere Menschen) im Salzkammergut gestrichen

Folge: Ältere und behinderte Menschen im Stich gelassen (der Mobilität beraubt), Fahrer haben ihren Job verloren.

13) Aktion 20000 gestrichen

Projekt zur Förderung und Eingliederung von arbeitslosen Menschen über 50. Zwar hat sich die Konjunktur erholt, die Arbeitslosigkeit ist insgesamt gesunken (dank Maßnahmen der vorherigen SPÖ-ÖVP-Regierung), nicht aber bei älteren Arbeitnehmer_innen.

14) Verein Frauensolidarität Budget gestrichen

Damit auch der Kampf gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz

15) Ausbau Kinderbetreuung gestrichen

Fast zeitgleich mit dem Durchpeitschen des 12-Stunden-Tags (gilt bereits ab 1. September 2018) wurden die Ausgaben für Kinderbetreuung gekürzt.

16) Deutschkurse für Flüchtlinge gestrichen

Drastische Kürzungen beim Arbeitsamt (AMS) hat zur Folge, dass 100 Mio. Euro weniger für Deutschtrainerinnen zur Verfügung stehen. Ohne Deutsch gibt es aber kein Recht auf Mindestsicherung, bzw. nur 560€, wovon kein Mensch leben kann (Armutsgrenze je nach Bundesland 800-1100€).

17) Ausbau Gesamtschulen, Budget bis 2032 gestreckt

Da hinkt Österreich den anderen Ländern Europas hinterher, weil stockkonservatives Weltbild. Arbeitende Frauen nicht vorgesehen. Folgen: siehe Punkt 1.

18) “Sicherheitspaket” beschlossen (Orwell lässt grüßen)

Zugriff auf Überwachungskameras, Autobahnkameras und Bundestrojaner

19) Flüchtlinge enteignet

Flüchtlinge haben keinerlei Grund- und Menschenrechte mehr. Ihre Handys können durchsucht werden, um den Fluchtweg nachzuvollziehen. Wenn sie Bargeld bei sich haben, müssen sie 840€ abgeben, angeblich, um ihren Beitrag zur Grundversorgung zu leisten (hat man das mit Juden nicht auch so gemacht vor über 80 Jahren?)

20) Einbürgerung von Flüchtlingen nach 10 statt 6 Jahren

Nur eine weitere Hürde, sich bloß nicht zu integrieren, und keine Staatsbürgerrechte zu erlangen (z.b. Wahlrecht, was es für Ausländer ja nicht gibt)

21) Flüchtlinge in Sammellager statt in Privatunterkünften

Privates Engagement ist nicht gerne gesehen, obwohl sie den höchstmöglichen Integrationseffekt hat. Statt Nächstenliebe also Sammellager, oder “konzentrierte Lager” (O-Ton FPÖ-Kickl, später Seehofer), inklusiver obligatorischer Konflikte verschiedener kultureller/religiöser Differenzen, und wo man später wieder den Finger auf die Flüchtlinge zeigen kann, wie kriminell sie doch alle sind.

22) Flüchtlinge mit Behinderungen zwangsübersiedelt

Flüchtlinge mit chronischen Erkrankungen und ständigem Hilfebedarf wurden in Niederösterreich zwangsübersiedelt in ein Zentrum, wo diese Hilfe nicht sichergestellt ist.

23) Studiengebühren auch für berufstätige Studenten

Jene Studenten, die nebenher arbeiten müssen, um sich ihr Studium zu finanzieren, sei es, werden auch noch bestraft dafür, dass sie dem Staat schon während dem Studium Steuern zahlen. Folge: Studium nicht leistbar, Talente fürn Hugo, Existenzängste (vgl. Punkt 3,4,7,9).

24) Gesetzliche Unfallversicherung AUVA unmittelbar vor Zerschlagung

Dafür zahlt man unter anderem Sozialversicherungsbeiträge. 4,8 Mio. Versicherungsnehmer. Zahlreiche freiwillige Hilfsorganisationen und Lebensretter sind einbezogen. Behandelt werden auch private Unfälle (“Freizeitunfälle”).

Problem: Eine private Unfallversicherung ist für Menschen mit Behinderungen/Erkrankungen grundsätzlich nicht abschließbar, darunter auch Autisten.

25) Abschaffung der Familienbeihilfe der EU-Ausländer, Ausnahme für Diplomaten

Klar verfassungswidrig bzw. gegen das EU-Recht. Hintergrund: Die bösen, gierigen slowakischen Putzfrauen und Pflegerinnen verdienen in Österreich deutlich besser als im Heimatland und bekommen entsprechend deutlich mehr Familienbehilfe (Kindergeld) als im Heimatland, selbst wenn die Kinder weiter daheim leben. Denkfehler: Sie zahlen auch saftig Steuern in Österreich, arbeiten oft in Mangelberufen (Österreicher wollen diese Drecksarbeit nicht machen), sehen wochenlang oder monatelang ihre Kinder nicht, viele sind zudem alleinerziehend und auf das Kindergeld angewiesen, weil die Drecksberufe naturgemäß nicht großzügig bezahlt sind. Ausnahme sind natürlich höherwertige Menschen auf der Darwinleiter wie Diplomaten.

26) Tempo 140 auf Autobahnen

Folge: 24% mehr Stickoxidausstoß, 15 Sekunden Zeitersparnis

27) Spardruck in der Infrastruktur

Wichtige Infrastrukturprojekte auf den St. Nimmerleinstag verschoben, die aber notwendig wären, um den Verkehr von der Straße auf die Schiene bzw. Öffis zu verschieben. Vorschlag in Wien, eine Citymaut einzuheben, wird mit Drohung entgegnet, den U-Bahn-Ausbau (U2,U5) nicht mehr mitzufinanzieren.

28) Einschränkung der Pressefreiheit droht

Maulkorb für ORF-Journalisten in interner Richtlinie durchgesickert, wiederholt massive Angriffe wegen angeblich einseitiger Berichterstattung. Gleichzeitig massive Verhaberung der Regierung mit rechtsextremen Zeitschriften, ohnehin hofiert von der rechten Klatschpresse (70% des Marktanteils), Androhung von Hausdurchsuchungen bei Zeitungsredaktionen

29) Basisbildungskurse für Mädchen mit Migrations/Fluchterfahrung vor dem Aus.

Der Innsbrucker Bildungs- und Beratungseinrichtung “Frauen aus allen Ländern” wurden die Fördermittel, mit welchen bisher Basisbildungskurse für Mädchen mit Fluchterfahrung finanziert wurden, gestrichen Spenden gesucht: Link
Was sonst so auffällt:

Alltagsrassismus nimmt massivst zu. Viele Rassisten verbergen gar nicht mehr, wie sie denken. Gewalt gegen Migranten nimmt zu.

Migration und Flucht werden in einen Topf geworfen, als ob Flucht freiwillig sei. Das australische Modell soll bevorzugt werden, was defakto Barbarei entspricht. Barbarei ist es natürlich auch, Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken zu lassen und Seeretter und NGOs zu kriminalisieren und vor Gericht zu stellen bzw. am Leben retten zu hindern. Fluchtbewegungen werden nie enden, nicht einmal mit der vielzitierten Hilfe vor Ort. Unser Konsumverhalten und unser unkontrollierter Lebensstil ist mitschuldig an der Ausbeutung von Entwicklungsländern. Wir verursachen den Löwenanteil am Klimawandel, der sich am stärksten dort auswirkt, wo die Menschen am ärmsten sind. Unsere Rüstungsindustrie verdient kräftig an den Kriegen mit. Russland wird beklatscht, das mitschuldig ist an dem Verlauf des Krieges in Nahost. Aber nein, sämtliche Fluchtrouten sollen geschlossen werden, mit der – historisch vorbelasteten – Achse der Willigen.

30 Keine Übererfüllung der EU Goldstandards

Soll in mehreren hundert Fällen soll abgeschafft werden, darunter fällt auch Arbeitsrecht, Umweltauflagen etc.

31 Familienberatungsstellen Budget gekürzt

10% Kürzung der Mittel.

32) Noten wieder eingeführt

Von der alternativen Noten, die Lehrer und Eltern sinnvoller fanden, rückt man ab und kehrt zum konventionellen Schulnotensystem zurück, wo etwa verbal eingeschränkte Menschen (wie Autisten) negativ aussteigen.

33) Einführung von eigenen Deutschklassen

Ghettoklassen, noch mehr Eltern werden ihre Kinder dann auf andere Schulen/Privatschulen schicken, katastrophal aus integrativer Sicht und für die Kinder, die Schuljahre verlieren. Derzeit rebellieren einige Direktoren und Lehrer.

34) Einschüchterung und Zensur durch die Regierung

Für eine AHS Lehrerin, die sich 34) widersetzt. Unangemeldet Besuch vom Kabinett, Maßregelung und Maulkorb siehe Falter, Ausgabe 11.7.

35) Deportation von Flüchtlingen mkt massiver Polizeigewalt

Offenbar ein Schwerverbrechen, wenn Frau, die über ein Drittland eingereist ist, bei ihrem asylanerkannten Mann bleiben will. Wega kommt, tritt Tür ein, wird weggebracht.

36) Stunden an Brennpunktschulen werden gekürzt.

Stand, 16. 07.18, 08.46

Warum ich mich aus dem Selbsthilfe-Engagement zurückgezogen habe

Die Selbstkritik vorne weg: Ich bin zart besaitet, reagiere impulsiv-emotional, male oft redensartlich den Teufel an die Wand, kann es nicht ertragen, wenn mir Worte im Mund verdreht werden und ich als jemand dargestellt werde, der das genaue Gegenteil von dem ist, wie ich meine Haltung verstehe. Ich mag es nicht, niedergebrüllt zu werden, wenn Gruppendynamik einschüchtert oder ein Umfeld schafft, in dem ich davor zurückschrecke, eine andere Meinung zu haben und zu äußern. Ich vermeide seit einiger Zeit, über kontroversielle Themen zu bloggen, die in der zerstrittenen Gruppe der Autisten zu heftigen Auseinandersetzungen führen. Weil ich nicht (wieder) in einen Shitstorm geraten will. Es hat mir gereicht, schon mal von einem Gemeinschaftsblog ausgeschlossen zu werden, weil jemandem der Aussage, ich hielte mich als Asperger für etwas Besseres als frühkindliche Autisten, mehr Vertrauen geschenkt wurde als mir, der in vielen Blogtexten nie eine persönliche Wertung hineingebracht hat. Continue reading

Was den Stress beim Einkauf verursacht

Einer der Hauptgründe für mein Prokrastinieren von (mehr oder weniger) dringenden Einkäufen ist der damit verbundene Stress mit anderen Menschen. Das beginnt häufig schon mit der Anfahrt. Ich verzichte meist aufs Rad, weil ich (inzwischen) seltener Einkaufen gehe, dann aber möglichst viel auf einmal kaufen will. Da ist das Rad dann hinderlich bzw. der Rucksack mitunter zu klein (mein schweres Bügelschloss muss auch noch reinpassen). Das heißt dann immer Bus, und der ist unpünktlich, unbequem (Straßenschäden, ruckartiges Anfahren und Bremsen) und voll. Pro Busfahrt mindestens eine Person, die sich wochenlang nicht gewaschen hat, und sich dann meistens zu mir setzt oder stellt.

Im Einkaufszentrum ist es laut, hektisch, wuselig, Gedränge, Gerempel. Überlaute Hintergrundmusik sorgt dafür, dass es keine Ecke gibt, wohin man sich kurz mal zurückziehen kann.

In Einzelhandelgeschäften fehlt mir häufig die Möglichkeit, mir vorher im Online-Shop das Produkt meiner Wahl herauszusuchen, weil ich vor Ort oft “den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe.” Zudem wird man meist sofort angesprochen von Verkäufern, was ja gut gemeint ist, aber mich immer extrem unter Entscheidungsdruck setzt. Ich muss mir Produkte immer vorher erst anschauen können. Deswegen geh ich nie auf Wochenmärkte, weil man sofort vom Marktstandverkäufer angelabert wird, klar, der will verkaufen, speziell, wenn nebendran noch zehn weitere Gemüsemärkte mit günstigeren Preisen sind. Aber ich kann mir dann nichts anschauen und bin oft in dem Moment so überreizt, dass ich verstumme statt laut auszusprechen “Ich möchte mir zuerst alles anschauen.

So gibt es in Salzburg mindestens fünf oder sechs Sportgeschäfte, aber ich kenne keinen Verkäufer/Berater persönlich wie in Wien, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er mir etwas aufschwatzt, dass ich gar nicht wollte. Ist schon zu oft passiert. Also warte ich oft lange, bis ich wieder in Wien bin, wo mein persönlicher Verkäufer auch mal sagt “da zahlst Du nur die Marke mit, es gibt auch das günstigere Produkt X, das genauso gut ist.”

In größeren Elektronikfachgeschäften sind die Mitarbeiter teilweise inkompetent, teilweise kompetent, ein Glücksfall. Als ich meine Spiegelreflex bewusst dort kaufte, weil ich im Garantiefall dann überall in Österreich hingehen konnte, und nicht an einen fixen Ort gebunden war, befand sich in der Schachtel kein Akku. Als ich zurückging und dies reklamierte, wollten sie mir unterstellen, ich hätte ihn daheim herausgenommen. Der Lüge/Betrug bezichtigt zu werden hat mich so wütend gemacht, am liebsten hätte ich den Kauf rückgängig gemacht. Dabei war es sogar der jüngere (neue) Mitarbeiter, der mir glaubte, aber der Leiter der Fachabteilung hat drei Mal Äußerungen fallen lassen, wo er mir eindeutig nicht glaubte. Es macht wahrlich keinen Spaß, viel Geld für einen Laden hinzulegen, wo der Kunde erstmal Verbrecher ist, wenn er reklamiert, wenn in Wahrheit die Mitarbeiter Mist gebaut haben. In seriösen Geschäften wird immer vor der Herausgabe kontrolliert, ob sich die vollständige Ware im Karton befindet.

Am häufigsten aber ist der Supermarkteinkauf. Früher waren sowohl die Laufbänder länger zum Auflegen als auch der Ablagebereich, um einzuräumen. Inzwischen haben viele Geschäfte kurze Laufbänder, wenig oder gar kein Ablagebereich und häufig viel zu wenig Trennteile, um seine Waren vom nachfolgenden Kunden abzugrenzen. Wenn der Vordermann oder die Vorderfrau dann vor sich hinträumt, hat man plötzlich wenig Zeit, alles aufzulegen, oder der Hintermann/Hinterfrau legt auch schon auf und man hat zu wenig Platz für sein eigenes Zeug. Oder wenn man der erste an der Kassa ist, was ich zu vermeiden versuche. Denn dann muss ich blitzschnell alles auflegen, während sies schon drüberzieht, aber ich kann nicht gleichzeitig auflegen und aufräumen. Der oder die nach mir drängelt schon oder kommt auf Körperkontaktnähe an mich heran, was ich wie die Pest hasse. Extra nervig ist es dann, wenn ich meinen Rucksack auch noch herzeigen muss, und sie zieht weiter über den Scanner. Dann komm ich gar nicht mehr nach, in der Hektik fällt mir dann noch was herunter. Als ich noch jünger war und weit vor der Diagnose, musste ich immer im Kopf erst organisieren, in welcher Reihenfolge ich den Rucksack abnahm, Geldbeutel bereithielt und wieder einräumte. Das klappt zwar inzwischen schon intuitiver, aber manches “Könnten Sie bitte den Rucksack zeigen?” kommt doch immer noch unerwartet und unvorbereitet.

Nach solchen Erlebnissen bin ich meist nassgeschwitzt, der Schweiß steht auf der Stirn. Das kann bei Konfrontationen wie in dem Elektronikgeschäft wirken, als ob ich schuldig sei. Tatsächlich laufen bei mir nur die Stresshormone Amok. Danach sackt auch der Blutzucker ab, ich muss dann dringend etwas essen, sonst werd ich ganz zittrig. Man kann sich vorstellen, dass die Summe aus alledem schwer unter einen Hut mit mehreren Einkäufen an einem Tag zu bringen ist. Regentage machen es nicht leichter, zur allgemeinen Geräuschentwicklung kommt noch das schneidende Geräusch von Fahrzeugreifen auf einer nassen Fahrbahn hinzu.

Man könnte jetzt natürlich sagen – warum bestellst Du nicht alles online? Das klingt im ersten Moment einfach und unkompliziert, aber ist es dann gar nicht. Erstens besitzen nicht alle Sportgeschäfte einen (übersichtlichen) Online-Shop, zweitens muss ich gerade bei Lebensmitteln sehen, was ich einkaufe, nicht immer steht alles auf meiner Liste, und drittens ist es durch meinen Schichtdienst ein Glücksspiel, ob ich zuhause bin oder nicht. Und ich möchte an freien Tagen nicht den ganzen Tag zuhause bleiben zu müssen, in Erwartung eines Pakets, dass dann vielleicht doch nicht kommt. Ich hole es auch ungern bei meinen (wenig geliebten) Nachbarn ab, wo man dann wieder darauf angewiesen ist, dass diese auch zuhause sind. Oder die lange Odyssee mit Paketdiensten und -zustellung.

Was helfen würde (Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Rückzugsräume in Einkaufszentren

Beruhigende Klassikmusik statt lautes Popgedudel

Keine Musik/Hintergrundbeschallung in Einkaufsmärkten

Keine grellen/flackernden Neonröhren

Wieder mehr Ablagefläche an den Kassen

Begleithund (schön wär’s …)

Abstand halten (wird bei Bankomaten ja auch gemacht)

Übersichtliche Online-Shops und/oder übersichtliche Märkte (Negativbeispiel: Hervis, Intersport)

Countdown 24-Stunden-Wanderung (16-17.6.)

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Altausseer See mit Sandling (links) und Loser (rechts)

Es ist wieder so weit. Im vergangenen Jahr hat mich das Feuer gepackt, als ich das erste Mal bei einer 24-Stunden-Wanderung mit dabei war. Es ist nicht das, was ihr zuerst denkt, denn man geht hier nicht 24 Stunden nonstop durch, sondern die Wanderung dauert insgesamt 24 Stunden, mit mehreren, teils stündlichen Unterbrechungen mit Jausenstationen. Letztes Jahr ging ein Marathonläufer mit, der für das Verkehrsreferat von Bad Aussee zuständig ist und mit dem ich mich eine Weile unterhalten konnte. Er plante in seiner Heimat ebenfalls eine 24-Stunden-Wanderung, die nun realisiert werden konnte und vom Samstag, 16. Juni, 8.00 auf Sonntag, 17. Juni, 8.00 stattfindet. Start ist in Altaussee im Salzkammergut. Insgesamt werden 100 Teilnehmer zugelassen (ca. 60 weniger als im Vorjahr), die Strecke ist 60km lang (6km weniger) und 2000 Höhenmeter hinauf (800 hm weniger). Continue reading