Tagebuch – Ein Autist fährt auf Kur: Prolog

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Bad Mitterndorf und Grimming, Salzkammergut

Im Jänner geh ich erstmals auf Kur, drei Wochen. So lang war ich in neun Berufsjahren noch nie weg! Mein Knochenmarködem am Fuß ist zwar schon nahezu verschwunden – dank meiner kompetenten Physiotherapeutin, aber das lag vor allem an der Faszienmassage im Hüftbereich. Überhaupt ist die unterentwickelte Rumpf- und Bauchmuskulatur bei mir maßgeblich für diverse chronischen Verspannungen bzw. Verklebungen. Das Ödem am Fuß ist nur die Spitze vom Eisberg. Viel Erholung hatte ich die letzten vierzehn Monate nicht mehr. Zu den körperlichen Beschwerden kommen die immer noch anhaltenden Magendarmbeschwerden. Laktoseintoleranz ist bestätigt, Glutamat und andere Histamine hab ich im Verdacht. Letztes Jahr fing ich mit Alpenvereinstouren an, lernte neue Leute kennen, erweiterte meine physischen Möglichkeiten und meine Reichweite, was Urlaub im Ausland betrifft. Dieses Jahr musste ich alles absagen. Für die Kur möchte ich die täglichen Fortschritte und Erlebnisse hier dokumentieren, ebenso den Ablauf, die Organisation und die Kommunikation mit dem Personal und anderen Kurgästen.

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Sag nicht …

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 “Das sieht bzw. merkt man dir aber gar nicht an!”

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“Und wie äußert sich das bei dir?”

Das erinnert mich an eine Begegnung im Fernzug vor einigen Wochen. Wenn mich Österreicher am Dialekt erkennen, fragen sie üblicherweise “Kommst Du aus Deutschland?” was eine völlig schwachsinnig rhetorische Frage ist, weil man es ja hört und wenn man es nicht hören würde, täten sie gar nicht fragen. Dieses Mal war es ein Kärntner und der fragte direkt: “Woher aus Deutschland kommst Du?” Die Fragestellung impliziert bereits, dass ich nur aus Deutschland kommen kann, sodass man die Frage gleich genauer stellen kann, was meine Herkunftsregion ist. Das fand ich so lieb formuliert, dass ich eine ernsthafte Antwort gab. Continue reading

Das Jahrzehnt ist bald um

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Innsbrucker Mittelgebirge, Jänner 2010

Seit 1.1.2010 ist einiges passiert. Die Diplomarbeit stotterte zu Jahresbeginn. Ich hatte eineinhalb Jahre Zeit für Literatursuche verwendet, vor dem Programmieren drückte ich mich hartnäckig. Die berühmte Angst vor der Angst. Ich fürchtete mich vor dem Beginn, vor der Überforderung, und prokrastinierte erfolgreich. Der Literaturteil erhielt die Bestnote und kompensierte den schlechteren Programmierteil. In gewisser Weise hatte ich mich selbst in die Bredouille gebracht, ich wollte unbedingt selbst ein Thema aussuchen, denn nichts war tödlicher für meine Motivation als ein zugewiesenes Thema. Daher folge ich einem Hinweis, mir das lokale Talwindsystem am Arlberg anzusehen, das ich mit den Malojawinden im Engadin verglich. Die Arbeit hieß dann schlussendlich Reverse Valley winds in the Stanzer Valley, das Tal östlich vom Arlbergpass. Ich schrieb auf Englisch, denn ich war naiv autistisch davon überzeugt, dass die Arbeit außerhalb der Universität auf Interesse traf. Was sie sogar tat. Continue reading

Überladung: Meine Woche

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Die kleinen Freuden des Öffi-Fahrens, Rettungsanker in der Reizüberflutung

Ich wollte über etwas ganz anderes bloggen, aber mir fehlt die Lust dazu. Also berichte ich von meiner Woche. Da lief ein bisschen was aus dem Ruder, was dazu geführt hat, dass ich immer noch sehr erschöpft bin. Wo soll ich es auch hinschreiben… wenn nicht hier. Das Problem sitzt eigentlich woanders, und zwar im Jänner, wenn ich für drei Wochen auf meine erste Kur fahre. Continue reading

DSGVO: Neue Schikanen

An die niedergelassenen Ärzte in Tirol erging am 03.07.2019 seitens der Ärztekammer Tirol folgende Mitteilung:

“Die Datenschutzbehörde hat in einer Entscheidung betreffend ein Ärztezentrum in Wien ausgesprochen, dass eine Einwilligungserklärung von PatientInnen über den unverschlüsselten elektronischen Versand (Email, WhatsApp) von Gesundheitsdaten rechtsunwirksam und unzulässig ist (dies also auch dann, wenn die PatientInnen dieser Übermittlung ausdrücklich und schriftlich zugestimmt haben). Es wird daher empfohlen, Gesundheitsdaten nur verschlüsselt zu übersenden oder ein System zur sicheren Datenbereitstellung (z.b. eine dem Stand der Technik entsprechende Befundplattform) zu nutzen. Eine Übermittlung von Gesundheitsdaten mittels Brief ist jedenfalls datenschutzkonform.”

Quelle: Ärztekammer Tirol

Zu unverschlüsseltem elektronischen Versand zählt übrigens auch die SMS! Für die Verschlüsselung von Gesundheitsdaten reicht ein mit Passwort verschlüsselter Email-Anhang – so wie es manche Labore bereits anbieten. (Quelle) Continue reading