Klimaanlage versus Klimaschutz

Downtown Vienna
AKH in der Abendsonne, fotografiert von der Jubiläumswarte

Heute habe ich mich nach einem Tweet über die 39. Tropennacht in Wien im Sommer 2018 (Rekord von 2003 eingestellt) dazu hinreißen lassen, meinen Wunsch nach einer Klimaanlage in der künftigen Wohnung in Wien zu äußern. Daraufhin kam eine Antwort, dass ich damit den Klimawandel ja nur weiter anheize. Ich solle es ertragen, mit Lüften und Jalousien der Hitze Herr werden. Ob ich Kinder hätte, dann würde ich an deren Zukunft denken und nicht ausschließlich an eigene Bedürfnisse.

Ich musste mich schwer beherrschen, nicht ungehalten darauf zu reagieren. Aber natürlich trifft mich so ein Vorwurf schwer. Zum Einen, weil ich aus genetischen Gründen keine Kinder bekommen kann und dieses Glück, Vater zu werden, niemals erleben werde, jedenfalls nicht auf natürlichem Weg. Die Kinderlosigkeit habe ich mir nicht ausgesucht. Zum Anderen, weil ich als studierter Meteorologe sehr wohl um den Klimawandel Bescheid weiß und gar nicht leugne, dass stromfressende Klimaanlagengeräte alles andere als eine neutrale Klimabilanz aufweisen. Continue reading

Advertisements

Vollzeitautist.

16

In ihrem Blogartikel zum Welt-Autismus-Tag über mangelnde Barrierefreiheit für Autisten schrieb elodiyla diese Zeilen:

Der größte Teil der Autisten ist arbeitslos. Wahrscheinlich, weil sie an Bewerbungsgesprächen und sozialen Strukturen scheitern. Die Barrieren in den Köpfen der anderen hindert sie daran, ihre Produktivität einsetzen zu können. Doch zu viele Menschen glauben, dass jemand, der im Alltag viele Schwierigkeiten hat, keine komplexe Aufgaben lösen kann.

Ich erlebe diesen vermeintlichen Widerspruch selbst und er hemmt mich dabei, offen mit meinem Autismus umzugehen. Für Außenstehende ist es nicht nachvollziehbar, wie jemand, der Vollzeit im Schichtdienst arbeitet, im Alltag ein einfaches Telefonat nicht führen kann, nicht mal zu den Nachbarn hingeht, wenn sie zu laut sind, kein Auto fahren will oder kann, obwohl er ständig über die Öffis meckert und seine Einkäufe und Arzttermine andauernde verschiebt. Wie passt das zu beruflichen Höchstleistungen?

Continue reading

Verkehrslärm und Kommunikation

26879518

Die häufigste Aussage auf Lärmempfindlichkeit ist “Du gewöhnst Dich dran!”

Das hängt jedoch stark von der Lärmquelle ab. An gleichmäßige und regelmäßige Geräusche kann ich mich leichter gewöhnen, etwa, wenn die Straßenbahn immer im gleichen Intervall nahe der Wohnung vorbeirattert, wenn man in der Ferne den gleichmäßigen Geräuschpegel einer Autobahn hört, wenn im Kaffeehaus – ohne Musik! – ein Klangteppich aus Gesprächen in normaler Lautstärke entsteht.

Sich an unberechenbare, plötzliche, unregelmäßige Geräusche gewöhnen? Eher nein. Auch nach vier Jahren Wohnen in einer Seitengasse kann ich das Fenster nicht allzu lange öffnen, ohne von beschleunigenden, hupenden, quietschend abbremsenden Auto- oder Motorradfahrern gestört zu werden. Es gibt aber grundsätzlich Phasen, je nach Alltagsform, wo es länger tolerierbar ist. Verkühlungen, depressive Grundstimmung, Schlafstörung und Anspannung verstärken die vorhandene Empfindlichkeit. Wenn ich mich zudem bereits über Stunden hinweg erhöhter Reizbelastung aussetzen musste, bringt eine weitere Situation mitunter das Fass zum Überlaufen. Im Gegensatz zu früher weiß ich das alles jetzt aber und kann gegensteuern.

Continue reading