Radio Ö1: Rückschritt in der Autismus-Aufklärung

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Ursachen, Überschneidungen und Kernsymptome von Autismus

Die Aufklärung über das Autismus-Spektrum ist in Österreich nicht weit gediegen. Die Mehrheit der Bevölkerung hat noch nie den Namen (und zugleich Diagnose) Asperger gehört. Hans Asperger war Österreicher, seine Verdienste während der Zeit des Nationalsozialismus im Namen der Wissenschaft und für die Autisten sind nicht unumstritten, wie neuere Recherchen und Bücher belegen. Nichtsdestotrotz hat seine Entdeckung verschiedener Formen von Autismus (“Asperger-Autismus”) dazu geführt, dass man heute vom Autismus-Spektrum spricht. Unter diesem Oberbegriff werden heute alle Autismus-Formen zusammengefasst (vorher sprach von frühkindlichem Autismus, Asperger-Autismus und atypischen Autismus).

Das Spektrum lässt sich unterschiedlich interpretieren: Unter Autisten bekannt ist die Aussage “Kennst Du einen Autisten, kennst Du genau diesen Autisten.” Das heißt: Autismus kann individuell sehr verschieden ausgeprägt sein. Die Grundsymptome sind zwar bei allen vorhanden, die Schwerpunkte aber unterschiedlich ausgeprägt. Manche Begleitsymptome sind bei dem einen gar nicht vorhanden, beim anderen sehr stark. Spektrum bedeutet aber auch, dass die Autismus-Symptome von der Tagesverfassung abhängen, von Stress, von Umweltfaktoren, ob man von Gleichgesinnten oder neurotypischen Menschen umgeben ist und vieles mehr. Ein Autist kann heute in der Lage sein, extrovertiert zu kommunizieren und am nächsten Tag nicht imstande sein, die Wohnung zu verlassen.

Beim Radiosender Ö1 gab es am 03.05.2019 in der Rubrik “Wissen” einen Kurzbeitrag über die Ursachen von Autismus:

Ein weithin unbekanntes Terrain ist auch die Krankheit Autismus. In Österreich sind Schätzungen zufolge knapp 90 000 Menschen von Autismus betroffen, exakte offizielle Zahlen gibt es nicht. Wobei Experten und Expertinnen sprechen nicht von “einer” Krankheit, sondern von der Autismus-Spektrum-Störung, ähnliche Symptome mit vielen verschiedenen Ursachen, die u.a. am Institut für Science and Technology (IST) erforscht werden.

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Wenn Autismus heilbar wäre, was bliebe dann …?

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Autistische Wahrnehmung

Grundsätzlich halte ich die pauschale Aussage in beide Richtungen verkehrt, d.h. “Kein Autist möchte geheilt werden.” ebenso wie “Jeder Autist möchte geheilt werden.” Das liegt vor allem daran, dass es sich um ein Autismus-Spektrum handelt und es sehr individuelle Lebenswege gibt, mit dem eigenen Autismus umzugehen. Manche empfinden es täglich als schwere Behinderung und sehen selbst dann keine normale Lebensqualität, wenn gesellschaftliche Barrieren abgebaut würden, etwa bei extremer Reizempfindlichkeit gegenüber natürlichen Einflüssen (grelle Sonne, Gerüche, vom Wind verursachte Geräusche, Nahrungsaufnahme, usw.) oder bei Begleiterkrankungen, die körperlich oder seelisch einschränken. Andere zeigen eine höhere Funktionalität, sie können besser kompensieren, führen nach außen hin ein unscheinbares Leben, auch wenn dem ein jahrelanger K(r)ampf vorausgegangen sein mag und die Alltagsbewältigung weit mehr Herausforderungen verlangt als für Außenstehende sichtbar ist. Nachdem es auch “high functioning autism” gibt, kann man beide Sichtweisen nicht einfach in “Kanner” = Krankheit und “Asperger” = Behinderung teilen. Man kann nicht sagen, dass frühkindliche Autisten (Definition nach dem noch gültigen ICD-10) per se geheilt werden wollen und dass Asperger-Autisten ihren Autismus nie als Last empfinden. Continue reading

Autismus als Spektrum

Das Autismus-Spektrum, das nach den neuesten Definitionen Asperger-Syndrom, frühkindlichen Autismus und atypischen Autismus miteinschließt, lässt sich bestenfalls so darstellen wie im zuletzt übersetzten Artikel.

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Im Autismus-Spektrum zeigen Autisten Auffälligkeiten mehr oder weniger ausgeprägt in allen Bereichen, aber niemals die exakt selben Auffälligkeiten. Deswegen ist ein Autist genauso einzigartig wie ein Nichtautist auch. Schwierigkeiten verändern sich über die Lebensspanne hinweg. Reifeprozesse und Unterstützung von außen können zur Verbesserung führen, Erschöpfung und Depressionen genauso zur Verschlechterung. Continue reading

Blombergs Verschwörungstheorien in Buchform

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Neulich besuchte ich wieder einmal meine Stamm-Buchhandlung Morawa, um zu schauen, was es im Autismus-Regal neues gibt. Auch nach ca. einem Jahr steht noch eins über Verschwörungstheorien zu Autismus da: Harald Blomberg – Autismus ist heilbar.

Blomberg ist schwedischer Psychiater und ignoriert jegliche seriöse Forschung über Autismus. Schon der Klappentext löste bei mir tiefgehende Empörung aus. So behauptet er, Autismus entstünde durch Glutein- und Kaseinunverträglichkeit (in einem Blogtext erläuterte ich bereits, dass es sich hier um Begleiterscheinungen handelt, die nur auf einen kleinen Bruchteil von Autisten zutreffen), durch Quecksilber und andere Schwermetalle (in der S3-Leitlinie zu Autismus, die 2016 erschien, klar ausgeschlossen), steigende Belastung durch elektromagnetische Felder und Funkwellen (müsste da nicht die ganze Weltbevölkerung autistisch sein?) sowie Entzündungsprozesse, Gehirnschädigungen und gestörte Immunabwehr. Im Original heißt das Buch “Autism – a disease that can heal”. Haben wir uns nicht darauf geeinigt, DASS AUTISMUS KEINE KRANKHEIT IST?!

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Stimming: Gesellschaftlich akzeptiert oder nicht?

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In einer kürzlichen Talksendung wurde neben anderen Diskussionsteilnehmern eine Frau eingeladen, die einigen Zuschauern vor allem dadurch auffiel, dass sie – die Knie übereinandergeschlagen – unablässig mit dem Fuß wippte. Durch die Kameraeinstellung stand das Wippen recht penetrant im Vordergrund, was in sozialen Netzwerken zu entsprechenden Kommentaren veranlasste, bis hin dazu, das Wippen doch bitte einzustellen.

Jetzt zählt Wippen noch zu den harmloseren Varianten von Stimming. Neben schädlichen Angewohnheiten und selbstschädigendem Stimming gibt es auch an sich harmlose, aber gesellschaftlich verpönte Varianten, dazu zählen z.B. Händeflattern (Kreiselbewegungen, Schüttelbewegungen mit den Händen), schaukeln, Kugelschreiber klicken, Stifte zerbeißen, sonstige Körperbewegungen. Continue reading