Wutausbrüche und Meltdowns

In diesem Artikel, der mehrfach Ludger Tebartz van Elst zitiert, wurde viel hineingepackt, vielleicht zu viel, weil nicht alles ausgewogen diskutiert werden konnte, aber ich finde ihn nicht so schlecht. Den perfekten Artikel über Autismus gibt es ohnehin nicht.

Änderung der Lebensumstände führt zu enormem Stress, der sich häufig in Wutausbrüchen, aber auch selbstverletzendem Verhalten entlädt. Sich schaukeln wirkt dann beruhigend auf viele Autisten.

Ein Punkt, worin sich Autisten jedoch nicht immer einig sind und Unwissende möglicherweise ein unvollständiges Bild entwickeln, ist das Thema Wutausbrüche. Nachdem das von mir rezensierte Buch auch vom Autor in den Quellen genannt wurde, nehme ich an, dass die hier zitierte Passage aus dem Buch abgeleitet wurde, und zwar ist hier die autistische Stressreaktion genannt, die van Elst folgendermaßen erläutert:

Sie wird ausgelöst durch Reizüberflutung, Erwartungsfrustation, Missverständnisse und Berührungen, und führt dann zu …

  • Wutattacken mit überschießender Aggression
  • dissoziativer Rückzug, Mutismus, Anspannungszustände, Selbstverletzungen
  • motorische Stereotypien zur Anspannungsregulation

Der Autor hat in meinen Augen die drei Auswirkungen der Stressreaktion in ein verständliches Deutsch übersetzt und dabei zwangsläufig verkürzt.

Zumindest die im Internet vernetzten Autisten kennen diese Wutattacken unter der Bezeichnung Meltdown, den Rückzug und Mutismus unter Shutdown und die motorischen Stereotypien unter Stimming. Continue reading

Schlafstörungen

Bei Lehnhardt et al. (2013) werden unter den Begleitsymptomen für Autismus u.a. Schlafstörungen mit (je nach Literatur) 30 bis 88 % Häufigkeit genannt. Nun treten Schlafstörungen nicht nur bei Autisten, sondern generell recht häufig auf. Es wird auch vermutet, dass Schlafstörungen nicht nur ein Symptom, sondern auch die Ursache für viele psychiatrische Erkrankungen sind. Schlechter Schlaf verschlimmert Depressionen, sorgt für verstärkte Reizoffenheit, beeinträchtigt die Entscheidungsfähigkeit und die Interaktion mit anderen Menschen. Ängste verstärken sich und die allgemeine Anspannung nimmt zu.

Zu Schlafstörungen bei Autisten gibt es aus den vergangen zwei Jahrzehnten einige Forschungsergebnisse. So wurde ein Zusammenhang zwischen niedriger Schlafqualität und verringerten kognitiven Leistungen bei erwachsenen Autisten nachgewiesen (Limoges et al., 2013), gehäuftes Auftreten von Schlaflosigkeit und Schlafstörungen gibt es bei allen Altersgruppen und Autismus-Subtypen (gemäß ICD-10 und DSM-IV). Continue reading