Das “Dazwischenleben” meistern

In einer Diskussion auf Twitter* wurde vor kurzem bemängelt, dass die besten Ratgeber für die Arbeit nichts nützen, wenn Autismus nicht verstanden worden ist. Es sei unter Umständen geschickter, arbeitsspezifische Erklärungen zu machen als universell gültige Statements abzugeben (z.B. ist “liebt monotone Arbeiten” eher unpassend, wenn es um journalistische Tätigkeiten oder Sozialberufe geht, die mitunter erfordern, sich schnell auf neue Situationen einzustellen). Zudem sind die aufgezählten Stärken und Fähigkeiten nur dann einsetzbar, wenn bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden.

* anscheinend habe ich wieder mal nicht verstanden, worum es ging, aber egal, im Schreibprozess geschehen die wunderbarsten Dinge und am Ende bin ich doch zufrieden, auch wenn ich an anderer Stelle herauskam als geplant war. Continue reading

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Sechs verlorene Jahre?

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Sechs Jahre studierte ich im schönen Innsbruck – mit unbegrenzten Möglichkeiten, sich alpin auszutoben. 27 Wanderungen habe ich gemacht, die meisten im Sommer und Herbst. In den vergangenen Monaten hatte ich wieder öfter die Gelegenheit, in meine alte Heimat zurückzukehren, die ich eher als Heimat empfand als den Ort meiner Kindheit und Jugend. Ich wurde dort so sesshaft, dass ich nicht mehr aus Österreich zurückkehren wollte. Erinnerungen an die Studienzeit habe ich aber kaum noch. Es war ein langer Selbstfindungsprozess – lange vor der Diagnose Asperger. Continue reading

Schlafstörungen

Bei Lehnhardt et al. (2013) werden unter den Begleitsymptomen für Autismus u.a. Schlafstörungen mit (je nach Literatur) 30 bis 88 % Häufigkeit genannt. Nun treten Schlafstörungen nicht nur bei Autisten, sondern generell recht häufig auf. Es wird auch vermutet, dass Schlafstörungen nicht nur ein Symptom, sondern auch die Ursache für viele psychiatrische Erkrankungen sind. Schlechter Schlaf verschlimmert Depressionen, sorgt für verstärkte Reizoffenheit, beeinträchtigt die Entscheidungsfähigkeit und die Interaktion mit anderen Menschen. Ängste verstärken sich und die allgemeine Anspannung nimmt zu.

Zu Schlafstörungen bei Autisten gibt es aus den vergangen zwei Jahrzehnten einige Forschungsergebnisse. So wurde ein Zusammenhang zwischen niedriger Schlafqualität und verringerten kognitiven Leistungen bei erwachsenen Autisten nachgewiesen (Limoges et al., 2013), gehäuftes Auftreten von Schlaflosigkeit und Schlafstörungen gibt es bei allen Altersgruppen und Autismus-Subtypen (gemäß ICD-10 und DSM-IV). Continue reading

Essen gehen: Probleme und Tricks

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Single-Autisten erleben das unter verschärften Bedingungen. Ich muss mich selbst ernähren können, eine Alternative gibt es nicht. Manchmal hilft ein Lieferservice des Supermarkts, um die Einkäufe zu erledigen. Dann aber gibt es auch Situationen, wo ich nicht umhin komme, aktiv Essen zu beschaffen, etwa auf Reisen, oder wenn der Kühlschrank leer ist. Continue reading

Wie Angst, Reizüberflutung und Ungewissheit zusammenhängen

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Tiefblick bei Überquerung einer Schotterrinne. (c) by me

Ein spannender Artikel von Ann Grisworld, Spectrum News, beschreibt die Zusammenhänge zwischen Unplanbarkeit, Angsterkrankungen und sensorischer Überlastung bei autistischen Kindern.

Bis zu 84 % der autistischen Kinder leiden unter ausgeprägten Angsterkrankungen und bis zu 70 % zeigen extreme Überempfindlichkeiten auf Licht und Geräusche. Die Überreaktion auf sensorische Reize löst Ängste bei Autisten aus. Eine neue Studie stellt die These auf, dass die Furcht vor dem Unbekannten beide Erscheinungen fördert und dass ein verbesserter Umgang mit der Ungewissheit entsprechende Symptome lindern kann. Die Erkenntnisse stützen außerdem die Theorie, dass autistische Kinder die Welt als überwältigend wahrnehmen, weil sie sich damit schwer tun, Abläufe vorherzusehen. Autistische Kinder wollen ihre Umgebung kontrollieren, sie vorhersehbarer machen. Continue reading