Sag nicht …

1

 “Das sieht bzw. merkt man dir aber gar nicht an!”

sondern

“Und wie äußert sich das bei dir?”

Das erinnert mich an eine Begegnung im Fernzug vor einigen Wochen. Wenn mich Österreicher am Dialekt erkennen, fragen sie üblicherweise “Kommst Du aus Deutschland?” was eine völlig schwachsinnig rhetorische Frage ist, weil man es ja hört und wenn man es nicht hören würde, täten sie gar nicht fragen. Dieses Mal war es ein Kärntner und der fragte direkt: “Woher aus Deutschland kommst Du?” Die Fragestellung impliziert bereits, dass ich nur aus Deutschland kommen kann, sodass man die Frage gleich genauer stellen kann, was meine Herkunftsregion ist. Das fand ich so lieb formuliert, dass ich eine ernsthafte Antwort gab. Continue reading

Unauffällige Autisten

11

Eigentlich arbeite ich derzeit an einer umfassenden Definition von Autismus, aber vorher liegt mir noch ein Thema am Herzen, das betrifft vor allem jene “Asperger”-Autisten, die spätdiagnostiziert wurden, also viele Jahre oder gar Jahrzehnte unauffällig blieben: Uns wird oft nachgesagt, wir seien viel milder betroffen, unser Autismus sei viel leichter oder ganz anders als bei jenen klassischen Autisten. Liebe Nichtautisten, das ist Eure Außenansicht. Das Innenleben schaut oft anders aus. Als ich neulich bei meiner neuen Hausärztin war, erzählte sie von dem Patienten mit Asperger, der, wenn das Wartezimmer zu voll ist, schnurstracks wieder hinausgeht, weil er die Reizüberflutung nicht aushielt. “Ich kann das nachvollziehen,” bestätigte ich spontan, “Das hab ich auch schon gemacht.” fügte ich ehrlich hinzu, denn es ist erst ein Jahr her, als ich wegen einer Overloadsituation in einem Ambulanzwarteraum wieder das Weite gesucht hatte. Continue reading