Wie wichtig sind Routinen?

Mich heilt nur die Natur

Die übliche Reaktion auf die Kundmachung depressiver Verstimmungen ist die Empfehlung, “unter die Leute zu gehen!” bzw. “rauszugehen.” Dabei erleben viele Autisten meist eine Gratwanderung zwischen dem Wunsch nach mehr Sozialkontakten und der gleichzeitigen Erschöpfung nach sozialen Aktivitäten. Diese sind selten den autistischen Bedürfnissen angepasst. Die Anfahrt kann bereits energieraubend sein, das Lokal hellhörig und laut, Stimmengewirr, klapperndes Geschirr, Verkehrslärm, Zigarettenrauch. Auch größere Gruppen sind anstrengend, wenn man mehrere Gespräche gleichzeitig hört. Für viele Autisten ist das eigene Zimmer oder die eigene Wohnung ein heiliges Refugium, ein wichtiger Rückzugsort, nach den eigenen Bedürfnissen eingerichtet. Abgeschirmt (bestenfalls) von Umgebungslärm, das Gegenteil von Menschenmassen in der Stadt und überfüllten Öffis. Continue reading

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Übersetzung: Die dunkle Seite von Stimming

Dieser Artikel von Kirsten Lindsmith wurde dank ihrer freundlichen Erlaubnis von mir ins Deutsche übersetzt:

The Dark Side of the Stim: Self-injury and Destructive Habits

In meinem vorherigen Artikel, Stimming 101,schrieb ich über autistisches Stimming* als normaler und gesunder Teil der autistischen Identität. Während dies am häufigsten der Fall ist, möchte ich einen etwas anderen Artikel nachlegen, denn nicht alle Stims** sind gleichwertig. Manchmal ist Stimming ungesund oder sogar gefährlich. Eltern, Angehörige und autistische Menschen brauchen alle Werkzeuge, um mit diesen Stimming-Arten umgehen zu können. Wir in der autistischen Befürworter-Community stellen oftmals jegliches Stimming als wundervoll und gesund dar, und lassen dabei jene im Stich, die Hilfe brauchen. Lasst uns also über die dunkle Seite von Stimming reden.

*   Stimming: engl. Kurzform für Self-Stimulating Behavior

** Stims: Aktivität oder Objekt, mit dem das Stimming erfolgt Continue reading