Anschluss finden ist schwierig

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Vor kurzem wurde ich gefragt, wie mir das in Innsbruck und Wien zuvor gelungen ist, wo ich je sechs Jahre gewohnt habe.  Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Im Gegensatz zu vielen Nichtautisten habe ich keinerlei Kontakt und auch nie das Bedürfnis danach gehabt, alte Schulkollegen wiederzusehen. Man kann sich wahrscheinlich vorstellen, dass mit zwischenmenschlichen Missverständnissen und noch dazu ohne Diagnose/Erklärung ein autistisches Schulleben alles andere als einfach ist, im Grunde war es traumatisch. Ich verstand mich mit den Lehrern immer deutlich besser als mit Gleichaltrigen oder Jüngeren. Ich war ja schon immer ein Kopfmensch und maß mich nicht mit anderen Schülern. Ein gutes Lehrerverhältnis macht Schüler nicht unbedingt beliebter. Ich hatte wechselnde Freunde abseits der Schule, und ein Kumpel, mit dem ich früher oft meine Freizeit verbrachte, verlor ich aus den Augen, als ich ins Gymnasium kam und er in die Realschule ging. Die meiste Zeit verbrachte ich alleine, erst durch meine Wetterleidenschaft ergaben sich bis 2002 zaghafte Kontaktversuche mit meist älteren Leuten, über deren Wetterhobby durch die regionale Zeitung berichtet worden war. Weiterlesen

Karriere-Standard, 12.11.16: Richtigstellung!

Besonders gelungen empfinde ich den Text von Martin Jan Stapanek auf Futurezone, der die Veranstaltung von Specialisterne & Anecon am Dienstag, 8.11., zusammengefasst hat.  Nicht so gelungen ist der Absatz über mich, der im Karriere-Standard vom 12.11.16 erschien. Ich möchte für jene, die meinen Blog finden, folgendes klarstellen:

Meine Aussagen über Lärmempfindlichkeit, viele Erholungspausen und „Probleme, auf andere Kollegen zuzugehen“ bezogen sich auf die Frage, warum Autisten das Studium schwerfällt. Ich bezog mich ausdrücklich nicht auf meinen Berufsalltag. Zudem erwähnte ich zu allen Schwierigkeiten, die ich im Anschluss an diese Frage im Hinblick auf den Berufsalltag nannte, mögliche Lösungswege. Die Veranstaltung stand unter dem Licht autistischer Stärken, nicht Schwächen, was im restlichen Text von der Redakteurin ja auch deutlich gemacht wird.

Es macht übrigens auch einen wesentlichen Unterschied, ob man alleine in eine Ausbildung, Studium oder Beruf eintritt, und niemanden kennt, oder ob man in ein Umfeld kommt, wo bereits vertraute Menschen sind. Letzteres war bei mir bisher immer der Fall. Nachdem ich mehrere Jahre 100 % Schichtdienst gearbeitet habe, und dies sicherlich fordernd ist, kann ich dennoch sagen, dass es machbar ist. Das hängt nicht nur von der Dauer des Dienstes, sondern auch von Organisation und Atmosphäre ab.

Meine Absicht bei dieser Veranstaltung war, lösungsorientiert zu argumentieren und nicht die Schwächen alleine stehen zu lassen, wie es jetzt leider in der Print-Ausgabe geschehen ist.