Eher belastend

Ich bin noch in einer priviligierten Position, verdiene gut und hab einen unbefristeten Job. Aber sonst …?

Der Ukraine-Krieg dauert jetzt über 3 Monate und es ist kein Ende in Sicht. Der Süden der Ukraine ist von den Russen besetzt. Der andauernde Genozid setzt sich mit einer Neuauflage des Holodomor fort, betrifft aber nicht nur die Ukraine, sondern die ganze Welt. Getreide aus der Ukraine wird gestohlen und nach Russland gebracht. Getreide-Exporte blockiert, was einer Epressung der ganzen Welt gleichkommt. Die globale Hungerkrise, durch den Krieg verschärft, ist das sichtbare Ergebnis der Klimaerhitzung.

Dieses Jahr hat China davor gewarnt, dass seine Weizenernte die schlechteste überhaupt werden könnte. In den USA ist es die schlechteste seit den 60er Jahren. Die Hitzewelle in Südasien hat Indiens Weizen bestraft, Frankreich wartet verzweifelt auf Regen und das Horn von Afrika geht durch die schlimmste Trockenheit seit Jahrzehnten. Weitere signifikante Beeinträchtigungen gibt es dieses Jahr in Pakistan, Italien, Kanada, Syrien, Jamaica, Brasilien. 60% der kürzlichen Preisanstiege bei Lebensmittel gehen bereits auf die Zeit vor der Invasion der Ukraine zurück. Das Jahr 2023 könnte sogar noch schlimmere Folgen bringen, nämlich eine echte Versorgungskrise mit astronomischen Preisen und Nahrungsmittelengpässen. In Ländern, wo Lebensmittel vor Ort angebaut werden können, werden sich die Folgen erträglicher gestalten als in Ländern, die auf Importe angewiesen sind. (Thread)

Abgesehen davon:

Energie wird teurer. Wien Energie erhöht die angeblich so saubere Fernwärme, die leider zu 40% Erdgas benötigt, um satte 92% ab Juli. Der Strom hat den gleichen Anteil, auch da wird es wohl ähnliche Preisanstiege geben. Ich heize nicht viel, der Grundpreis macht leider schon 40% meiner Jahreskosten bei der Fernwärmelieferung aus. Viele Einsparmöglichkeiten hab ich da nicht. Kürzer duschen. Das ist alles. Beim Strom mehr darauf achten, dass möglichst wenige Lichter brennen. Der PC rennt halt trotzdem oft stundenlang.

Lebensmittel werden deutlich teurer. Vor wenigen Wochen hat die Trikolore-Paprika (3 Stück) noch 2,49 gekostet, jetzt sind es 3,49. Ein Beispiel von vielen. Restaurantpreise haben schon vor der Energieverteuerung angezogen. Die offenbar vergammelte Bratwurst, die mir zwei Tage Übelkeit beschert hat, hat kürzlich 5,50 gekostet beim Würstelstand. Offenes Bier geht Richtung fünf Euro.

Eigentumswohnung hab ich gedanklich abgeschrieben.

Keiner weiß, was im Herbst passieren wird. Die Coronawelle ist fix, aber ob zur Teuerungswelle auch eine echte Versorgungsknappheit dazu kommt, ist ungewiss. Also ob man überhaupt heizen kann – gut da zieh ich mich halt wärmer an oder besorg mir einen Heizlüfter. Oder ob auch elementare Dinge wie Stromversorgung und Produktion von Nahrungsmitteln, Medikamenten und Hygieneprodukte eingeschränkt werden müssen.

Puh. Es fällt mir schwer, derzeit positiv zu bleiben.

One thought on “Eher belastend

  1. effema 19. June 2022 / 11:38

    Hallo Forscher,
    sehr wohltuend, dass du geschrieben hast: “Es fällt mir schwer, derzeit positiv zu bleiben” und nicht “…optimistisch zu bleiben”!
    Für Optimismus, der ja zur Dogmatik des kapitalistischen Wachstumsmodells gehört, gibt es in der gegenwärtigen Welt nämlich keinerlei vernünftigen Anlass mehr. Im Gegenteil: Optimismus im Sinne eines Ausblendens der Leidensseite des Lebens und der dysfunktionalen Aspekte des Markt-Kapitalismus, treffend bezeichnet z. B. als “Tyrannei des Gelingens” (Schemus & Bremer) oder “Smile or Die” (Ehrenreich), ist nicht nur völlig irrational, sondern auch zum existenziellen Risiko für die Zukunft der Menschheit geworden. Im Angesicht der sich entfaltenden Klimakatastrophe stehen die Optimist*innen weiter “auf dem Gaspedal” (im wörtlichen und übertragenen Sinne), während sie sich lustig machen über diejenigen, die aus Gründen der Rationalität und Verantwortung sich mühen, auf den Gebrauch von “Muskelkraft und Hirnschmalz” umzustellen.
    Es ist unendlich frustrierend für mich, dies nunmehr seit Jahrzehnten mit anzusehen und mit meiner geringen Kraft nur wenig zu einem Kurswechsel beitragen zu können.
    Optimismus brauchen wir also nicht mehr! Was wir jedoch zum Leben benötigen, ist Zuversicht. Für Autist*innen ist Zuversicht – wie so viele Dinge, die von Neurotypischen als selbstverständlich, da emotional verwurzelt empfunden werden – sehr viel schwieriger über den rationalen / intentionalen Pfad zugänglich. Schade, dass dies so wenig anerkannt wird!

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