Ziele im Leben runterschrauben

Wohnung im Grünen, das wäre mein Traum

Vor der Pandemie war kurz nach der Kur. Da hatte ich schon wieder Reisepläne geschmiedet. Die erste Fernreise wäre nach Kap Verden gegangen, Urlaub vielleicht auf den Azoren oder zweiter Versuch Zagoria Trail in Griechenland mit dem Alpenverein. Realistisch betrachtet wird daraus die nächsten 2-3 Jahre nichts werden. Bevor nicht die Weltbevölkerung durchgeimpft wurde, also schlappe 10 Milliarden Impfstoffe produziert wurden, und in jedem Land Herdenimmunität erreicht wurde, kann man sich das aus dem Kopf schlagen.

Eingeschränkter Bewegungsradius

Ich sollte bescheiden bleiben – trotz autistischer Soziophobie konnte ich dank Konferenzen und Gruppenreisen ein paar wenige Länder kennenlernen, wenn auch von Mallorca mehr die Konferenzräume als den Strand und in Finnland blieben auch nur zwei Tage Urlaub übrig. Ich war zwei Mal in der Slowakei in der Hohen und Niederen Tatra. Mit den Eltern hab ich es an den südlichen Gardasee und nach Venedig geschafft. Ich war drei Mal in Prag und einmal in Berlin. Holland-Urlaub war noch zu Schulzeiten. Paris eine Woche Austausch in der achten Klasse Französisch. Nach Bratislava bin ich auch insgesamt vier Mal gefahren. Ich hab noch eine sehr dunkle Erinnerung an das Legoland in Billund, Dänemark, sicher schon über 30 Jahre her. Sonst war ich nie im Ausland, auf keinem anderen Kontinent. Dabei wird es die nächsten Jahre realistisch betrachtet bleiben. Selbst wenn das kurzfristig überstanden ist, kommt die große Insolvenzwelle erst. Viele Gasthäuser und Hotels werden schlichtweg nicht mehr da sind, das Angebot ist dann deutlich kleiner als die Nachfrage.

Wann sind wieder Hüttentouren möglich?

Aber gut, damit kann ich leben, ich hab die letzten zehn Jahre auch kaum eine richtige Reise gemacht und war häufig wandern stattdessen. Zumindest dieses Jahr sieht es damit leider auch mau aus. Die Impfung geht viel zu langsam, die Mutanten feiern Kirtag. Es erscheint momentan unvorstellbar, mit Fremden in geschlossenen Räumen zu essen oder gar zu schlafen. 2019 musste ich wegen Fußverletzung aussetzen, 2020 hab ich es immerhin zwei Mal riskiert (Juni und August), fühlte mich aber beim zweiten Mal schon nicht mehr Wohl dabei. Jetzt sieht es wegen der hohen Fallzahlen so aus, als ob sich die Öffnung weit in den Sommer ziehen wird – einschließlich Hotels. Und auch da ist die Nachfrage größer als das Angebot, weil die Österreicher leider vielfach im eigenen Land Urlaub machen müssen. Und mir geht jetzt schon am Zeiger, dass die Berge überlaufen sind, selbst vorher einsame Regionen, auch unter der Woche. Andere Menschen stressen.

Eine Wohnung zum Wohlfühlen

Vor der Pandemie war meine Wohnlage ideal, mit den Öffis schnell am Bahnhof und Wanderungen außerhalb von Wien. Bei beständig hohen Fallzahlen meide ich allerdings die Öffis, besonders zu den Rush Hours, und komme mir immer öfter eingesperrt vor. Ich bin Meteorologe mit Leib und Seele – immer noch. Als solcher sollte man nicht in einen Innenhof oder eine gegenüberliegende Hauswand schauen, sondern freien Himmel vor sich. Ich hätte während dem Lockdown tagelang, stundenlang einfach die Wolken beobachtet. Jetzt komm ich nicht so schnell wohin, wo eine gute Sicht herrscht, ohne die Öffis benutzen zu müssen. Die Vorzüge der Stadt sind weggefallen: Essen gehen und Konzerte besuchen. Daher ist mein bescheidenes Minimalziel, den Wohnsitz an den Stadtrand zu verlegen. Dabei gibt es zwei Überlegungen – entweder eine Wohnung mit freiem Himmelsblick wenigstens in eine Richtung (also obere Geschosse) oder eine Wohnung mit Grün in Reichweite. Ich seh neidisch die Bilder von Freunden mit Dachwohnung oder Nähe zum Wienerwald. Kann den Neid auch gar nicht verhindern. Also im Südwesten oder Westen von Wien, auch wenn die Anfahrtszeit zum Arbeitsplatz länger wird. Aber das ist es mir Wert, wenn dadurch der Erholungswert an freien Tagen steigt. Kaltenleutgeben z.b., viele kleine Wienerwaldgipfel, sogar ein paar Felsgrate, sechs Hütten, von denen drei auch während der Pandemie Take-Away anbieten. Viele Aussichtspunkte, eine Aussichtswarte mit Rundumsicht. Im Sommer nicht so heiß, im Winter schneereich. Die Alternative, wie gesagt, eine Dachwohnung oder zumindest weit oben, aber in einem Neubau mit guter Schalldämmung. Dafür würde ich sogar auf eine Badewanne verzichten.

Mit Wohnungen hatte ich bisher nur Pech: In Innsbruck wars nur ein Zimmer mit pedantischem Vermieter, später dünne Wände und über dem Supermarkt, wo die Anlieferung einen Höllenlärm machte. Gegenüber ein Kindergarten und Studentenheim. In Wien erst eine 2er WG, wo der Mitmieter den Großteil der Wohnung für sich beanspruchte, das war zumindest das einzige kleine Zimmer (14qm) mit dichten Fenstern und Wänden, dann eine Wohnung mit dünnen Wänden, Balkon von Tauben vollgeschissen, Sicht in Innenhof und in eine enge Gasse. Verkehrslärm, alkoholkranker Mieter darunter. In Salzburg dann ein Hobbyhandwerker als Mieter unterhalb, Balkon unbenutzbar, jeden zweiten Abend Lärm bis Mitternacht durch Gäste. Dort hatte ich zumindest etwas mehr Sicht, dafür schlechte Verkehrsanbindung. Zurück in Wien, wieder Innenhofsicht, auf der anderen Seite Gebäude. Wände sind gut gedämmt, die Laminatböden dafür nicht. Geräuschkulisse ist meine Achillesferse, ich hab ein sehr empfindliches Gehör.

Eine bessere Wohnung wäre mal dringend nötig, aber wie finden? Ich hab ein bisschen die Hoffnung verloren. Besichtigungen nur wochentags, mindestens zu zweit, aber egal wie man es macht, es besteht immer die Gefahr, dass ein lauter Nachbar oder Familie mit Kleinkindern einzieht. Je höher die Ansprüche, desto unleistbarer wird es. Die Wohnungssuche ist überhaupt nur realistisch, wenn der Job unbefristet wird – was ich frühestens im Oktober erfahre. So lange wird auch das Infektionsgeschehen noch zu hoch sein, als dass man gefahrlos seinen Bewegungsradius steigern könnte.

Sonst ….

…. mal länger gesund bleiben, wäre schon. Ende Februar hatte ich die erste Gallenkolik. Als die Beschwerden besser wurden, hatte ich wenige Tage, bevor zumindest der Magendarm erneut beleidigt wurde mit Symptomen einer Gastritis. Seit Wochen trinke ich nur Tee, verzichte auf Alkohol und Schokolade – in einer Pandemie! Essen ist eigentlich das Einzige, was derzeit noch Befriedigung gibt, aber mit einem chronischen Reizmagen auch nicht. Das schlägt mir buchstäblich nicht nur auf den Magen, sondern aufs Gemüt.

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