Wenig Änderung

Dritte Welle in Österreich, gleiche Scheiße wie im Herbst schon. Viele nicht klüger geworden. Und wieder steigt mein individuelles Risiko deutlich an. Jetzt gab es auch den ersten positiven Fall am Arbeitsplatz – ohne die Antigentests, die wir seit letzter Woche im Büro machen können, hätte man ihn wohl erst spät entdeckt. Damit kenn ich jetzt auch den ersten offiziell bestätigten Corona-Infizierten persönlich. Bisher waren es “nur” virtuelle Bekanntschaften. Und das rückt das Virus halt ein ganzes Stückchen näher an mich heran.

Zu allem Überfluss zickt meine Gallenblase auch noch herum, der Stein ist nicht nur größer geworden seit dem letzten Ultraschall vor zwei Jahren, sondern auch in den Trichter gewandert, droht also früher oder später den Gallengang zu verstopfen. Die Gallenkolik, die ich vor zwei Wochen hatte, war noch vergleichsweise harmlos, da ist offenbar ein bisserl Gallengrieß abgegangen. Am gleichen Tag hab ich ausgerechnet die längste Wanderung des Jahres gemacht. Mit 20,6km und 740hm eine ordentliche Strecke. Bei einem Nierenstein hätte es sich im Gehen gebessert, bei Magenschmerzen wohl auch. Irgendeinen positiven Effekt hat die Bewegung ja immer – außer leider bei Gallensteinen, da verschlimmert es die Bewegung. Jetzt muss die Gallenblase früher oder später raus, aber an OP ist die nächsten Wochen nicht zu denken. Keine Lust, mich ein Jahr lang erfolgreich durchgewunden zu haben, kurz vor der Impfung zu stehen (wahrscheinlich April), und dann steck ich mich im Krankenhaus an. Ne, danke. Bei einer Kolik wirds mir nicht erspart bleiben, aber solange hoffe ich, dass der Stein ruhig bleibt und ich noch die Impfung mitnehmen kann.

Naja. Und dann B117, die infektiösere Mutation. Dran denken, wieder disziplinierter zu werden mit dem Desinfizieren. FFP3 trag ich sowieso schon seit Jänner durchgehend, nur im Büro FFP2, weil mein CO2-Messgerät dort solide Werte unter 600 ppm bescheinigt hat. Die Klimaanlage zieht nach oben ab, besser geht es kaum. Aber lästig ist es halt. Ich bestell schon gelegentlich, aber frisches Obst und Gemüse muss ich trotzdem vorher sehen. Und liefern lassen kann auch lästig sein, weil extra Kontakt und wenn es größere Bestellungen sind, landet es manchmal beim Nachbarn. Wieder ein extra Kontakt. Morgen kommt dafür mein Tiefkühlkasten, dann kann ich meine Ernährung endlich breiter fächern. Gesunde Fertiggerichte, Fisch! Pizza für den Notfall. Gemüse und Brot einfrieren. Mit dem winzigen Gefrierfach ging das einfach nicht. Von B117 zur Pizza, aber wuascht. Ich geh zwar weiterhin wandern, habe aber keine große Lust auf lange Zugfahrten. Meist bleib ich in der Nähe. Leider sind manche Nebenstrecken auch durch Schienenersatzverkehr ersetzt worden – das blödste in einer Pandemie, denn der Bus ist nun mal schlechter durchlüftet, man kann nicht den Wagen wechseln und im allerblödsten Fall steigen Schülergruppen ein. Das ist mir selbst mit Maske zu riskant, oder sagen wir mal, ich fühl mich einfach unwohl. Ich versuch trotzdem so oft wie möglich was zu machen, öfter innerhalb des Stadtgebiets, hauptsache Natur und Fotografieren. Denn – jeder Bildbericht erfordert wieder Stunden Schreibarbeit, Bilder bearbeiten. Das schöne Erlebnis noch einmal durchleben, das entspannt, und ich beschäftige mich für ein paar Stunden nicht mit Corona, denke nicht an den momentan trostlosen Arbeitsplatz und auch nicht an das abgefuckte Pandemiemanagement in Österreich.

Also ja, ich bin wieder besorgter als zuletzt, weil die Zahlen schon wieder so hoch sind und einfach die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ich einem Infizierten begegne. Und mit den beiden Mutanten ist das halt nicht mehr so gut abschätzbar, und es geht einfach schneller, sich zu infizieren. Dadurch bin ich derzeit übervorsichtig – auch wenn es dann leider heißt, eine Geburtstagseinladung auszuschlagen. Was dann im Herzen weh tut, aber bei der Qualität der Schnelltests, die nur 40% der symptomfreien herausfischen, ist mir indoor ohne Maske einfach too risky. Nicht einmal die real niedrige Gefahr, einfach ein Unwohlsein. Ein Jahr Pandemie hat Spuren hinterlassen. Menschenmassen meiden ist das eine, autistische Stressreaktion, usw, aber sich schon bei einzelnen Menschen ohne Maske unwohl fühlen, noch etwas anderes. Mit Glück heißt es nur noch wenige Wochen durchhalten bis zur Impfung. Dann bin ich eher bereit, dieses (geringe) Risiko einzugehen. Doch vorher…. maximal im Freien. Es ist eine Scheiß Zeit, aber es ist absehbar, dass es schrittweise besser wird.

Bis dahin muss ich schauen, dass ich neben meiner ganzen Covid-Bloggerei auch genug Pausen einlege. Ich schau abends öfter Filme (OmU), geh eben wandern, und wenns wärmer wird, auch wieder Radfahrten. Und probiere beim Kochen aus. Und versuch gelegentlich meine alte Wetterleidenschaft aufleben zu lassen. Der Blick geht eben immer nach oben. Das ergibt sich bei Wanderungen oft automatisch, dass eine kleine Fallstudie an den nachfolgenden Bericht drangehängt wird. Viecher müssen natürlich sein. Ja, Katze oder Hund wär schön, aber es ist nicht umsetzbar im Schichtdienst. Der Hund kann unmöglich ins Büro, zu hektisch, zu viele unterschiedliche Menschen. Katzen, da müssten es zwei sein, damit sie sich bespaßen, wenn ich arbeite oder wandern gehe, aber ich bin kein Freund von reinen Wohnungskatzen. Für mich muss die Katze die Natur genießen können wie ich selbst. Dann ist mein Balkon nicht katzengerecht, die Fenstertüren auch nicht. Haustier wär unendlich wichtig für mich, der Flausch als Blutdrucksenker, der Hund, der spürt, wenns mir net gut geht, das Gefühl für jemanden da sein zu können, was auf Gegenseitigkeit beruht. Doch mit meiner derzeitigen Lebenssituation nicht machbar. Dafür müsste ich was verändern. Ich denk offen drüber nach. Durch die Covid-Bloggerei hab ich festgestellt, wie sehr mir Wissenschaftsjournalismus taugen würde. Mit selbständigen Arbeiten ist ein Hund eher drin. Der Verdienst und die Absicherung dafür viel unsicherer, aber die Zeit der unbefristeten Anstellungen scheint sowieso vorbei. Ich muss mir das gut überlegen, aber es ist eine “Exit Strategie” für mehr Lebensqualität, weil neben flexiblen Arbeitszeiten dann ein Hund endlich möglich wäre. Sozusagen ein Therapiehund, gleichzeitig jemand, für den ich Verantwortung habe und daran nur wachsen kann.

Wie man sieht, schwirrt mir derzeit einiges durch den Kopf, und es ist ein Stück weit tröstlich für mich selbst, dass die exzessive monothematische Bloggerei das letzte Jahr über das Virus und die wissenschaftlichen Hintergründe durchaus eine Inspiration sein kann, mein Leben noch einmal neuzudenken. Für den Fall des Scheiterns im Brotberuf, aber auch für den Fall, dass ich einfach für mich abwägen muss, was mir wichtiger ist und womit ich aufgrund meiner begrenzten Leistungsfähigkeit als Autist auch bis zur Pension durchhalten kann. Die Kompensationsstrategien sind nämlich wahnsinnig kraftraubend und das letzte Jahr nahm wenig Rücksicht auf autistische Grundbedürfnisse wie Planbarkeit, Gewissheit, Zukunftssicherheit. So, es mir wichtig, das jetzt einfach mal “ausschreiben” zu können. Ohne konkrete Handlungen daraus abzuleiten.

One thought on “Wenig Änderung

  1. Elisabeth 9. March 2021 / 20:59

    Wunderschöne Fotos! Gute Texte, gute Arbeit!

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