Der Traum ist aus.

Sieben Jahre ständig darum gekämpft, im Job glücklich zu sein. Mobbing überstanden, den Wechsel überstanden, neurotypisches Umfeld überlebt mit Coming Out, Wohnort gewechselt für eine Ausbildung, nach zähem Ringen alle Prüfungen bestanden und neuen Job mit hoher Verantwortung gefunden. Nach sieben Jahren endlich dort angekommen, wo meine Stärken und Talente geschätzt werden und meine autismusbedingten Schwächen weniger ins Gewicht fallen. Der unbefristete Vertrag war schon eingereicht, zum Greifen nah. Dann kam Corona. Als erstes fiel der Urlaub aus, auch die geplante erste Fernreise auf Kap Verden, Lebensziel. Sonstige Auslandsurlaube mit fortschreitender Dauer des Lockdowns abgesagt. Dann kam die Kurzarbeit und die Erkenntnis, dass ich nach drei Jahren bereits den Gehaltszenit erreicht haben sollte. Der Traum von einer Eigentumswohnung passé. Selbst der Traum von einer Wohnung am Stadtrand nicht mehr leistbar. Und jetz steh ich vor den Scherben von sieben Jahre lang durchgehalten zu haben. Mangels Alternativen. Und weiß eigentlich nicht, wie es noch weitergehen sollen. Ich hab meinen Autismus nie großartig an die Glocke gehängt. Aber wenn man der Erste ist, der wahrscheinlich gehen muss, weil unter dem Deckmantel des Virus das zu Tode sparen der Arbeitswelt durchgesetzt wird, dann spielt der Autismus eben doch eine Rolle. Die Veränderungen der letzten Jahre waren auch ohne Corona krass genug. Dazu gesundheitliche Probleme. Heute Diagnose Pollenallergie (quasi ganzjährig). Ich hab nie bis ins Folgejahr planen können. Chronischer Stress, die Kur zu Jahresbeginn tat gut, meine erste. Aber jetzt gehen mir die Alternativen aus. Einen Plan B hab ich nicht, kein technisches oder handwerkliches Geschick, kein autismustypisches Spezialinteresse in Programmiersprachen. Zum Leben reicht weder das Schreiben noch das Fotografieren. Ich bin gut, aber nicht gut genug.

Nach 16 Jahren Österreich hab ich sowas die Schnauze voll. Und es nützt nichts, wenn ihr jetzt sagt, dass es in der Schweiz oder Deutschland genauso scheiße ist. Es kommt auch sehr auf die Art an, wie manche Veränderungen passieren. Dieses Hinterfotzige, vorne freundlich tun, hinten das Hackl ins Kreuz hauen, das ist hier das Unerträgliche daran. Ich hab Österreich durchgespielt. Mir reichts.

5 thoughts on “Der Traum ist aus.

  1. Hannah C. Rosenblatt 10. June 2020 / 22:30

    Ach man, das tut mir leid. Es ist nicht fair. So viel Durchhalten und Kämpfen sollte belohnt werden oder jedenfalls mehr als sich selbst am Ende haben.
    Kannst du woanders so einen oder genau diesen Job finden? Es klingt als wäre es denkbar für dich außerhalb von Östereich zu suchen.

    Ich hoffe, du kannst dir gerade etwas gut tun

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  2. Daniela Maus 13. June 2020 / 9:59

    Ich verstehe das so gut. Ich warte noch die Wien-Wahl ab, wenn die nicht wirklich positiv ausgeht, bin ich wohl doch wieder weg. Schade.

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  3. tomiblum 4. July 2020 / 19:01

    Ich geh schon garnicht mehr hin, zum Sachbearbeiter, meine Miete wird irgendwann vom Sozialrechtler eingeklagt, und dafür muss ich dieses geheuchelte Verstaendnis nimmer ertragen; Ja und Anderen geht es jetzt auch schlecht, der Kolege musste heute frei machen , weil es so anstrengend ist ,. diese ganzen Anträge,
    Ich habe diese Befindlichkeiten so satt, und mag nur noch mit meiner Aspie-Clique reden, aber nicht mehr über nix zu fressen und zu wohnen haben. Tomi aus Berlin

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