Sars-CoV-2: Gegen die Panik

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Raus aus der Wohnung in die Natur, das lenkt ab und hilft seelisch.

Autisten leiden wesentlich häufiger unter Angsterkrankungen als Nichtautisten. Dazu zählen vor allem auch soziale Phobien, etwa der Aufenthalt gemeinsam mit Menschenmassen, z. B. in Einkaufszentren oder in den Öffis, aber auch in touristisch überlaufenen Innenstädten. Es ist eine Mischung aus “sich exponiert/beobachtet fühlen”, “oft unbegründete Ängste, sich falsch zu verhalten” und “Überflutung durch äußere und mentale Reize”, letzteres die Gedankengrübeleien, die nicht aufhören, etwas ewig durchdenken müssen”. Soziale Phobien hindern uns in Kombination mit der autistischen Erschöpfung oft daran, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Je stärker die Erschöpfung, desto schwieriger fällt es einem, als neurotypisch durchzugehen, die sozialen Gepflogenheiten zu beachten, die von der neurotypischen Norm vorgegeben sind. Abhängig von der kognitiven Intelligenz (Fähigkeit zur Selbstreflexion) bemerkt man dieses Unvermögen und die Ängste und Kreisgedanken verstärken sich, dass das soziale Unvermögen bemerkt und kommentiert wird. Dies als Vorbemerkung und als kleiner Seitenhieb auf das häufig gehörte “wir sind doch alle ein bisschen autistisch, nicht?” Ich bezweifle das persönlich sehr, dass Nichtautisten diese Art von Ängsten regelmäßig haben. Angst ist also ein stetiges Thema bei Autismus und wirkt sich neben chronischem Stress (Reizüberflutung, exekutive Überforderung, etc.) massiv negativ auf das Immunsystem aus.

Die Berichterstattung über das Coronavirus bereitet wahrscheinlich mehr Sorgen und mitunter irrationale Ängste als die reelle Gefahr, sich anzustecken, und auch wie sich das mittelfristig auf unseren Alltag und unsere Pläne/Routinen auswirken wird. Wenn ich mit einem ernsthaften (medizinischen) Problem konfrontiert bin, versuche ich möglichst viel darüber zu lesen, natürlich seriöse Informationen und keine Zeitungsberichte mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitatschnipseln.

Versuch einer Übersetzung des Threads über Seife und wie effektiv das Virus zerstört werden kann durch Körperhygiene

Warum ist Seife so effektiv bei SARS-CoV-2, dem Coronavirus und durchaus den meisten Viren? Weil es ein selbst gebautes Nanopartikel ist, in dem die schwächste verbindung die Lipid (Fett-)-Doppelschicht ist:

Die Seife löst die Fettmembran und das Virus fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus und “stirbt” bzw. sollten wir eher sagen, es wird inaktiv, da Viren nicht wirklich leben. Viren können außerhalb des Körpers für Stunden oder aktiv sein. Desinfektionsmittel oder Flüssigkeiten, Tücher, Gele und Cremes, die Alkohol (und Seife) enthalten, haben ähnliche Effekte, aber sind nicht wirklich so effizient wie normale Seife. Abseits von Alkohol und Seife beeinflussen die “antibakteriellen Stoffe” in diesen Produkten die Virusstruktur kaum. Folglich sind viele antibakterielle Produkte grundsätzlich nur eine teure Version von Seife hinsichtlich ihrer Wirkung auf Viren. Seife ist am besten, aber alkoholhaltige Wischtücher sind gut, wenn Seife unpraktisch oder unhandlich ist (z.b. Sekretariate). Doch warum genau ist Seife so gut? Um das zu erklären, werde ich Euch auf eine kleine Reise durch die supramolekulare Chemie, Nanowissenschaften und Virologie nehmen. Ich versuche das mit so allgemeinen Begriffen wie möglich zu erklären und spezielle Chemiebegriffe wegzulassen. Ich möchte betonen, dass ich ein Experte in supramolekularer Chemie und dem Aufbau von Nanopartikeln bin, aber kein Virologe. Das erste Bild stammt von einem exzellenten Beitrag mit gehaltvoller Info über Viren (Link).
Mich haben Viren schon immer fasziniert, da ich sie als einer der spektakulärsten Beispiele dafür sehe, wie supramolekulare Chemie und Nanowissenschaften zusammentreffen. Die meisten Viren bestehen aus drei Schlüsselbausteinen: RNA, Proteine und Fette (Lipide). Die RNA ist das virale Genmaterial – sehr ähnlich zur DNA. Die Proteine besetzen mehrere Rollen einschließlich, in die Zielzelle einzubrechen, bei der Virusvermehrung zu unterstützen und ein Schlüsselbaustein in der gesamten Virenstruktur (wie ein Ziegelstein im Haus) zu sein. Die Lipide bilden einen Mantel rund um das Virus, sowohl zum Schutz als auch bei der Verbreitung und zellulären Invasion behilflich zu sein. RNA, Proteine und Fette fertigen sich selbst bei der Bildung eines Virus. Entscheidend ist, dass es keine starken “kovalenten” (molekularen) Bindungen gibt, die diese Einheiten zusammenhalten. Stattdessen basiert die virale Selbstanordnung auf schwachen “nichtkovalenten” Wechselwirkungen zwischen Proteinen, RNA und Lipiden. Zusammen agieren diese wie ein Velcro (Anm.: textiler Klettverschluss), weshalb es sehr schwer ist, ein selbst angeordnetes Virenpartikel aufzubrechen. Dennoch sind wir dazu in der Lage, z.b. mit Seife!
Die Mehrheit der Viren einschließlich dem Coronavirus sind zwischen 50 und 200 Nanometer groß – es handelt sich um wahrhaftige Nanopartikel, die komplexe Wechselwirkungen mit den Oberflächen, auf denen sie sich befinden, eingehen. Dasselbe mit Viren. Haut, Stahl, Holz, Stoffe, Farbe und Porzellan sind sehr verschiedene Oberflächen. Wenn ein Virus eine Zelle befällt, “entführt” die RNA die Zellmachinerie wie ein Computervirus und zwingt die Zelle dazu, eine Menge an frischen Kopien der eigenen RNA und der zahlreichen Proteine, aus die das Virus besteht, zu machen. Diese neue RNA und ihre Proteinmoleküle ordnen sich selbst mit den Lipiden an (gewöhnlich schon in der Zelle vorhanden) und bilden neue Kopien des Virus. Das heißt, das Virus fotokopiert sich nicht selbst, es macht Kopien der Bausteine, die sich dann selbst zu neuen Viren anordnen. All diese neuen Viren überwältigen schließlich die Zelle und diese stirbt/explodiert und setzt dabei Viren frei, die weitere Zellen infizieren. In der Lunge enden manche dieser Viren in den Atemwegen und den umgebenden Schleimhäuten. Wenn man hustet oder besonders beim Niesen können winzige Tröpfchen von den Atemwegen bis zu zehn Meter weit fliegen! Von den größeren Tröpfchen nimmt man an, dass sie das Coronavirus vorwiegend übertragen – sie haben immerhin noch zwei Meter Reichweite – deckt Euren Husten und Niesen zu, Leute! Diese kleinen Tröpfchen enden auf Oberflächen und trocken häufig rasch aus. Doch das Virus ist noch aktiv! Jetzt ist es an der Zeit, das mächtige supramolekulare Chemiekonzept einzuführen, das besagt: ähnliche Molekule scheinen stärker miteinander zu agieren als unterschiedliche. Holz, Stoffe und nicht zu erwähnen Haut wechselwirken durchaus stark mit Viren im Gegensatz zu Stahl, Porzellan und einige Plastiksorten, z.b. Teflon. Die Oberflächenstruktur spielt also eine Rolle – je flacher die Oberfläche, desto schlechter “haftet” das Virus. Gröbere Oberflächen hingegen können das Virus auseinanderziehen. Weshalb sind Oberflächen unterschiedlich? Das Virus wird von einer Kombination aus Hydrogenbindungen (wie solchen im Wasser) und etwas zusammengehalten, was wir hydrophile oder “fettliebende” Wechselwirkungen nennen. Die Oberfläche von Fasern oder Holz können beispielsweise eine Menge an Hydrogenbindungen mit dem Virus bilden. Im Gegensatz dazu bilden Stahl, Porzellan oder Teflon nicht viele Hydrogenbindungen mit dem Virus, weshalb es an diesen Oberflächen nicht stark angeheftet ist. Das Virus ist zwar ziemlich stabil auf diesen Oberflächen, bleibt aber nicht so lang aktiv wie auf Stoffen oder Holz. Wie lang das Virus aktiv bleibt, hängt von folgenden Faktoren ab:

Vom SARS-CoV-2-Coronavirus nimmt man an, dass es auf geeigneten Oberflächen über Stunden hinweg aktiv bleibt, möglicherweise einen Tag lang. Feuchtigkeit (“Zersetzung”), Sonnenlicht (UV-Licht) und Hitze (Molekularbewegungen) machen das Virus weniger stabil. Die Haut ist die ideale Oberfläche für ein Virus! Es ist “organisch” und die Proteine und Fettsäuren in den toten Zellen auf der Haut wechselwirken mit dem Virus über sowohl Hydrogenbindungen als auch fettliebende Hydrophilwechselwirkungen. Wenn man also eine Stahloberfläche mit einem Viruspartikel darauf berührt, bleibt es auf der Haut haften und wird folglich auf die Hände übertragen. Doch noch ist man nicht infiziert. Wenn man allerdings das Gesicht berührt, kann sich das Virus von den Händen zum Gesicht übertragen. Und dann ist das Virus gefährlich nahe an den Atemwegen und den umgebenden Schleimhäuten in und rund um den Mund und Augen. So kann das Virus in den Körper gelangen und so ist man infiziert (außer das Immunsystem tötet den Virus). Wenn sich das Virus auf den Händen befindet, kann es über Händeschütteln übertragen werden. Küsse ebenfalls, nun das ist offensichtlich. Wenn jemand direkt ins Gesicht niest, ist man regelrecht vollgestopft davon.
Teil 2 über Seife, supramolekulare Chemie und Viren:

So wie oft berührst Du Dein Gesicht? Es stellt sich heraus, dass die meisten Leute ihr Gesicht alle 2-5 Minuten berühren! Daher hat man ein hohes Risiko, sich anzustecken, wenn das Virus einmal auf die Hände gelangt ist, außer man kann das aktive Virus abwaschen.

Versuchen wirs mit einfachem Wasser. Das könnte funktionieren. Doch steht Wasser “nur” in Konkurrenz mit den starken “klebstoffartigen” Verbindungen zwischen Haut und Virus über die Hydrogenbindungen. Das Virus ist ziemlich klebrig und rührt sich nicht. Wasser reicht also nicht. Seifenwasser ist komplett anders: Seife enthält fettliebende Substanzen, sogenannte Amphiphile, manche davon sind von der Struktur her sehr ähnlich wie die Lipide in der Virusmembran. Die Seifenmoleküle stehen in Konkurrenz mit den Lipiden in der Virusmembran, effektiv wird der Klebstoff zersetzt, der das Virus zusammenhält. Füge dem das ganze Wasser hinzu. Seife gewinnt also den Zweikampf zwischen Virus und Hautoberfläche. Das Virus fällt bald ab und auseinander wie ein Kartenhaus aufgrund der kombinierten Wirkung von Seife und Wasser. Das Virus ist verschwunden! Die Haut ist ziemlich uneben und runzelig, weshalb man anständig scheuern und durchfeuchten sollte, um sicherzugehen, dass die Seife jeden Winkel auf der Hautoberfläche erreicht, wo sich aktive Viren verbergen könnten.
Alkohol basierte Produkte, was so ziemlich alle “Desinfektionsmittel” und “antibakterielle” Produkte einschließt, beinhalten eine hochprozentige Alkohollösung, typischerweise 60-80% Ethanol und manchmal ein bisschen Isopropanol und dann Wasser und ein bisschen Seife. Ethanol und andere Alkohole bilden nicht ohne weiteres Hydrogenbindungen mit dem Virenmaterial, doch sind sie als Lösungsmittel fettliebender als Wasser. Daher zersetzt Alkohol ebenso die Fettmembran und unterbindet weitere supramolekulare Wechselwirkungen im Virus. Allerdings braucht man eine recht hohe Konzentration (möglicherweise über 60%) von Alkohol, um das Virus rasch zu zerstören. Wodka oder Whiskey (gewöhnlich 40% Ethanol) zersetzen das Virus nicht so rasch. Insgesamt ist Alkohol nicht so gut wie Seife bei dieser Aufgabe. Nahezu alle antibakteriellen Produkte weisen Alkohol und etwas Seife auf, was dabei hilft, Viren abzutöten. Doch manche beinhalten auch “aktive” Bakterien tötende Stoffe, wie Triclosan. Solche können dem Virus jedoch grundsätzlich nichts anhaben!

Zusammenfassung:

Viren ähneln kleinen fettigen Nanopartikeln. Diese können viele Stunden auf Oberflächen aktiv bleiben und dann über Berührung anhaften. Dadurch gelangen sie auf unser Gesicht und infizieren uns, weil sich die meisten von uns ziemlich häufig im Gesicht berühren. Wasser alleine reicht nicht aus, um sich das Virus von den Händen zu waschen. Produkte mit Alkohol wirken besser. Doch nichts schlägt Seife – das Virus löst sich von der Haut und fällt sehr leicht in seifigem Wasser auseinander.

PS: Sonst gilt das, was ich in der Bildunterschrift erwähnt habe. Wann immer möglich, geht raus in die Natur statt stundenlang vor dem Computer zu sitzen und jeden einzelnen Coronafall zu zählen. Das macht nur verrückt, es bringt nichts. Außer man hat als Spezialinteresse Virologie.

Solange wie möglich ist es wichtig, den Alltag normal weiterzuführen, mit erhöhter Aufmerksamkeit für Self-care, sich Gutes tun.