Überladung: Meine Woche

EKD9kToW4AA_hI6
Die kleinen Freuden des Öffi-Fahrens, Rettungsanker in der Reizüberflutung

Ich wollte über etwas ganz anderes bloggen, aber mir fehlt die Lust dazu. Also berichte ich von meiner Woche. Da lief ein bisschen was aus dem Ruder, was dazu geführt hat, dass ich immer noch sehr erschöpft bin. Wo soll ich es auch hinschreiben… wenn nicht hier. Das Problem sitzt eigentlich woanders, und zwar im Jänner, wenn ich für drei Wochen auf meine erste Kur fahre.
Alleine, was sonst. An einen Ort möglichst weit weg von Wien wollte ich. Dabei hab ich es wohl ein wenig übertrieben. Er wird herrlich einsam sein. Vielleicht hatte ich mir mehr erwartet, jedenfalls werde ich die Nachmittage wohl immer frei haben. Für die Kur muss ich mich vorbereiten, mir fehlen noch Sportsachen und ein paar dringende technische Goodies wie Tablet und neues Handy. Mit der derzeitigen Kameraausrüstung bin ich auch nicht ganz glücklich, eigentlich wollte ich meine Spiegelreflexkamera nicht mitschleppen und die Schneeschuhe hätte ich gerne mitgenommen und weiß nicht, wie ich das alles unterbringen soll, nachdem ich öffentlich anreise. Naja, ich weiß aus den Vorjahren, wie schnell die Zeit vergeht, wenn Weihnachten naht und Silvester vorbei ist. Dann ist bereits 2020 und Jänner und nur noch eine Woche bis zur Kur. Und damit das nicht in Einkaufs- und Packstress unmittelbar davor ausartet… mache ich mir den Stress jetzt schon, indem ich versuche, freie (Einkaufs-) Tage auch zu nutzen für die nötigen Einkäufe. Überflüssigerweise läuft noch der Support für meinen Win7-Rechner aus, und ohne neue SSD-Festplatte macht Win10 keinen Sinn. Man könnte mit anderen Worten sagen, es kulminieren jetzt einige dringenden Anschaffungen, die unnötig Stress machen. Weil ich zugleich weiß, was für ein technischer Idiot ich bin, und mich jedes Mal überfordert fühle, wenn ich neues Handy, PC, etc. anschaffen muss. Die Auswahl an Komponenten, die korrekte Installation und ggf. Reklamation. Und das ist auch schon das Stichwort dieser Woche …Dienstag hab ich zu lange getrödelt, dann wurde es mit dem Zug noch knapp, die Wanderung danach war schön, zwar nicht ganz der geplante Wegverlauf, aber trotzdem tolle Lichtstimmungen. Ein negativer Beigeschmack war, dass mir erstmals seit längerem wieder der Fuß wehtat, nachdem ich zwischendurch ein paar steilere Waldstücke weglos aufstieg. Das bremst etwas den Aufwärtstrend von zuletzt. Bei der Wanderung vor acht Tagen war ich erstmals vollständig beschwerdefrei.

6
Felstürme am Semmering, Alpenostrand

Egal, ich kam zurück, am Folgetag wieder Physiotherapie. Wieder zu lange getrödelt, die Bim kam nicht, zurückgerannt, Rad geholt, hatte dafür natürlich die falschen Klamotten an, kam völlig nassgeschwitzt an, hab aus allen Poren getropft, was mir relativ unangenehm war. Im Anschluss bin ich mit dem Rad dafür in den Laden, wo ich es gekauft habe samt kabellosem Tacho, der nicht funktioniert. Ein Bekannter war bereits schon einmal bei mir, der technisch begabter als ich ist, aber die Ursache nicht herausfand. Der Fahrradtechniker hängt das Rad an die Halterung, verschiebt den Magnet etwas, er funktioniert tadellos. Ich kam mir vor wie ein Volltrottel. Auf der Heimfahrt ging er wieder nicht. Umgekehrt bin ich nicht, am liebsten hätte ich ihn in den nächsten Mistkübel geworfen. Der Tacho ist für mich wichtig, weil ich gerne meine Strecken aufzeichne, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich mir zutrauen kann. So wie ich es bei meinen Wanderungen auch mache. Nach dem misslungenen Reparaturmanöver kam noch der Friseur dran, das lief reibungslos wenigstens. Dann kam der Donnerstag, erster Seminartag, nachmittags hielt ich einen Vortrag. Das begann damit, dass etwa doppelt soviele Zuhörer da waren wie erwartet. Zwei unerwartete Gasthörer, von denen ich nicht wusste, ob es klug war, wenn sie alles mithörten, was ich in meinem Vortrag zu sagen hatte. Dann stand kein technisches Equipment da wie im Vorjahr, ich musste jemand bitten, meine Präsentation auf seinem Notebook zeigen zu können. Der Tag war vollgefüllt mit Information, die Kantine mittags war natürlich auch voll. Aus Zeitgründen ging nur die Kantine mit dem furchtbaren Geklapper, wenn der volle Geschirrwagen weggebracht wird. Ich hatte dieses Mal keine Zeit gehabt, meinen Vortrag vorher einzuüben. Die Nervosität stieg und stieg. Dann wäre eigentlich 15min Kaffeepause vor meinem Vortrag gewesen, Zeit, ihn einzurichten. Aber dann kam spontan etwas dazwischen, was kurzfristig eingeschoben wurde. Das brachte ich mich aus dem Konzept. Ich war nervlich bereits ziemlich fix und fertig, als ich endlich an der Reihe war. Von 90min Zeit nutzte ich 80min aus, immerhin, unabsichtlich perfekt erwischt. Kam auch gut an und die Ängste unbegründet letzendlich. Aber darum geht es nicht bei Autismus. Unerwartetes, Socialising und mangelnde Rückzugsmöglichkeiten bei dichtem Zeitplan, das saugt Energie, egal wie letzendlich das Ergebnis aussieht. Zum Schluss kam noch das gemeinsame Zusammensitzen in einem Lokal, das nur per gemeinsames Taxi erreichbar. Was natürlich auch bedeutete, dass wir nur alle gemeinsam zurückfahren konnten. Ich war schon nach kurzer Zeit sehr müde und wie immer bei einem langen Tisch in einem vollen Lokal bekam ich akustisch nur einen Bruchteil mit. Eine Kollegin stellte mir drei Mal eine Frage, ich antwortete irgendwas, was auf jede Frage passt, weil sich ihre Stimme regelrecht zwischen den anderen Stimmen auflöste. Das war wirklich sehr mühsam. Ich beginne dann in der Regel, mich zurückzuziehen, schaute vermehrt ins Handy. Rückfahrt mit dem Taxi… bis jeder gezahlt hatte, kamen noch rechtzeitig zum Bahnhof, ich begleitete eine Gasthörerin, die mich von früher kannte, ich hatte aber keinerlei Erinnerung mehr an sie. Ich hätte gerne mehr gefragt, war aber zu müde.

8
Burgruine Klamm, Semmering

Ich kam übermüdet heim, dann hörte einer der Nachbarn im Bad laut Radio, was sich dank des passiven Lüftungsrohrs in die Wohnung übertrug. Ich brüllte ins Rohr, obs net auch a bisserl leiser ging. Tatsächlich war bald Ruhe. Das war um 23.55. Um 6.20 hat mich dasselbe Radio aus dem Bett geworfen, trotz geschlossener Badtür und geschlossener Schlafzimmertür. Schlafen können hätte ich noch eine Stunde länger. Ich war wirklich sehr müde. Zweiter Seminartag, noch einmal socialising. Am Nachmittag holte ich die Kalender ab, die ich verkaufen und verschenken wollte. Ich schaute extra noch einmal in den Karton, bevor ich zahlte. Verkaufte das erste Exemplar einer lieben Bekannten. Zuhause fielen mir dann diverse weiße senkrechte Striche auf allen Exemplaren auf, die sich quer übers Bild ziehen. Die fünf Exemplare waren teuer, weil ich den Gutscheincode auf der Webseite übersehen hatte beim Bestellen. Wenn ich weniger erschöpft gewesen wäre, hätte ich vielleicht um Kulanz gefragt im Laden. Ich war wirklich sauer, löschte die Bearbeitungssoftware und wusste nicht genau, was ich jetzt machen sollte. Ich ging früher ins Bett, schlief mit Ohrnstöpseln und Handywecker im anderen Zimmer. Immerhin 10 Stunden. Heute dann der vorläufige Tiefpunkt. Zwar hat die Firma, die mein Rudergerät gebracht hat, den zugehörigen Herzfrequenzempfänger in den Briefkasten gelegt (ausgemacht war für die Lieferung Montag, gekommen ist es trotzdem Donnerstag, als ich nicht da war), aber die Empfangsplatine, die ich in den Leistungsmonitor in die Monitorplatine einbauen muss, war nicht dabei. Online reklamiert, wenigstens ging das problemlos. Naja, extra zur Post, Gerät retour geschickt, und jetzt kann ich wieder Tage warten und hoffen, dass dieses Mal alles richtig funktioniert. Mit dem Tacho werd ich wohl bei einem anderen Fahrradhändler vorbeischauen und wenn es danach wieder nicht geht, kauf ich wieder einen mit Kabel. Aber… to be honest… ich mag nicht ständig neue Geräte kaufen, weil die vorher gekauften Geräte Glumpat waren. Das ständig hinterrennen ist mühsam. Liefern lassen ist viel viel mühsamer geworden, seit die Post kaum noch ausliefert. Die Paketdienste kann man allesamt auf den Mond schießen. In Österreich sind die Möglichkeiten, an die Wunsch-Postfiliale zu senden, rudimentär ausgeprägt, geht nur beim bösen Amazon.

Naja… was ich daraus gelernt hab, es bringt nichts, sich den Stress schon vorher wochenlang zu machen. Speziell kommen Störungen im Betriebsablauf, die nicht eingeplant waren, und dann ist es wichtig, auf sich selbst zu schauen und freie Tage auch entsprechend nicht zuzumüllen mit Aufgaben.

Nachdem ich das jetzt alles niedergeschrieben habe, darf ich es endlich abhaken.

One thought on “Überladung: Meine Woche

  1. lizzzy07 23. November 2019 / 22:03

    Klingt nach mittlerem Alptraum. Der Friede des Herrn sei mit dir und ein Schutzmantel um deine Nerven. Amen.

    Like

Konstruktive und sachliche Kommentare werden freigeschaltet.

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.