Geschäfte und Lokale für Autisten in Wien?

22
Ruhiger Gastgarten mit Katzen – Ich hab das Paradies gefunden

Vorab, weil ich es immer wieder höre: Natürlich leiden auch viele Nichtautisten unter dem Lärm und der generellen Reizüberflutung durch Menschenmassen. Aber das ist dann nur ein ausgeprägtes Symptom von vielen weiteren Symptomen, die zu autistischem Stress führen, der häufig chronisch wird und die Lebensqualität beeinträchtigen kann.

Meine subjektiven Kriterien für ein ideales Restaurant oder Kneipe zum Weggehen:

  • Musik in erträglicher Lautstärke (nicht schreien müssen, um sich zu verstehen)
  • Keine mit Sitzgelegenheiten zu vollgestopfte Räume, bei denen man sich aneinander vorbeiquetschen muss
  • Allgemeiner Geräuschpegel, was auch mit Raumhöhe und Bauart zu tun hat (schlimm sind Keller …)
  • Geräuschpegel, den die Bar (Kaffeeautomat) und Küche (z.b. in Kaffeehäusern) verursacht
  • Einsehbarkeit von außen: Bestenfalls große Fensterfronten, sodass ich freie Plätze erspähen kann, bevor ich das Lokal betrete (war früher ein Totschlagkriterium)
  • Dieser Punkt kollidiert allerdings mit: Rückzugsmöglichkeiten durch (verwinkelte) Nebenräume, die vom Lärmpegel des Hauptraums abgetrennt sind
  • Nichtraucher: Getrennte Bereiche funktionieren oft gar nicht (Tür bleibt ständig offen, die Kleidung stinkt danach trotzdem)
  • Schanigarten: Der “Gastgarten” am Gehsteig ist oft ein No-Go, weil man den Straßenlärm direkt daneben hat.
  • Gastgarten: Leider häufig ebenfalls ein No-Go wegen den vielen Rauchern. Auf Rauch reagiere ich immer empfindlicher und beim Essen mag ich es schon gar nicht.

Ein paar Beispiele für Lokale, die ich schon aufgesucht habe…

Cafe Eiles (2, U2): Sehr störender Geräuschpegel durch die Küche (klapperndes Geschirr), im vollen Zustand generell relativ laut, unter der Woche etwas besser als am Wochenende, von außen können nur wenige Sitzplätze (Fensterplätze) eingesehen werden, die häufig schon besetzt sind.

Cafe Rathaus: Unmittelbar daneben das weniger bekannte und von der Inneneinrichtung her deutlich schlichtere Kaffeehaus. Entsprechend aber auch weniger Tische, weniger los, zumindest unter der Woche abends war es gut auszuhalten.

An-Do (Linie 44): Türkisches Frühstückslokal am Yppenplatz, viele Sitzplätze. Es gibt einen gut abgetrennten Raucherbereich. Im Sommer einen Schanigarten (kein Autoverkehr), allerdings meist mit vielen Rauchern. Ich sitze dann meist drinnen, stört mich aber nicht. Samstags ist es oft voll (Sonntag geschlossen), unter der Woche findet man immer genügend freie Plätze. Musik aushaltbar, außerdem eher Lounge/Jazz-Musik, was meinem Geschmack eher entgegenkommt.

Tewa (5A): Das orientalische Pendant zum An-Do, jeweils am Naschmarkt und Karmeliterplatz. Ich kenne nur letzteres. Gleiches Problem wie beim An-Do, im Schanigarten sitzen oft Raucher, innen ist meist frei (Sommerzeit), aber Musik etwas aufdringlich laut und nicht mein Geschmack.

Tachles (2, 5A): Café mit polnischen Spezialitäten. Früher mein Stammlokal. Zu viele Tische, zu hoher Lärmpegel, seit ein paar Jahren Nichtraucherlokal und so beliebt, dass man schon um 18 Uhr am Abend keinen Platz mehr bekommt, wenn man nicht reserviert hat. Das war früher anders. Außerdem sind immer wieder größere Gruppen da, mit entsprechender Lautstärke. Für Autisten leider (inzwischen) ein Horror, das tut mir in der Seele weh, weil ich den Besitzer kenne und schätze. Habe es aber auch jahrelang ertragen (vorher noch ohne Diagnose), obwohl ich danach sehr erschöpft war.

Bierteufel (U3/U4, S-Bahn, O) : Typisches Lokal mit Wiener Hausmannskost und etlichen internationalen Biersorten, von Studenten oft besucht. Bis 31.10. mit der Bar im Raucherbereich, großer Nichtraucherbereich. Häufig gut besucht und wegen der Sauferei recht laut. Von außen teilweise einsehbar.

Bieramt (U3/U4, S-Bahn): Das gehobene Pendant zum Bierteufel, mehrere große Räume, unter der Woche aber nicht übermäßig besucht (außer es ist eine Feier). Dann durchaus angenehm, nicht zu laut.

Kolar/Kleeblattgasse: Ein enges Kellerlokal in der Inneren Stadt, so laut, dass man fast schreien muss, aber selbst nichts mehr versteht. Nein.

Schutzhaus Zukunft (Linie 9): Früher mein liebstes Gastgartenlokal – so viele Plätze, dass man Rauchern meist gut ausweichen kann, wenn man Abstand hält. Wenn man keinen Abstand hält, kann es passieren, dass sie am selben Tisch sitzen und ungeniert rauchen, während man gerade isst. Ist inzwischen leider etwas weit von meinem Wohnort entfernt.

Redlingerhütte (nördlicher Wienerwald, über Wanderwege erreichbar): Die Hütte mit der Katze oben (eine von vier) und einem Hund. Idyllisch gelegene Hütte fernab jeder Verkehrswege, Katzen sehr verschmust (bzw. nach Essen bettelnd), entspannter Hund, der nur bellt um zu Begrüßen, aber nicht droht – nicht einmal anderen Hunden gegenüber.

Bei Einkaufszentren gelten ähnliche Kriterien, speziell aber …

  • Keine bzw. keine aufdringliche Musik (Klassik wäre schön, spielt es sich aber meist nicht)
  • Offene Flächen, um dem Menschenstrom ausweichen zu können
  • Spärliche Frequenz zu bestimmten Tageszeiten
  • öffentliche Erreichbarkeit

Wien-Mitte “The Mall”: Das Problem ist vor allem der Eingangsbereich, der stark von Reisenden und Interspar-Einkaufenden frequentiert wird. Die oberen Stockwerke sind auch zu Rush-Hour-Zeiten deutlich weniger frequentiert. Der Interspar besteht aus zwei Stockwerken, auch da ist im oberen weniger los und es gibt noch echte Kassen zum Anstehen und nicht diese unübersichtlichen Mini-Kassen, bei dem man nie sieht, wer wo ansteht wie im Erdgeschoss. Der Spar-Pronto teilt das Schicksal mit vielen Mini-Supermärkten, die abends länger offen haben – zu eng, zu verwinkelt, zu lange Schlangen, dazu Reisende mit großen Koffern. Definitiv sehr stressig.

Ringstraßengalerie (Karlsplatz): Dort hab ich noch nie besonders viele Besucher gesehen, die oberen Stockwerke sind eher spärlich besucht. Der Billa Corso ist abends stärker besucht, viele Gstopfte kaufen dort ein, an die Arroganz der reichen Pelzmanteloberschicht mit Sonderwünschen an der Kassa muss man sich gewöhnen, sonst aber ok der Laden.

Stadioncenter (U2 Stadion): Eines der kleineren Einkaufscenter, unter der Woche nicht überlaufen. Hat ein gutes Intersport-Geschäft, im Gegensatz zu Hervis gut sortiert. Mich schrecken Sportgeschäfte ziemlich ab, wo eine große Unordnung herrscht und thematisch wenig geordnet ist. Noch mehr stört mich allerdings, dass die Online-Shops mindestens genauso chaotisch sind, und nicht klar ist, welche Filiale was vorrätig hat. Leider bleibt am Ende doch nur Amazon.

Donauzentrum (U1): Eines der größten Einkaufszentren, sehr lang, sehr schlecht beschildert, was man wo findet. Stark besucht, evtl. am Vormittag noch eher aushaltbar.

G3: Einkaufszentrum in Gerasdorf, erreichbar mit dem Gratis-Bus ab Floridsdorf: Eher langgestreckt, aber sehr geräumig, keine störende Musik, unter der Woche nicht sehr stark frequentiert.

Lugner-City: Nomen est omen. Proletenzentrum, mehr muss ich dazu nicht sagen. Ich war damals nur dort wegen dem Handyshop.

Gerngroß/Mahü (Mariahilferstraße): Fast zu jeder Zeit ein Overloadproduzent, stark frequentiert, dazu Gefahr durch Radfahrer und E-Scooter, zwischendurch Lieferanten und Taxis. Ich bin dort nur, wenn es unbedingt sein muss. Mit dem Rad meide ich es inzwischen auch.

Ein paar Empfehlungen habe ich via Twitter bekommen, war dort selbst noch nicht.

  • Q19 in Döbling (Nähe Bahnhof Heiligenstadt): ganz im Norden, evtl. deswegen nicht so stark besucht
  • Citygate (U1 Aderklaeerstraße): ganz im Süden
  • Riverside (Liesing)
  • Auhofcenter (Wien-Hadersdorf Bf.)

Dass aufgrund meines Beitrags die erwähnten Orte nun überlaufen sind, glaube ich übrigens nicht. Lokale sucht man auch auf wegen Musik, Speisekarte und Geschäfte wegen bestimmter Waren, die man online nicht kaufen möchte (z.b. Schuhe, Kleidung). Davon abgesehen lesen hier höchstens eine Handvoll Autisten aus Wien mit.

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.