Schmerz-Chronologie – Sesambeinproblem

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Mostalm bei Wien, fernab der hektischen Großstadt

Inzwischen haben schon drei Orthopäden, 1 Physikalischer Arzt, 1 Physiotherapeutin und 3 Bandagisten mit meinem Fuß zu tun gehabt. Wegen den vielen Wechseln inklusive neuer Einlagen und alternativen Sportversuchen ist es für mich schwer zu sagen, ob und was sich verbessert hat. Dank meines penibel geführten Tourenbuchs kann ich aber gut abschätzen, wann die Schmerzen auftraten und wie sie sich weiterverhielten. Der Grund, warum ich das öffentlich mache … vielleicht bewahrt es den ein oder anderen übermütigen vor der gleichen Tortur, speziell, wenn man sein Spezialinteresse zu exzessiv auslebt, egal ob Autist oder Nichtautist. Zum Anderen ist es für mich selbst wichtig, immer wieder nachschauen zu können, wo ich gerade stehe, was sich verändert hat, was ich verbessern kann.

Vorgeschichte

2014 und 2015 brachte ich es mit je rund 53 Touren auf je rund 47 000 Höhenmeter. Damals hab ich durchwegs feste Bergschuhe (Meindl) und Leichtwanderschuhe (Meindl) benutzt. Gesamtstrecke jeweils um 750 Kilometer. Es gab nie irgendwelche Probleme.

2016 war ich vorübergehend nur Teilzeit angestellt. Ich brachte es auf 78 Touren, 70 000 Höhenmeter und 1250 Kilometer. Die Mehrzahl der Touren war lang mit vergleichsweise wenig Höhenmetern (klassische Überschreitungen von einem Tal ins nächste, etwa im Wienerwald oder Gutensteiner Alpen). Zu Jahresbeginn 4 Tage Schneeschuhwandern, Anfang September 4 Tage Schladminger Tauern, Mitte September 5 Tage Wölzer Tauern. Sonst überwiegend Tagestouren. Bei den Schuhen keine große Änderung.

2017 mit dem Wechsel nach Salzburg begann in meinen Augen die Überlastung. Anfang Jänner wieder 4 Tage Schneeschuhwandern (kurze Touren), Mitte Juni 5 Tage Niedere Tatra (gemütlich), Anfang August 4 Tage Rottenmanner Tauern, Ende August Hochkönig (2 Tage), Mitte September 24-Stunden-Wanderung, Mitte Oktober 4 Tage Salzkammergut, sonst überwiegend Tagestouren, aber …

Ich begann mit zahlreichen Gaisbergtouren und weiteren Touren im Salzburger Land, fast durchwegs kürzer und steiler in alpinem Gelände (harter Untergrund). Im April 2017 kaufte ich mir Salomon Speedcross4-Schuhe, außerdem Leichtwanderschuhe von LaSportiva (sehr weich). Mit beiden Schuhen ging ich überwiegend bis auf alpines Gelände. In den Rottenmanner Tauern hatte ich zeitweise die Laufschuhe an (wenn auch großteils weiches Wiesen- und Waldgelände dort). Bei der 24-Std.-Wanderung am 16.-17.09.2017 trug ich die LaSportiva und wechselte nach 50km Strecke auf die Laufschuhe.

2018 …bis Anfang März noch viele Gaisberg- und Schneeschuhtouren ohne Probleme. Zwei längere Touren mit Laufschuhen: Eibenbergrunde 20km und 900hm sowie am Gardasee 23km und 800hm, darunter lange Asphaltstrecken.

Schlüsselereignis vermutlich die zweite 24-Std.-Wanderung am 16-17.06.2018, durchwegs mit Laufschuhen (61km, 2000hm), rund zwei Drittel der Strecke auf hartem Untergrund (Asphalt, Forstwege). Während der Gaisbergtour am 23.06., also rund eine knappe Woche später (viel zu kurze Regenerationszeit übrigens) spürte ich erstmals einen stechenden Schmerz im letzten Drittel vom Aufstieg, der am Gipfel in Ruhe spürbar war, aber rasch wieder verging.

Am 03. Juli ging ich weitere 19km und 700hm mit Laufschuhen, an Schmerzen kann ich mich nicht erinnern.

Ende Juli kam eine Woche Ötztal, Hochgebirge, mit schwerem Rucksack (über 10kg). Bereits am zweiten Tag hatte ich Schmerzen, die aber vergingen, indem ich auf dickere Socken wechselte. Nach der Woche bekam ich krampfartige Schmerzen in beiden Zehen, links war es stärker spürbar. Bei der Wanderung auf den Eisenerzer Reichenstein Anfang August (1040hm, 10km) waren die Schmerzen recht stark. Ich pausierte eine knappe Woche, bei der Gaisbergtour vom 10. August spürte ich nichts erwähnenswertes anscheinend. Auch bei der Mammuttour vom 18.08 auf den Großen Pyhrgas (1740hm, 13km) mit Bergschuhen hatte ich keine Schmerzen. Die Physiotherapeutin hat mir das so erklärt, dass es auch damit zusammenhängt, wie entspannt ich bin und wie viel Spannung auf dem Fuß lastet. Ende August beim Anstieg auf die Kolbenspitze (1450hm, 13km) kann ich mich an diffuse Schmerzen erinnern. Die restlichen Tage in Südtirol weiß ich nichts von weiteren Beschwerden. Auch bei den weiteren Herbsttouren hab ich keine Schmerzen in Erinnerung. Dann kam der Oktober… 6 Tage Hohe Tatra, wieder mit schwerem Rucksack, überwiegend Blockgelände und Steinplatten. Und leider viel zu hohes Tempo der Gruppe. An Schmerzen kann ich mich nicht erinnern, ich hatte Bergschuhe und dicke Socken an.

Am 16. Oktober ging ich das Sonntagshorn (1500hm, 16.5km) mit Laufschuhen in relativ hohem Tempo, meine Zeitreserven waren limitiert durch die spärlichen Busverbindungen. Schmerzen nicht bewusst in Erinnmerung. Danach ging ich noch einige weitere Touren mit Laufschuhen oder Leichtwanderschuhen. Im November folgten zwei Wochen Sportpause wegen Nabelbruch-OP. In der Zeit kann ich mich erinnern, dass ich gelegentlich stechende Schmerzen hatte.

In beiden Jahren, 2017 und 2018, hatte ich mein Pensum deutlich erhöht, über 80 Touren und um 80000 Höhenmeter. Die Strecke ging mit je 1120km sogar etwas zurück zu 2016. Unterm Strich also steiler und kürzer.

2019

Dann kam 2019, gelegentlich diffuse Schmerzen. Anfang Februar versuchte ich es mit einem Hallux-Polster beim Schneeschuhwandern, was aber nicht richtig hielt. Die Beschwerden verstärkten sich bei den Gehpassagen mit Schneeschuhen am Rucksack.

Bei der Tour Ende Februar auf den Hochgitzen (12km, 460hm) spürte ich es bei den steilen Stellen.

Dann kam Mitte März während der Dienstreise der Besuch beim Kassen-Orthopäden, Verdacht auf Sesambeinreizung, Zinksalbenverband und Röntgen. Ende März ging ich noch eine Gaisbergtour mit den Leichtwanderschuhen, bergauf spürte ich es deutlich.

Anfang April dann mit den 0815-orthopädischen Einlagen wieder auf den Gaisberg, deutliche Verbesserung. Bei der Wachau-Wanderung am 09.April wieder deutliche Schmerzen im Abstieg, auch bergauf am 14. April im Wienerwald spürte ich es deutlicher. Am 17.April war dann das entscheidende MRT. Dort sahen die Radiologin und auch der 2. Orthopäde, ein Wahlarzt, aufgrund der glatten Ränder ein anlagebedingt zweigeteiltes Sesambein, ein deutliches Knochenmarködem und einen geringgradigen Gelenkerguss. Erst Mitte Mai bekam ich die neuen Einlagen, und Mitte Juni die orthopädischen Sandalen. Der Orthopäde, leider kein Sportarzt, verschrieb Schonen und Umstieg auf Radfahren oder Schwimmen. Das mit dem Schwimmen sollte noch Monate dauern. Mit dem Radfahren tat ich mir nichts gutes in der Zeit, als ich komplett auf Wanderungen verzichtete. Die Schmerzen wurden stärker, nicht schwächer. Ende Juni/Anfang Juli, nach den verordneten 6 Wochen Pause, wollte ich wieder mit leichten Wanderungen beginnen. Etwa zeitlich machte ich 1,2 längere Radtouren (rund 25km). Ob es an den Wanderungen lag oder am Radfahren, ab Juli wurden die Schmerzen wieder heftiger, ich saß tagelang mit Eisbeutel im Büro, um zu kühlen. Mittlerweile hatte ich auch das Vertrauen ins Radfahren verloren. Schwimmen war weiterhin keine Option.

Am 16. Juli begann die Therapie bei einer hervorragenden Physiotherapeutin, die die Einlagen sehr kritisch sah, weil sie das Fußbett übermäßig stützten und wahrscheinlich zusätzlich verspannten. Am gleichen Tag brachte ich die Einlagen zu einem anderen Schuhmacher, der mir eine Weichbettung hinzufügte.

Am 06. August ging ich zu einem neuen Orthopäden, dieses Mal Privatarzt. Er verschrieb Stosswellentherapie und neue Einlagen. Am 14. August hatte ich die erste Stosswellentherapie, am 17. August ging ich wandern, allerdings mit den alten Einlagen, was ich vor allem bergauf spürte, als bei beiden Füßen das Fußbett schmerzte. Am 26. August konnte ich endlich die neuen Einlagen abholen, Sporteinlagen, ohne das störende Metapolster, aber (schon wieder) ohne die Weichbettung beim Sesambein. Ende August war das viertätige Wandertreffen. 2 Tage waren komplett schmerzfrei, die letzten zwei Tage war es zwar nicht stechend schmerzhaft, aber unangenehm, als ob die Nerven beleidigend wären, ein kühles Gefühl mit Kribbeln, aber keine Beschreibung trifft es so richtig. Das ist geblieben. Am 04. September sah der Orthopäde die MRT-Bilder von der CD und korrigierte die Diagnose auf Sesambeinfraktur, was aber an der Behandlung nichts ändern sollte. Am 11. September hatte ich die letzte Stosswellentherapie. Der behandelnde physikalische Arzt ist mit den Einlagen nicht restlos begeistert, zwar stützen sie, aber wirklich dämpfend sind sie nicht, das würde noch besser gehen. Ich solle weiter schonen und abwarten, ob die Stoßwellentherapie anschlägt (was für mich ein wenig ein Widerspruch ist, weil, wenn die Schmerzen erst unter Belastung kommen, muss ich irgendwann belasten, um zu testen, ob die Schmerzen immer noch da sind).

Vor der Therapie ging ich 13km und knapp 500hm mit Laufschuhen, aber mit den Sporteinlagen und dicken Socken. Das war durchgehend problemlos, wenn auch auf weichem Wienerwaldboden.

Hat sich etwas verbessert?

Die Antwortet lautet jetzt, am 12. September, eindeutig Ja! Im Vergleich zu April hab und Juli/Anfang August hab ich derzeit beim normalen Gehen und in Ruhe keine Schmerzen mehr. Die verspannte Plantarsehne fühlt sich lockerer an als vor Therapiebeginn Mitte Juli. Der Stresstest ist für mich, wenn ich versuche barfuß auf einem Bein zu stehen, das hat vor August Schmerzen gemacht, inzwischen nicht mehr. Ich kann den Fuß auch inzwischen fast schmerzfrei nach innen drehen und in Sprinterstellung abrollen. Ebenfalls ist der Schmerzpunkt inzwischen nicht mehr so rasch lokalisierbar wie vorher.

Luft nach oben besteht vor allem beim Bergauf gehen. 700-800hm sind bei normalem Gehtempo ohne größere Pausen die Grenze, was bedeutet, dass es für mich momentan fast unmöglich ist, zu zweit oder in Gruppen zu wandern.

Schlussfolgerung für die Zukunft

  • Vom jetzigen Status quo nicht mehr als 10% steigern pro Tour, wobei ich mehr Spielraum bei der Strecke habe, wenn die Höhenmeter dafür geringer sind.
  • Mehr Pausen während einer Tour, in den Pausen immer wieder massieren.
  • Dem Gelände angepasste Schuhe benutzen: Laufschuhe für kurze Strecken, Wienerwaldgelände, trockenes Gelände. Trekkingschuhe für längere Strecken, nasse Bedingungen, leichte Bergschuhe für harter Untergrund und feste Bergschuhe für alle alpinen Strecken so wie bisher Schneeschuhwandern.
  • Häufigkeit reduzieren: Statt alle 5 Tage reichen auch alle 10-14 Tage.
  • Häufigkeit anpassen: Lieber häufiger kürzere Touren und seltener große Touren
  • Regenerationszeit beachten: Nach Mehrtagestouren mindestens 2 Wochen Pause.
  • Alternative Sportarten: Regelmäßig Radfahren, im Sommer schwimmen, wenn wieder möglich: bouldern; Krafttraining/Dehnen mit Therabändern
  • Massageangebote nutzen, wo möglich.
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