Stress: Dienstreise mit Autismus

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Blick vom Flugzeug auf die Berchtesgadener Alpen (v.l.n.r.: Königssee, Watzmann, Hochkalter)

Kommende Woche steht meine erste längere Dienstreise (> 3 Tage) seit fünf Jahren bevor, wenn man von Ausbildungsreisen absieht (da war ich 2016 mal 10 Tage in Innsbruck). Dieses Mal sind die Vorzeichen etwas anders und das sorgt zugegebenermaßen für ein wenig Nervosität bei mir. Denn der Autismus begleitet mich , den kann ich nicht zuhause lassen.

Das fängt damit an, dass ich Montagfrüh das erste Mal seit über einem Jahr wieder in ein Flugzeug steige, noch dazu mit größerem Gepäck. Dann ist es mehrere Jahre her, dass ich in Frankfurt gelandet bin und habe keine Ahnung mehr mit den Entfernungen zur Gepäckausgabe und wo ich hin muss, um meinen Bus zu erwischen. Ich kenne weder den Veranstaltungsort, die Wege dorthin noch das Hotel, und schon gar nicht die (sozialen) Gepflogenheiten vor Ort. Ich werde mich wieder darauf einstellen müssen, andere zu siezen, was in Österreich allgemein nicht so üblich ist.

Die Tagesabläufe sind anders als gewohnt, für das Kantinenessen muss extra eine Wertkarte aus dem Automaten gezogen werden. Ich bin den ganzen Tag von Menschen umgeben, wo ich das Abendessen verbringe, weiß ich noch nicht. Ich halte das erste Mal seit Studiumabschluss wieder einen Vortrag vor rund 30 Leuten, ob jemand dabei ist, den ich kenne, weiß ich noch nicht, und das erste Mal überhaupt soll er 90min dauern. Ich hab keinen Laptop mit und hoffe, dass mein mein USB-Stick mit den animierten Grafiken am fremden Laptop funktionieren werden. Ich weiß nicht, ob ich auftauchende Fragen beantworten kann, geschweige denn, was das für ein Publikum sein wird.

Unüblicherweise trage ich wahrscheinlich die ganze Woche ein Hemd/Anzug und Mantel, die ich auf der Haut sonst nur schwer ertragen kann. Bei stürmisch-regnerischen Aussichten zudem eine feuchte Angelegenheit. Zudem juckt meine OP-Narbe immer noch und besonders eben mit Hemd und Mantel, was mich laufend irritiert und ablenkt.

In Summe eine Menge an Unsicherheitsfaktoren, die mir zunehmend Stress bereiten. Zwar hab ich schon einiges im Voraus klären können, was Anreise & CO betrifft, aber vieles ist für mich immer noch unklar. An sich bringt die Dienstreise Abwechslung vom Joballtag und dauert zum Glück nicht an allen fünf Tagen den ganzen Tag, sondern nur an zweien (Dienstag und Donnerstag). Das sollte erholsamer sein als fünf Tage Dienst, und trotzdem verspüre ich jetzt schon ein erhöhtes Stresslevel. Zumal meine Ausgleichsroutinen fehlen werden (bergwandern/Sport, Netflix schauen, schreiben).

Nach der Dienstreise schließe ich noch einen kurzen Heimaturlaub an, anschließend geht es mit der Bahn zurück, welche mir wesentlich sympathischer als Fliegen ist – beim Fliegen muss man immer früh da sein, dann die unangenehme Sicherheitskontrolle und das hektische Herauskramen aller Metallgegenstände, die Enge im Flieger, speziell dieses Mal ist das Wetter alles andere als ruhig und ich bin froh, wenn es mir den Magen nicht umdreht, dann das Warten aufs Gepäck, die Menschenmassen, die Umgebungsgeräusche, usw. Da steig ich lieber in den Zug und lese Bücher/Zeitungen, bestelle ein Bier oder einen Kaffee.

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