Abstruse Theorien? Mitnichten!

abstrus
Tweet in meine Richtung am 31.08.18

Der Tag war zu schön, um darauf zu antworten. Nachdem ich Twitter am Handy deinstalliert habe, hätte ich sowieso nicht antworten können und selbst im eingeloggten Zustand wäre es nicht gegangen, weil mich besagter User blockiert hat, dennoch in den letzten Jahren immer wieder zitierte und seiner Twitterblase den Fraß vorwarf, eine Methodik, die man auch bei anderen radikal(er)en Gruppierungen öfter sieht: So zitieren (z.b. ein Screenshot), dass der andere nicht darauf reagieren kann (er ist ja weiterhin blockiert) und nichts davon mitbekommt. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich so ein hinterrückliches Verhalten nicht ausstehen kann. Das grenzt an Mobbing, insbesondere, wenn die zitierten Tweets dann umgedeutet werden. So wurde vor Jahren einmal behauptet, ich hielte mich für etwas besseres als frühkindliche Autisten, weil ich mich als Asperger bezeichne. Völliger Schwachsinn – führte aber dazu, dass ich aus einem Gemeinschaftsblog mit anderen Autistinnen ausgestoßen wurde.

Zu Forschungsthemen hab ich einiges gebloggt, besser gesagt übersetzt. Meine angeblich abstrusen Theorien haben also alle einen fundierten wissenschaftlichen Hintergrund. Als studierter Meteorologe habe ich gelernt, wie man wissenschaftliche Artikel liest und worauf man bei der Intepretation achten muss (gerade bei Autismus muss man sehr darauf achten, ob die Unabhängigkeit der Autoren gewährleistet bleibt).

Am 4. Jänner 2016 übersetzte ich zwei Texte von Lorna Wing und Francesca Happé über das Asperger-Syndrom.

Am 24. Jänner 2016 äußerte ich, basierend auf den bekannten genetischen Ursachen von Autismus, einem Auszug aus Temple Grandins “The Autistic Brain” und weiteren Artikeln erstmals den Gedanken, dass Autismus künftig nicht (nur) mehr in frühkindlich/Asperger (ICD-10) bzw. Schweregrade (ICD-11) eingeteilt werden könne, sondern auch entsprechend dem Genotyp. Begründet habe ich diese Spekulation mit meiner eigenen genetischen Autismus-Ursache (47,XXY). Das sorgte bereits für Unruhe in der Bubble.

Am 16. Februar 2016 übersetzte ich einen Text von Manoj Kanagaraj, der sich kritisch zur Neurodiversitätsbewegung äußerte, weil stärker betroffene Autisten demnach nicht geheilt werden dürfen, bzw. das Leid negiert werde, das manche Autisten sehr wohl empfinden. Ins selbe Horn stieß vor kurzem übrigens Kirsten Lindsmith, eine autistische Bloggerin und Aktivistin.

Am 17. Februar 2016 schrieb ich zum Thema Gender Dysphoria und Autismus, weil zumindest im Internet auffällig ist, wie viele Transgender/Transsexuelle eine Autismus-Diagnose bzw. einen Autismus-Verdacht aufweisen. Im Text kommen auch kritische Stimmen zu Wort. Auch hier ein Querweis zu 47,XXY – per definitionem je nach Auslegung bereits Intersexualität.

Am 21. Februar 2016 kritisierte ich einen Artikel zum Thema Mäuseforschung und neue Erkenntnisse zu Autismus.

Am 22. Februar 2016 schrieb ich zur Rolle des Kleinhirns bei Autismus und zitierte dabei aus dem Kandel, Principle of Neural Science, einem Standardwerk zu Neurowissenschaften. Dabei zitierte ich u.a. wieder aus den Büchern der Autismus-Expertin Temple Grandin. Dieser Blogtext schlug hohe Wellen in der Blase, man machte sich über “kleine Cerebellum” bei Autisten lustig, auch wenn das u.a. bei Temple Grandin eindeutig gemessen wurde und ihrer Ansicht nach erklärt, weshalb sie keine gute Schifahrerin ist (einige Autisten haben grobmotorische Auffälligkeiten).

Am 28. Februar 2016 legte ich nach mit einem Text über die Rolle der Darmflora bei Autismus. Auch das brachte die Bubble in Aufruhr, obwohl mein Fazit eindeutig kritisch war.

Am 12. März 2016 erneuerte ich meine Theorie zur Autismusdefinition über Genotypen. Damit stieß ich natürlich in ein Wespennest, den besagte Bubble lehnt Genforschung bei Autisten aufs Schärfste ab, weil sie dahinter einerseits den Heilungsgedanken sehen (Autism Speaks), andererseits einen Versuch, Autisten schon im Mutterleib abtreiben zu können. Die Ängste sind mit dem aufstrebenden Nationalsozialismus weltweit wohl berechtigt, ändert aber nichts daran, dass Forschung in meinen Augen nicht per se wertend ist, sondern eher, was daraus gemacht wird.

Am 13. März 2016 brachte ich wieder den Zorn gegen mich auf, weil ich einen ausführlichen Text von Spectrum (einer populärwissenschaftlichen Online-Zeitschrift über Autismus) über einen Zusammenhang zwischen Savant-Syndrom und Autismus übersetzte. Vorher hatte ich über die Twitterblase gelernt: Es gibt weltweit maximal 100 Savants und das sei was anderes, nicht autistisches. Nur 0,000x Autisten sind Savants. Ende der Diskussion. Der Artikel (Teil 2 am 23. März 2016) und mein erklärendes Nachwort am 26. März 2016 stellen die bis dahin in der Blase kommunizierte Savant-Definition und Anzahl in Frage.

Mithilfe eines Venn-Diagramms versuchte ich am 4. April 2016 zu verdeutlichen, dass es in der Natur keine klaren Grenzen gibt, sondern immer Überschneidungen. Das zeigt alleine schon, wie viele Symptome von Autismus sich auch bei ADHS, Schizophrenie und Borderline widerfinden.

Am 8. April 2016 schrieb ich über den Zusammenhang von Angst, Reizüberflutung und Ungewissheit – ein viel beachteter Artikel, über den ich zahlreiche positive Rückmeldungen erhielt.

Am 1. Mai 2016 machte ich mich wieder unbeliebt, weil ich ähnlich wie bei Savants einen Zusammenhang zwischen Synästhesie und Autismus herstellte. Daniel Tammet, ein vermuteter Savant-Autist, stellte selbst die Theorie auf, dass Synästhesie Savant-artige Fähigkeiten begünstigt.

Am 5. Mai 2016 schrieb ich zum Thema Schlafstörungen.

Am 18. Mai 2016 fasste ich die neue S3-Leitlinie zur Diagnostik von Autismus zusammen. Dort wird erstmals auch das Klinefelter-Syndrom (47,XXY) als Screening-Indikator für Autismus genannt. Bis heute outerspacegirl von der Autismus-FAQ einen Zusammenhang ab.

“Autistische Verhaltensweisen können auch zum Beispiel bei ADHS, Mutismus, Klinefelter und verschiedenen Zwangserkrankungen auftreten und müssen von Autismus abgegrenzt werden.”

Diesen Satz hat sie aus http://doczz.fr/doc/1428749/psychische-aspekte-des-klinefelter-syndroms entnommen, übrigens schon vor vielen Jahren unmittelbar nachdem ich einer Psychologin auf Twitter zugestimmt hatte, dass Onlinesucht existiert. Kurz darauf haben sich die Twitter-User “fotobus” und “outerspacegirl” von mir abgewendet, und später versucht, meine Autismus-Diagnose aufgrund von Klinefelter in Frage zu stellen. Übrigens wurde erst vor kurzem Onlinespielsucht als Krankheit von der WMO anerkannt. Dass der oben zitierte Satz auf mich gemünzt ist, zeigt auch, dass sie ausgerechnet Klinefelter in dieser Liste erwähnt, immerhin eine kaum bekannte chronische Krankheit, von der man nur weiß, wenn man sie erzählt bekommt (in dem Fall durch mich …)

Am 14. Juli 2016 kritisierte ich Verschwörungsgeschwurbel eines schwedischen Psychiaters, das leider auch Eingang in die große Buchhandlung Morawa findet.

Am 08. September 2016 rezensierte ich sehr ausführlich und kritisch Aleksander Knauerhases Erstlinkwerk “Autismus mal anders”, das ich selbst mitfinanziert habe (was ich danach bedauerte). Größter Kritikpunkt ist der völlige Verzicht auf Quellenangaben.

Die nächste Rezension folgte am 11. September 2016 über ein Buch von Rolf Knippers und Autismus – genetisch betrachtet.

Am 21. Jänner 2017 begründete ich noch einmal meinen Sinneswandel gegenüber diversen Aussagen meiner (früheren) Autismus-Twitter-Bubble. In gewissem Sinne werde ich immer ein Einzelgänger bleiben, denn dieser Aktivismus, der nie Selbstkritik übt, der nur ein “entweder für uns oder gegen uns” kennt und der andere Meinungen niedermacht oder Personen bloßstellt, wird nie meiner sein.

Am 13. November 2017 fasste ich die großartige 2. Autismus-Fachtagung in Rosenheim zusammen.

Am 20. April 2018 fasste ich meine Gedanken zu den angeblich bahnbrechenden Erkenntnissen zu Hans Asperger zusammen, der demnach ein aktiver Nazi gewesen sein soll und kein “Heiliger”, was Euthanasie betrifft. Die diffenzierte Darstellung fehlte in den meisten Medienberichten.

Soweit alle Artikel, die ich unter der Kategorie “Forschung” abgelegt habe. Die meisten kontrovers diskutierten Blogtexte habe ich erwähnt. Leider musste ich beim Verfassen dieses Blogtexts gegen meine eigene Prämisse, keine Dritte über Screenshots zu zitieren, verstoßen, aber es ging nicht anders, weil ich geblockt wurde. Meine Gedanken, Ideen, Meinungen, Theorien und Spekulationen kann man sachlich diskutieren, die besagte Twitterbubble kann es leider nicht und wird schnell aggressiv im Tonfall. In dieser Tonart sehe ich keinen Bedarf an einer weiteren Diskussion, auch nicht an einer Klärung. Ein Gespräch auf Augenhöhe setzt für mich voraus, dass das Gegenüber zur Selbstkritik fähig ist. Und damit ziehe ich jetzt einen Schlussstrich.

5 thoughts on “Abstruse Theorien? Mitnichten!

  1. lizzzy07 3. September 2018 / 21:05

    Ich finde deine Theorien zumindest diskussionswürdig. Auch wenn sie – wie jede Theorie in dem Bereich – bestimmt noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Das weißt du, denke ich, auch selbst. Mit dem Wissen werden zwar Dinge machbar. Ob man sie auch macht oder machen sollte, ist aber eine andere Frage.

    Ich habe noch mal irgendwo (war das in der Zeit oder im Spiegel? Weiß ich nicht mehr) eine plausible Theorie gelesen: Die Leute haben ein Problem damit, dass es nicht immer nur nach oben geht, sondern bisweilen auch nach unten. Es reicht die theoretische Möglichkeit des Nachunten. Die wäre laut Artikel gestiegen. Da wird sich gegen alle tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahren für den Status Quo gewehrt.

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  2. Hannah C. Rosenblatt 4. September 2018 / 8:00

    Ich finde diese Twitterblase auch sehr unangenehm und beobachte sie inzwischen eher für Sozialstudien.
    Allein wie schnell aus deinen Texten über Theorien gleich _deine_ Theorien werden und insgesamt jede wissenschaftliche Genforschung quasi verteufelt wird, gleichzeitig aber immer noch die Inszenierung als Aktivist_in passiert. Spannend. (Natürlich weil ich nicht persönlich involviert bin – für dich ist es offenbar eher kränkend)

    Ich danke dir für deine Texte zur Forschung. Mir helfen sie und mir sind sie wichtig, weil sie mir helfen auch meinen Autismus einzuordnen 🙂

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  3. Forscher 4. September 2018 / 12:24

    Freudscher… “Übrigens wurde erst vor kurzem Onlinespielsucht als Krankheit von der WMO anerkannt.” – WHO natürlich, die world meteorology organization hat damit nix zu tun.

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  4. geschlechtslos 4. September 2018 / 14:11

    Am besten ist es diese Leute einfach zu ignorieren. Es ist sinnlos überhaupt zu versuchen mit ihnen zu reden. Würden sie das wollen würden sie nicht blocken.
    Gott sei Dank werden sie von der Fachwelt überwiegend nicht ernst genommen. Ansonsten würden wirklich abstruse Theorien in die Welt gesetzt.
    Schlimm ist nur, dass Otto-Normal-Mensch gerne Bloggern, Youtube, Facebook und Co glaubt. Wie bei Verschwörungstheorien. Die vielen Leute, die „beweisen“ das die Erde flach ist, müssen einfach Recht haben. Wissenschaftler / Fachleute lügen doch alle.
    Da kann aber niemand was dran ändern. Jeder mit anderer Meinung ist eben ein Lügner oder von *setze ein nach Beblieben* bezahlt.

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  5. Megaterhorst 11. September 2018 / 15:26

    Ich merke auch oft wie schnell ein Gespräch ins negative absackt und dann alle nur noch auf der einen Person herumhacken sodass dieser dann nichts anderes mehr übrig bleibt als sich zu wehren und auf ihrem Standpunkt zu beharren. Ist letztens erst passiert als ein sogennanter “Experte” wieder mal meinte Autismus abseits des Kontexts zu nutzen weil er meinte es würde dort gerade gut passen. Da hat man am Anfang noch versucht zu erklären warum eben das nicht gut ist (Vorurteile, Verfestigung von Stereotypen, Falschwissen) und später wurde dann auch ins “Sie sind ein Behindertenfeind.” übergegangen als dieser es nicht einsehen wollte. Viele haben diese Person geblockt, was diese Person dann wiederum nutzte um ihren Vergleich zu unterstreichen. “Deswegen hat Autismus in dem Kontext gut gepasst weil ich meinte das Autisten sich aus Situationen mit denen sie nicht umgehen können zurückziehen.” War jetzt auch nicht gerade die beste Idee da das natürlich die anderen die noch da blieben nur noch mehr angestachelt hat. Ich habe kurzzeitig dann auch eingegriffen und habe mich ironisch über die Aussage der Person lustig gemacht. Das man so nicht unbedingt weiter kommt war natürlich klar und dann habe ich mich bei der nächsten Chance nochmal mit einer anderen Taktik versucht. Erst wollte ich versuchen das ganze nochmal zu erklären. Mir war hier auch wichtig hervorzuheben warum eben die anderen jetzt so gehandelt haben. Die andere Person war aber schon so drin in ihrer Abwehrhaltung das sie nicht mehr davon loslassen wollte also begann ich mit Metaphern. “Sprache ist wie ein Bach. Dieser Bach fließt ins Tal und auf dem Weg nach unten nehmen und geben Menschen diesem Bach etwas. Irgendwann erreicht der Bach ein Dorf dieses wiederholt den Prozess. Der Bach wird irgendwann ein Fluss und mündet schließlich ins Meer wo sein Wasser dann nicht mehr vom Meerwasser unterschieden werden kann. Die Quelle jedoch ist etwas komplett anderes kann sich aber mit dem Endprodukt nicht mehr identifizieren.” Ich wollte damit ausdrücken zu was man Autismus im Sprachgebrauch eigentlich macht. Natürlich hat die Person immernoch an ihrem Glauben festgehalten. Mir wurde daraufhin mehrfach gesagt ich solle doch gar nicht erst versuchen mit dieser Person zu diskutieren. Ich sah dies aber auch nicht ein, da ich finde das man andere auch nicht unbedingt nur weil diese nicht die eigene Meinung annehmen, komplett ausgrenzen soll. Wie soll man eine Person denn vom eigenen Punkt überzeugen wenn man ihr im Grunde sagt das es keinen Sinn macht mit ihr zu reden? Das ist etwas was ich an der Bubble nicht so toll finde. Es wird oft jemand zum unabänderlichen Feind gemacht. Wir halten oft an unseren Idealen fest. Ich für meinen Teil akzeptiere es explizit in keinem Fall wenn jemand Autismus als Beleidigung oder Metapher nutzt da ich finde das dies schlichtweg nur zu Vorurteilen führt, da man weder ein ganzes Spektrum einfach so zusammenfassen kann, noch genügend Wissen darüber im allgemeinen existiert. Man frage nur mal Menschen auf der Straße was sie denken das Autismus ist… Das ist mein Ideal, mein Kompass. Und danach handle ich halt. Ich denke die anderen sind da nicht viel anders. Die heben auch ihre Ideale. Nur müssen das nicht immer auch meine sein. Wenn sie meinen ein Gespräch mit einem Block zu beenden dann finde ich das natürlich einerseits Schade aber dann ist’s ja auch wieder ihre Sache. Für mich herrscht die Regel:”Es wird nur geblockt wenn das Gegenüber nur beleidigt. Andernfalls sollte man sich schon aussprechen”

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