Raucher

smoke

Ich habe gewisse Hemmungen, darüber zu schreiben. In meinem Freundeskreis sind Raucher, großteils rücksichtsvolle Menschen, die wissen, dass ich Nichtraucher bin und empfindlich auf Rauch reagiere. Trotzdem bin ich mit meinen Bedürfnissen oft in der Minderheit, wenn es um die Wahl des Lokals und die Rauchmöglichkeiten geht. Das Problem ist ein grundsätzliches: Wenn ein Aschenbecher auf dem Tisch steht, darf geraucht werden, völlig egal, ob Nichtraucher anwesend sind. Der Raucher kommt immer zuerst, der Nichtraucher muss den Rauch ertragen.

In Österreich herrscht kein absolutes Rauchverbot wie in anderen Ländern.

Die mit den Stimmen der ÖVP schon beschlossene Gesetzesänderung wurde nämlich von der jetzigen rechtsgerichteten Regierung (unter der Federführung der ÖVP!) wieder gekippt, das war Koalitionsbedingung der FPÖ und die “Gesundheitsministerin” der FPÖ verteidigte den Unfug auch noch im Parlament.

Aber unter uns: Das Rauchverbot bringt nur bei Schlechtwettertagen und im Winterhalbjahr etwas, wenn man in den Innenräumen nicht mehr rauchen darf. Zahlreiche Gasthäuser haben sich nach dem 1. Mai, als das Rauchverbot eigentlich hätte in Kraft treten sollen, freiwillig als rauchfrei erklärt, darunter selbst Lokale, die vorher als Raucherbastionen galten. Von der “Dont’t smoke!”-Initiative, mit der eine halbe Million Menschen ihre Unterschrift gegen die Rücknahme des Rauchverbots gaben, wurde diese mutige Freiwilligkeit bejubelt. Wenn man es genauer betrachtet, beruht diese Freiwilligkeit aber auf dem Umstand der Bequemlichkeit, denn mit Beginn der Gastgarten- und Schanigartensaison (Schanigarten: Gastgarten ohne Grünflächen, meist auf Gehsteigen) kann draußen geraucht werden, selbst das strengste Rauchverbot hätte daran nichts geändert. Schmerzhaft, wenn überhaupt, wird es für die Lokale erst im Herbst, wenn die rauchenden Stammgäste fernbleiben. Denn der Großteil des Umsatzes wird mit (alkoholischen) Getränken gemacht und Raucher trinken mehr als Nichtraucher.

Für mich als Nichtraucher hat sich durch die heldenhafte Freiwilligkeit nichts geändert: Weiterhin stehen in fast jedem Gast- und Schanigarten Aschenbecher auf den Tischen und es wird fröhlich vor sich hingeraucht, egal ob da am Nachbartisch gerade jemand sitzt und isst oder – wie kürzlich wieder auf einer exponierten Berghütte erlebt – einfach nur die frische Bergluft genießen will.

“Stört es Sie/Dich, wenn ich rauche?”

Diese Frage höre ich leider so gut wie nie, wenn ich an einem Tisch sitze oder ein Raucher sich zu mir setzt. Weder in einer Runde mit Bekannten, noch, wenn ich alleine am Tisch sitze und sich – aus Platzmangel – fremde Gäste zu mir sitzen. Ich habe es schon oft erlebt, wie sie zwar fragen, ob noch ein Platz frei ist, aber sich bei Bejahung dann ohne zu fragen, ihre Tschick anzünden, weil: Es steht ein Aschenbecher am Tisch, der legitimiert das Rauchen und da fährt die Eisenbahn drüber. Pech gehabt, lieber Nichtraucher. Nicht zufällig kommen von (militanten) Rauchern aus dem FPÖ-Dunstkreis sinngemäße hämische Kommentare wie: “Nichtraucher dürfen gerne drinnen sitzen, während wir draußen das Sommerwetter genießen.”

Am Berg stört mich die Raucherei massivst. Ich schätze am Berg die frische Luft, frei von den Abgasen in der Stadt und von der Industrie. Selbstverständlich kehre ich gerne auch ab und zu ein, um meinen Elektrolythaushalt aufzufüllen oder Hausmannskost zu essen. Das allerletzte, was ich dabei aber will, ist vollgeraucht zu werden. Ich verstehe da auch die Hüttenwirte nicht, die draußen weiterhin Aschenbecher aufstellen. Wer am Berg rauchen will, soll das fernab von Menschen tun, am besten gar nicht, denn der Kippenmüll hat in der Natur nichts verloren!

In Salzburg regt mich die Raucherei aber auch an den Bushaltestellen auf. Wenn es regnet, sitzen und stehen die Raucher unter dem Wartestellendach, als Nichtraucher muss ich im Regen stehen, wenn ich die Qualm nicht direkt abkriegen will. An den Bushaltestellen am Hauptbahnhof ist längeres Warten regelmäßig ein Spießrutenlauf, ich muss immer wieder die Position wechseln, weil sich über den gesamten Haltestellenbereich verteilt immer wieder Raucher unter die wartenden Leute mischen und man nirgends länger stehen kann. Gestern stand ich bei der Haltestelle am Rathaus, bewusst etwas abseits vom Mistkübel mit Kippenvorrichtung. Kommt von weitem ein Jugendlicher daher, rauchend, und stellt sich genau neben mich, als ob auf meiner Stirn stünde: Raucher bitte hierher!

MERKEN DIE RAUCHER DAS NICHT?

Ist es immer noch so selbstverständlich, trotz aller Studien über Passivrauchen und Lungenkrebsrisiko, die Mitmenschen am blauen Dunst teilhaben zu lassen? Zwar haben schon viele Mitmenschen gottseidank das Rauchen aufgegeben, ein Sinneswandel findet also schon statt, aber es reicht noch nicht. Bei den wenigen Fortgehgelegenheiten in Salzburg hatte ich immer mit rücksichtsvollen Rauchern zu tun, bewusst Nichtraucherlokale aufsuchend bzw. für die Zeit des Zusammenseins auf Rauchen verzichtend, oder demonstrativ in die andere Richtung rauchend. So sollte es immer sein.

Ein letztes Wort zum drinnen sitzen. In den Jahren in Wien, als mein Lieblingslokal plötzlich rauchfrei wurde, stellte sich eine andere Unart ein, für die ich nur teilweise Verständnis aufbringen konnte. Bei größeren Treffen gingen die rauchenden Teilnehmer jede Stunde vor die Tür, ich wurde mitten aus dem Gespräch gerissen. Und hier kickt der Autismus rein, denn ich brauche oft recht lange, um in Gespräche hineinzufinden. Je größer die Gruppe, desto schwieriger für mich, schon rein akustisch, aber auch, weil ich ständig durch andere unterbrochen werde. Hatte ich dann endlich einen Faden gefunden, verlor ich ihn durch die Raucherpausen gleich wieder. Meist wurde bei der Rückkehr das Thema gewechselt oder mein Thema ging sang- und klanglos zu Ende. Im Extremfall saß ich alleine da, immerhin erbarmte sich eine Raucherin dann und blieb aus Solidarität bei mir. In gewisser Hinsicht ist es die gleiche Unhöflichkeit, wie mitten im Gespräch aufs Smartphone zu schauen und seine Mails/Chats abzurufen bzw. anfangen zu tippen (= “Phubbing” ). Ich habe mich selbst auch schon bei dieser Unart ertappt, ironischerweise besonders oft in größeren Gruppen, wenn ich akustisch überfordert bin und mich nicht mehr auf einen potentiellen Gesprächspartner konzentrieren kann.

Was ich mir von meinen Mitmenschen wünschen würde: Immer nachfragen, wenn Nichtraucher mit dabei sind. Die Sucht in dieser Zeit unterdrücken und sich vom Nichtraucher durch saubere Luft belästigen lassen.

Was ich mir von der Gastronomie wünsche: Rauchfrei ist nur dann rauchfrei, wenn auch draußen nicht mehr geraucht werden darf. Wenn das schon zu viel verlangt ist, dann bitte wenigstens getrennte Bereiche schaffen. Speziell in großen Gastgärten mit vielen Sitzplätzen sollte es möglich sein, Nichtraucherzonen zu errichten, wo man ungestört essen und trinken kann, während in anderen Bereichen fröhlich weitergequarzt werden kann. Alles andere ist nur die typisch österreichische Lösung und kein echter Fortschritt. Wobei das ja so nicht stimmt, beim letzten Italienurlaub wurde in den Gastgärten auch überall geraucht einschließlich penetranter Zigarren.

Wie meine Ausführungen zeigen, glaube ich nicht an Verbote als einzige Strategie. Aufklärung und intensivere Appelle an Rücksichtnahme wären zielführender, leider unter der derzeitigen Regierung eine naive Träumerei. Eher herrscht Ellenbogenmentalität (ich komm zuerst), so wie in vielen anderen Bereichen auch.

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One thought on “Raucher

  1. geschlechtslos 12. August 2018 / 3:04

    Das ist in Deutschland leider nicht viel anders. Da Rauchverbot von Gaststätten bringt wirklich nur im Winter was. Allerdings auch nur dann wenn man das Spießrutenlaufen am Eingang erträgt. Die Unart Aschenbecher immer direkt am Eingang aufzustellen kann nur der Bequemlichkeit des Betreibers dienen. Den Nichtrauchern die da durch müssen dient es in keinster Weise.
    Bushaltestellen werden vollgeraucht und null Toleranz dem Nichtraucher gegenüber aufgebracht. Oder noch schlimmer an extra ausgewiesenen Nichtraucherbahnhöfen wird trotzdem geraucht. Beschwert man sich, wird man angepampt.
    Es gibt zwar Nichtrauchergesetze in Deutschland – durchgesetzt werden sie aber selten. Als Nichtraucher gilt man immer als intoleranter Arsch.

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