Wien 2019

Luftbild Wien (by me)
Luftbild Wien im Dezember 2010, ganz rechts in Bildmitte der Flughafen Schwechat

Die Rückkehr nach Wien deutet sich jetzt für das zweite Quartal 2019 an, d.h., ich hab genügend Zeit für die Wohnungssuche und kann einige Fehler vermeiden. Seit meinem Auszug aus dem Elternhaus 2003 ist es die siebte Übersiedlung. Leicht wird es auch trotz der großen Zeitspanne, die mir noch bleibt, nicht, denn nebenher arbeite ich ja auch noch Vollzeit. Es gilt also, einen realistischen Zeitplan aufzustellen, sodass ich hier Stressfaktoren von vorneherein vermeiden kann.

… Salzburg …

Für die Wohnung in Salzburg bedeutet das, dass ich zu Jahresbeginn 2019 kündigen werde. Ich bin fest entschlossen, wieder eine Umzugsfirma zu beauftragen, außerdem soll die Wohnung dann auch professionell gereinigt und gestrichen werden. Leider werden ab dem Zeitpunkt der Kündigung immer wieder potentielle Nachmieter die Wohnung besichtigen und ich muss sie entsprechend in Schuss halten. Darüber freue ich mich jetzt schon nicht, sowohl in Abwesenheit als auch, wenn ich gerade frei habe.

… Wohnungssuche …

Hier habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder suche ich wie bisher selbst über Online-Plattformen (Zeitungen ohne Bildinfo sind wenig aussagekräftig, zudem muss man überall anrufen und man muss schnell sein) oder ich beauftrage einen Makler mit der Suche. Es ergibt sich ohnehin fast zwangsläufig, dass ich Maklergebühren zahlen muss. Provisionsfreie Wohnungen sind ein Glücksfall. Letzteres hätte den Vorteil, dass ich keinen Zeitdruck beim Besichtigen habe und nicht gezwungen bin, mich neben anderen Bewerbern besonders herauszuputzen. Bei der letzten Besichtigung hatte ich genau 10min Zeit, mir alles anzuschauen, den Schimmel unter dem frischen Putz hab ich nicht gesehen, den Pensionistennachbarn nicht bemerkt. Sollte ich doch selbst suchen und besichtigen, werde ich aus Prinzip keine Wohnung besichtigen, wenn nicht eine zweite Person als Unterstützung dabei ist. Selbst ein Zettel mit den wichtigsten Merkmalen nützt mir nichts, wenn ich zu wenig Zeit habe, mich gleichzeitig auf die Schönfärbererei des Maklers und die Wohnung selbst zu konzentrieren.

… Wohnungsausstattung ….

Meine derzeitige Wohnung hat 55m² und 10m² Balkon. Den Balkon hab ich selten genutzt, hauptsächlich zum Wäsche aufhängen, weil mein Nachbar immer so laut ist. Letztes Jahr hat er von März bis November Boote für seine Freunde im Garten umgebaut, mit Strom betriebenen Schleif- und sonstigen Geräten, egal ob Sonn- oder Feiertage. Abends hat er immer noch fast täglich Besuch, 4-5x die Woche wird gegrillt, der Gestank zieht zu mir. Die Gespräche höre ich auch in der Wohnung. Daran ist wohl der Parkettboden Schuld. Zwar leicht zum Säubern, aber Holz überträgt den Schall besonders gut, wenn darunter kein Dämmmaterial verlegt wurde. Das passt zum übrigen Baupfusch mit der Schimmelneigung.

Der Wohnbereich muss nicht groß sein, denn ich hab sowieso nie Besuch, ich hab seit 12 Jahren keinen Fernseher mehr, und benötige daher auch nicht die klassische Couch-Fernseher-Ausrichtung der Möbel. Balkon zwingend ja wegen Gewand trocknen. Wenn Umgebungslärm vorhanden ist, muss er nicht groß sein, ich hab dann sowieso nichts davon.

Dämmung (Ruhe!) und Schimmelneigung sind die wichtigsten Faktoren bei der Auskleidung der Innenräume. Das ist natürlich schwierig, wenn vorher frisch gestrichen wurde, wobei Wien jetzt weniger schimmelanfällig als Salzburg sein sollte, schlicht weil der Jahresniederschlag um mindestens die Hälfte geringer ist und auch die Anzahl der Regentage erheblich niedriger, gleichzeitig mehr Wind. Bei den horrenden Mieten, die ich hier im Monat abdrücke, denkt man sich ja auch, dass die Wohnung dann schimmelfrei ist. Das war naiv gedacht.

Badewanne ist schön, muss aber nicht sein, dafür bade ich zu selten. Neuwertige Küche ist mir wichtig, mit Backofen, Geschirrspüler (der keine zwei Stunden braucht, sondern auch ein Kurzprogramm hat) und vor allem einen großzügigen Eiskasten (Gefrierfach). Mit Quetschen bring ich momentan gerade so eine Pizza rein, welcher Eiskastenhersteller kontruiert sowas? Bestimmt kein Student.

Klimaanlage ist leider fast zwingend notwendig, speziell, wenn ich in höheren Stockwerken residieren werde. In Salzburg kühlt es nachts immer gut ab, so wie damals auch in Innsbruck. In Wien ist die Anzahl der Nächte über 20 oder gar 25°C bedeutend höher. Da ich künftig wieder Nachtdienste haben werde, ist die Abkühlung der Wohnung also essentiell.

Unmöbliert sollte sie sein, denn ich zieh mit meinem ganzen Geraffel um. Einen neuen Bürostuhl werd ich mir aber leisten, vielleicht auch eine bessere Couch.

… Ruhelage …

Und das bringt mich auch zum heikelsten Teil der Wohnungssuche. Ich brauche Ruhe, Ruhe, Ruhe. Ich hab anstrengende 12-Stunden-Dienste (Tag und Nacht). Wie ich in Salzburg am eigenen Leib erfahre, reicht für Ruhe eine spießige (Zweit-)Wohnungsgegend nicht aus.

Schulen und Kindergärten sollten ebenso wenig in unmittelbarer Nähe sein wie Spitäler und Berufsfeuerwehr. An Straßenbahnen kann ich mich gewöhnen, das dauerte in Ottakring damals lediglich drei Tage. Eine entfernt rauschende Hauptverkehrsader ist aushaltbar, eine Partymeile nicht. In Ottakring wohnte ich zwischen zwei Fortgehmeilen für Balkan und Klein-Istanbul. Die Menschen dort sind naturgemäß einfach lebhafter, nächtliche Schreihälse und Streithammel brauch ich aber trotzdem nicht.

Was gehen kann, ist Innenhoflage, sofern dort Kinder kein Fußball spielen üben. Sollte ich doch eine vergleichsweise günstige Wohnung in einem Hochhaus oder höheren Mehrparteienhaus finden, wäre das ein geringeres Problem. Dann aber sollten die Fenster dennoch schallgedämmt sein. Ich träume von Fensterdichtungen wie in den Low-Budget-Hotels am Hauptbahnhof (Motel One, Star Inn), wo man straßen- und zugseitig gelegen absolut nichts hört. Bei der Ruhe darf ich keine Abstriche machen, wenn ich meinen Job bis zur Pension ausüben will.

… Anbindung zur Arbeitsstelle …

Jetzt sind alle Faktoren erfüllt, aber auch dort, wo ich schnell in die Arbeit kommen kann? Ein wesentlicher Grund für meine Rückkehr war ja der Umstand, dass ich in Salzburg ohne Auto völlig aufgeschmissen bin, mich in Wien aber frei bewegen kann. Das spart viel Zeit, Nerven und bringt vor allem mehr Vielfalt beim Einkaufen, aber auch Nutzung meiner Freizeit. Die Möglichkeiten, zentrumsnah zu wohnen und trotzdem schnell am Flughafen zu sein, sind allerdings begrenzt, wenngleich es immerhin überhaupt Verbindungen gibt, im Gegensatz zu Salzburg, wo ich öffentlich nicht zum Frühdienst (5.30) komme. In Wien fang ich erst um 7.00 an.

anbindungen
Gebiet mit bevorzugter Wohnlage, öffentliche Anbindung zum Flughafen

Die beste Anbindung finde ich entlang der S7-Achse, mit Landstraße (20-23min), Rennweg und Kaiserebersdorf (8min). Dort fahren sowohl S-Bahn als auch Regionalzüge, wichtig etwa sonn- und feiertags, wenn in der Früh ein Zug weniger fährt. Kaiserebersdorf läge eher am Stadtrand im Südosten, hätte zumindest den Vorteil, dass ich auch mit dem Rad fahren könnte. Von der S-Bahn-Haltestelle sind es 40-60min nach Hütteldorf und Ottakring (Wienerwald), 1h 45min nach Krems (Wachau) und 17-20min zum Hauptbahnhof. Unter den Alternativen zum Zentrum bleibt dieser Bezirksteil jedenfalls ein heißer Kandidat. Von Ottakring nach Meidling Bf., damals Ausgangspunkt zahlreicher Wandertouren, brauchte ich auch immer gut 20-30min.

Mit U3/U4 wäre ich an die S7 in Landstraße angebunden, die weiteren S-Bahn-Haltestellen sind leider nicht an die U-Bahn angebunden. Am Hauptbahnhof gibt es überhaupt nur die Railjetverbindung um 6.12, die dafür täglich. Der Flughafenbus würde notfalls auch gehen. Letzendlich dreht es sich nur um die Frühverbindungen, die Schichten gehen von 7-19 und 19-7. Das Heimkommen ist mir meist egal. Bei diesen Zeiten ist der Tag futsch, da geht sich höchstens ein Abendbier oder ein Einkauf im Interspar (Landstraße) aus.

Am liebsten wäre mir der 4. Bezirk (Auf der Wieden), irgendwas zwischen Hbf und Karlsplatz mit Innenhoflage. Oder im 5. Bezirk nahe Margaretenplatz, die Gegend fand ich zuletzt vom Durchfahren mit dem 13A immer sehr cool. Der dritte Bezirk ist ein weißer Fleck auf meiner Wienerforschungsliste. Simmeringer Hauptstraße und angrenzend scheidet dagegen aus. Dicht bebaut und sehr laut.

… Was sonst noch zu beachten ist …

An- und Abmeldung Hauptwohnsitz, Strom ab- und anmelden, Internetvertrag kündigen (lieber UPC als A1), sämtliche Adressen ummelden (Bank, Bahn, usw.), neue Ärzte suchen. Jahreskarte Wiener Linien.

Bei der Vereinbarung mit der Umzugsfirma festhalten, was im Preis inbegriffen ist (Aufbau, Abbau, Fahrtpauschale, Arbeitszeit), brutto/netto berücksichtigen. Umzug so planen, dass Folgetag ein Werktag ist, um nötige Besorgungen erledigen zu können. Zeuge bei Wohnungsübergabe. Kontakt mit dem Makler per Mail oder vereinbarte Anrufzeiten (unterwegs/während der Arbeit extrem störend). Gleich von Beginn an *irgendwie* mit Nachbarn gutstellen.

Wenige Tage nach dem Einzug schrieb ich im März 2017 noch über die neue Wohnung

Insgesamt kann ich dennoch ein positives Résumée ziehen. Die neue Wohnung ist wirklich schön und rechtfertigt auch die höhere Miete im Vergleich zu vorher (für vergleichbare Quadratmeter). Das Schlafzimmer ist von drei Seiten von der Außenwand umgeben und somit viel ruhiger als vorher, wo ich neben dem scheppernden Aufzug auch die zufallenden Türen und Verkehr und schreiende Menschen auf der Gasse hörte. Ich habe endlich die Ruhe, die ich als Schichtarbeiter und reizempfindlicher Mensch so dringend brauche. Die Umgebung gefällt mir gut, die Freizeitmöglichkeiten sind schier unendlich. Bisher bin ich zufrieden und bisher ist es ein deutlicher Gewinn an Lebensqualität.

Wenige Wochen später hörte ich erstmals den Nachbarn im Garten arbeiten, der Nachteil der Außenwände zeigte sich dann im Spätherbst 2017, als sich Schimmel in den Ecken zu bilden begann. Die Zeitschaltuhr mit Lüftung im Bad wurde auf 1 Std. verlängert, hat der Vermieter beim Einzug stolz präsentiert, trotzdem sinkt die Luftfeuchte laut Hygrometer nicht unter 70%. Schimmel auch dort ein Problem. Der Lift im Haus wird zwar selten benutzt, aber die Türen genauso zugeschmissen. Flurgespräche dröhnen bis in die Wohnung. Küchenarbeit bei den Nachbarn ist ebenso hörbar wie wenn sie heftiger diskutieren. Zwar ein neuerer Bau, aber Schalldämmung my ass. Außer mich stört es niemand. Der direkte Bus zum Flughafen fiel mit Fahrplanwechsel 2017/2018 weg, ebenso die einzige Direktverbindung zwischen meinem Wohnort und der anderen Salzachseite. Jedes Umsteigen mit dem Bus ist extrem mühsam. Ausführlicher hab ich mich auf meinem Salzburg-Blog schon darüber ausgelassen und muss es hier nicht extra wiederholen. Ja, das Rad gibt es auch noch, für größere Einkäufe aber eher unpraktisch. Wenn man so darauf angewiesen ist wie ich für die Arbeit, ist die Angst außerdem panisch groß, dass es gefladert wird. Das Problem mit dem Abstellen beim Hauptbahnhof hat sich nie lösen lassen. So ändern sich Standpunkte. Back in Vienna werd ich wieder über den Verkehrslärm und Menschenmassen sudern, perfekt wird es nie sein. Das hab ich mir mit der einschränkenden Studiums- und Berufswahl selbst eingebrockt. Ein Job am Land geht nicht, es bleiben nur Großstädte. Ein Auto geht für mich auch nicht. Will ich auch nicht mehr. Bin stolz darauf, meinen kleinen Beitrag für die Umwelt zu leisten, anderen ein Vorbild in Sachen Öffi-Wandertouren zu sein.

 

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3 thoughts on “Wien 2019

  1. samsalixia 11. July 2018 / 10:27

    Als „zuagraste“ Wienerin und Verdachtsautistin: Wenn ich irgendwie zu Hilfe sein kann (Tonaufnahmen vor Ort zu bestimmten Uhrzeiten? Fotos?) – bin ich gerne zu Diensten 🙂
    Viel Erfolg auf jeden Fall!

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    • Forscher 18. July 2018 / 20:58

      dankeschön! Das ist sehr nett von Dir!

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