Der nützliche Autist im Einmachglas

trottelbuld

Ein besonders originelles Bild, um einen Autisten darzustellen. Übertroffen wird die klischeehafte Darstellung nur durch die Bildunterschrift. Im Titel steht dann „Firmen machen gute Erfahrungen mit Autisten“ (abgerufen am 16. November 2017). Nein, es reicht nicht, Autisten schaukelnd in der Ecke darzustellen, es muss ein Einmachglas sein.

Aus dem Text geht dann leider wieder nur hervor, wie gut Autisten in Mathematik, IT, Naturwissenschaften und Technik sind, und nicht, dass sich ihre Spezialinteressen auf alle beruflichen Sparten beziehen, wie diese Studie zeigt oder das zuletzt vorgestellte Buch über Berufsbiographien. Ich vergönne es allen Autisten, die sich darauf spezialisiert haben und mit Digitalisierung und Software Arbeit finden, aber es gibt noch viel mehr von uns da draußen, die technisch untalentiert sind und trotzdem Spezialinteressen haben, die mit Leidenschaft zum Beruf gemacht werden.

Sonst finden sich durchaus positive Aussagen, etwa über Teamfähigkeit und auch über notwendige Rahmenbedingungen wie klare Kommunikation und reizarme Arbeitsumgebung. Aber warum, lieber Redakteur, hat man für diesen Artikel über erwachsene Menschen im Berufsleben ein Kind im Einmachglas gewählt? Übrigens ist auch die Schlagwortisierung in „Psychische Störungen und Verhaltensstörungen“ alles andere als treffend.

Autismus ist keine psychische Störung, sondern eine neurologische Abweichung von der Mehrheitsgesellschaft. Und um auf das titelgebende Bild einzugehen: Neben unkontrollierbaren Umweltreizen sind es vor allem ignorante Menschen, die Autisten dazu zwingen, sich selbst zu stimulieren (z.b. schaukeln, wippen), was aber – und moderne Autismus-Therapeuten wissen das – erwünscht ist und das auch gefördert wird. Wenn man sich also so ein Bild anschaut, ist es nicht zwangsläufig der Autist, der heraus will, sondern ihr seid das, die ihn und seine Andersartigkeit nicht hineinlassen in Eure Welt.

 

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