Buchempfehlung: Berufsbiografien von Asperger-Autisten (I)

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Wie bei vielen Autistinnen und Autisten ist auch bei mir rund ein Jahr nach der Diagnose eine gewisse Sättigung bei der Suche nach neuen Erkenntnissen und Erfahrungsberichten anderer Autistinnen eingetreten. Hier und da hat man immer wieder Aha-Erlebnisse, doch insgesamt hat man sich mit der Diagnose abgefunden und versucht damit zurechtzukommen. Das folgende Buch stellt eine Ausnahme dar:

Kohl, Seng, Gatti (Hrsg.): Typisch untypisch. Berufsbiografien von Asperger-Autisten. Individuelle Wege und vergleichbare Erfahrungen, 2017

Nicht nur das 50 Seiten starke Vorwort hat beeindruckt, sondern auch die Lebensgeschichten der 22 Asperger-Autistinnen und -Autisten, die interviewt wurden. Jedem Interview mit gleichlautenden Fragen wurde ein je nach Stil der Autoren ein kurzer oder langer Bericht über den beruflichen Werdegang vorangestellt. Erst die Summe der individuellen Erfahrungsberichte macht die Stärke und Bedeutung dieses Buchs aus, viele Gemeinsamkeiten, aber auch die Beseitigung von Klischees über Autistinnen.

Im Teil I möchte ich auf das Vorwort eingehen, in Teil II versuche ich eine Zusammenfassung der 22 Interviews, denn das einzige Manko des Buchs ist ein fehlendes schlussfolgerndes Kapitel. In Teil III möchte ich ein paar der vorformulierten Interviewfragen selbst beantworten.

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Wie soll man reagieren, wenn sich jemand als Autist*in outet?

 

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Der Aspies-Quiz-Fragebogen im Original

“Ich bin übrigens Autist.”, jetzt ist es heraußen.

Jeder autistische Mensch geht anders mit der Diagnose um. Manche erzählen es keinem, andere weihen nur die engsten Vertrauten ein, wieder andere nur den Chef. Im Verlauf des Lebens kommt es jedoch immer wieder zu Situationen, wo die Offenlegung vorzeitig Konflikte und Missverständnisse verhindert. Leichtfertig geht niemand damit hausieren. Und einfach fällt es auch nicht. Zu oft ist man mit Vorurteilen konfrontiert, sodass man es sich zwei Mal überlegt, ob man sich das wirklich antun will, dagegen anzureden. Continue reading

Quo vadis?

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Gaisberg gestern. Hausberg seit Februar 2017.  Seitdem siebzehn Mal oben. Berge sind mein Leben. Wandern meine Lebensversicherung. Entspannung. Authentisch sein dürfen. Kein Theater, keine Masken. Berge alleine reichen nicht. Menschen fehlen. Mobilität fehlt. Unabhängigkeit. Sicherheit. Wie es in den nächsten Wochen auch ausgehen mag, kann ich mit beiden Varianten leben.