Mündlich versus schriftlich

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Der erste Prüfungstag ist überstanden und bestanden. Die drei schriftlichen Prüfungen hab ich alle vor der Zeit beendet. Für zwei davon hab ich nicht einmal die Hälfte der Zeit benötigt. Das Ergebnis war sehr zufriedenstellend. Sogar das Fach, vor dem ich mich fürchtete, hab ich gemeistert.

Im schriftlichen hilft mir mein fotografisches Gedächtnis. Es ist schwer zu beschreiben. Ich habe beim Lernen alle Fragen schriftlich beantwortet, in einem Word-Document niedergeschrieben, die Fragen mit einem gelben Balken markiert, damit die Seite übersichtlich bleibt. Ich präge mir dann weniger ein, was da steht, sondern ich sehe die Seite vor mir, die Buchstaben, die Schrift. Wie bei einer Landkarte kann ich rauf und runterscrollen, sehe den gelben Balken vor mir und die Antworten in schwarzer Farbe, die Listen und Stichpunkte, die ich gerne dazu ausarbeite. Das war auch bei der geographischen Frage hilfreich. Ich hab einfach alles aufgezeichnet, was ich wusste, und so ließ sich leicht herausfinden, was passte und was nicht. Schriftlich macht mich das sehr effizient und es spart Zeit. Ich muss nicht lange nachdenken, sondern eher aufpassen, die Frage auch sinnerfassend zu lesen.

Für die mündlichen Prüfungen hilft mir diese Methode leider nur bedingt. Mündlich kommt viel mehr dazu als nur ausgewendig gelernte Antworten wiederzugeben. Ich kann es nicht aufzeichnen, sondern muss verbalisieren. Das ist für mich grundsätzlich anstrengender. Dann sind mehrere Augen auf mich gerichtet, ich fühle mich exponiert. Das setzt natürlich unter Druck. Hinzu kommt das Sprechtempo, mit denen die Fragen gestellt werden. Das Prozessieren dauert entsprechend länger als eine Frage auf einem Blatt Papier zu lesen. Bis die Frage zu Ende gestellt wurde, habe ich den Anfang vergessen. Und schließlich weichen die Fragen mündlich ein wenig oder völlig vom ausgearbeiteten Skript ab. Äußerer Druck, Verarbeitungsprobleme und Veränderungen sind Faktoren, die keine Sicherheit in einer Prüfungssituation vermitteln. Im Gegenteil. Entsprechend unterschiedlich fielen die Resultate aus, wahrscheinlich überraschend angesichts der schriftlichen Leistung zuvor. Der Autismus-Lackmus-Test sozusagen… ohne, dass meine Diagnose bisher bekannt ist allerdings. In der Schule und im Studium gingen schriftliche und mündliche Noten ebenfalls oft auseinander. Das ist jetzt einige Jahre her. Geändert hat sich nichts. Allerdings, so ist meine Hoffnung, lerne ich aus den Erfahrungen, aus Fehlern in der Vorbereitung und kann in den Themen, die meinen Spezialinteressen näherkommen, eher brillieren.

Schließlich kann ich meine Art zu denken nicht ändern, nicht anpassen. Als Bilderdenker kann ich nicht anfangen, in Worten zu denken. Die Bilder bleiben bestehen. Ich kann nur versuchen, die Begleitumstände anzupassen, soweit möglich. Zu bitten, langsamer und deutlich zu reden, ggf. die Frage zu wiederholen oder genau so zu stellen wie sie im Skript steht. Und sich natürlich gut vorzubereiten. Die Stresssituation bleibt bestehen. Selbst am Tag der Diplomprüfungen wurden nicht so viele Fächer geprüft wie zuletzt und demnächst erneut. Dazu noch Umzugsstress, viele, teilweise unnötige Telefonate,  ein unfassbar schlechter Makler und der verzweifelte Versuch, die notwendigen Termine in die wenigen freien Tage zu quetschen. Eine enorme Willensanstrengung, eine große Leistung, die aber ihren Preis hat; immerhin eine geballte Menge (fremder) Menschenkontakt in kurzer Zeit noch obendrauf. Blogger-Kollegin Bloosplanet hat heute vom Sozialkater geschrieben, und ich verspüre auch die Erschöpfung nach geselliger Runde, gemeinsamen Mittagessen, so schön das alles ist.

Ich hoffe, in wenigen Tagen positiv zurück- und nach vorne blicken zu können.

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