Übersetzung: Das Spektrum verstehen

Der Comic von Rebecca Burgess auf The Mighty bzw. ihrem Tumblr-Blog hat mir so gut gefallen, dass ich ihn ins Deutsche übersetzt habe:

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Die erste von 10 Folien. Zeichnung und Originaltext von Rebecca Burgess, Übersetzung von mir

Das Spektrum verstehen (PDF)

Anmerkung, 11.10.16: 

Den Begriff Savantskills habe ich mit Inselbegabung übersetzt. Das ist nachweislich nicht falsch. 

Manche Autisten wollen zwar Savant-Skills und Autismus streng getrennt haben, aber wie es so schön heißt: 

Nature never draws a line without smudging it.

Dass ADHS und Autismus gemeinsam auftreten, dass Tourette und Borderline Schnittmengen aufweisen, erzeugt seltsamerweise weniger Aufregung. 

Auf Folie 9 steht: 

“Du siehst anhand dieses Spektrums, dass nicht jede autistische Person “Inselbegabungen” aufweist.”

Wo suggeriert diese Übersetzung ein falsches Bild über Autismus? Der Satz relativiert ja gerade die übliche Auffassung, Autismus ginge automatisch mit Inselbegabungen einher. Der Comic wurde nicht so aufgezogen, um in die  Tiefe zu gehen, sondern liefert einen ersten Überblick über das Spektrum. 

Und sorry, auch wenn es verdammt wenige von uns betrifft, wenn auch mehr als die 100 Savants existieren, die 1978 (!) bekannt waren, zählen Savant-Autisten eben doch zum Spektrum. Mich persönlich stört es nicht. Wenn mich jemand nach meiner “Inselbegabung” fragt, kann ich ganz nüchtern und unerregt sagen: “Ich habe Spezialinteressen, Inselbegabungen haben nur wenige, die einen winzigen Teil des Spektrums ausmachen.” Und sollte das nicht ausreichen, kann ich noch erläutern, dass das Savantsyndrom ebenfalls ein Spektrum ist (mit einer Teilmenge Autismus). Aber so genau wollte es noch niemand wissen.

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Autistische Herausforderungen

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Lass mich noch schnell das Getränk notieren für die Wirtin, damit sie weiß, was ich konsumiert habe. Pinot noir? Wie schreibt man das? Ich schreib einfach Pino nwa, dann weiß sie es schon.

P-i-n-ot-

Ich weiß eh!

So ähnlich laufen Dialoge immer wieder ab. Jemand macht einen Scherz, ich verstehe ihn wörtlich und glaube, jemand weiß tatsächlich nicht, wie etwas geschrieben wird, versuche im Sinne der Richtigkeit zu korrigieren und stelle erst dann fest, dass es eben ein Scherz war. Dabei liebe ich Ironie und setze sie selbst gerne ein, doch bei anderen überhöre ich entweder den Tonfall oder übersehe Kon- oder Subtext. Manche der folgenden Situationen ereigneten sich lange vor der Diagnose, als ich nichts von meinem Anderssein wusste. Sie sind unauslöschbar in meinem Gehirn eingebrannt – vielleicht gelingt es mir, sie besser zu verarbeiten, wenn ich die Ursachen für sonderbares Verhalten analysiere.

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