Zu laut

Schwierig. Wenn es laut ist, kann ich nicht vernünftig denken. Zu viele Umgebungsreize. Ich verstehe nicht mehr, was man mir sagt, ich höre nicht mehr, wenn man mich anspricht. Und wenn es motorisierter Lärm ist, schlägt der Fluchtinstinkt durch. So geschehen neulich, als ich bei laufenden Forstarbeiten unter ohrenbetäubenden Sägen einen frischen Schlag durchqueren musste. Umdrehen war alternativlos. Wenn ich bei Verstand bzw. Bewusstsein gewesen wäre, hätte ich meine Sonnenbrille im Rucksack verstaut oder um den Hals gehängt. Ich nahm sie ab, weil ich sehr konzentriert steigen musste, um nicht zwischen die Stämme zu fallen. Aber ich steckte sie in die Hosentasche. Der Lärm ging weiter, ich wollte nur noch weg. Als ich endlich durch war und zwischendurch paar mal hängen blieb, war die – empfindlich teure – Sonnenbrille weg. Suchen zwecklos. Ich blickte mich um und konnte nicht mal mehr sagen, welchen Weg ich durch das Schlachtfeld genommen hatte.

Ich blieb unversehrt. Und warnte entgegenkommende Wanderer vor. Aber die Brille war futsch. Außer sie wird zufällig noch gefunden und abgegeben.

Auch bei anderen Situationen mit lauten Lautsprecherdurchsagen ohne Unterbrechungen auf Bahnhöfen oder Baustellenlärm muss ich sehr viel Energie und Konzentration aufwenden, um noch „bei Bewusstsein zu bleiben.“

Äußerlich werdet ihr wenig bemerken, höchstens fange ich an zu fluchen und zu schimpfen. Die tiefergehende Ursache ist die Reizüberflutung durch andauernde zu laute Geräusche.

Noch hab ich keine brauchbare Strategie entwickelt, um mich vor dem Abgleiten in Instinkthandlungen zu bewahren. Freue mich über Anregungen.

Danke.

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Ein Gedanke zu “Zu laut

  1. Lisi 6. Juni 2016 / 10:00

    Grüß Dich!

    Ich hatte vor einer Woche diesbezüglich ein schreckliches Erlebnis. Es fand die Probe für eine „Mammut-Aufführung“ der „Carmina Burana“ in einer viel zu kleinen Turnhalle statt. Anfangs ging es noch, aber allmählich begann die Lautstärke (Großes Blasorchester, Schlagwerk, 9 Chöre) mich körperlich anzugreifen, so daß mich eine Chorfreundin heimfahren mußte, weil ich eine Panikatacke erlitt.
    Beim Konzert in Leoben selbst sorgte ich gleich vor, indem ich mir die Ohren mit einer Spezialwatte verschloß. Es war zwar noch immer enorm laut, aber erträglich.
    Diese Strategie ist erstaunlich einfach und nimmt wenigstens die Geräuschspitzen, daher habe ich jetzt immer Watte oder Zellstoff bei mir.

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