Neues aus der Mäuseforschung

Die Übertragbarkeit von Ergebnisse von Mäusen auf Menschen ist umstritten (siehe http://www.drze.de/im-blickpunkt/tierversuche-in-der-forschung). Bei Autismus kommt hinzu, dass es hier nicht nur um genetische und neurologische Einflüsse geht, sondern auch um die Identität des Menschen. Autismus macht einen wesentlichen Teil meiner Identität aus. Den kann man nicht einfach nach Belieben an- und abschalten.

Die neuesten Forschungsergebnisse propagieren genau das:

Neurowissenschaftler reversieren Autismus-Symptome bei Mäusen.

Bei etwa 1 % der Autisten fehlt das Gen Shank3, was zu typischen Autismus-Symptomen wie Stimming und Vermeidung sozialer Kontaktpflege führt. In einer Studie mit Mäusen wurde nun gezeigt, dass manche dieser Verhaltenssymptome umkehrbar sind, indem später im Leben das Gen zurückgedreht wird, und das Gehirn sich ordentlich rekalibrieren kann. Das bedeutet, dass selbst ein erwachsenes Gehirn plastisch formbar ist.

Feng, einer der Forscher, hofft, dass manche Defekte umkehrbar sind und selbst erwachsene Autisten mithilfe einer Gentherapie behandelt werden können.
These techniques are not yet ready for use in humans, however.

Feng glaubt, dass die Wissenschaftler ebenso in der Lage seien, allgemeinere Ansätze für einen größeren Teil der Betroffenen zu entwickeln. Beispielsweise können Forscher fehlerhafte Schaltkreise identifizieren, die für bestimmte Verhaltensanomalien bei einigen Autismus-Patienten spezifisch sind, und herausfinden, wie man die Schaltkreisaktivität anpassen kann. Das könnte auch anderen Menschen mit Defekten in den gleichen Schaltkreisen helfen, selbst wenn das Problem von verschiedenen genetischen Mutationen kommt.

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Da hat jemand Autismus nicht verstanden. Was Herr Feng behandeln möchte, sind Auswirkungen der anderen Wahrnehmung. Was würde das für autistische MENSCHEN bedeuten, wenn man ihnen die Kompensationsstrategien (wenige Kontakte, Stimming) entzieht? Wer stellt sich für so etwas freiwillig zur Verfügung? Welche erwachsenen Autisten betrachten dies als ihr Hauptproblem? Mäuse müssen in der Regel nicht zur Schule gehen, zum Sportunterricht, einen Haushalt führen, Geld verdienen, sie werden nicht von anderen gemobbt und müssen auch nicht täglich zum Einkaufen und dabei den lauten Verkehr oder die grelle Sonne ertragen.

Ich möchte damit herausstellen, dass die Umwelt einen wesentlichen Einfluss auf Autismus hat. Zuhause spüre ich den Autismus kaum, erst in der Interaktion mit anderen wird es schwierig. Aber zur Interaktion gehören immer zwei. Der andere muss sich auf mich einlassen können. Was ist bei erfolgreichen Autisten anders? Liegt es nur an den Genen oder auch an einer benignen Umwelt?

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3 Gedanken zu “Neues aus der Mäuseforschung

  1. sinnesstille 21. Februar 2016 / 14:17

    Klingt irgendwie gruselig.
    Für mich ist das auch nur wieder ein „Herumdoktern“ an Symptomen und die Nicht-Beachtung der Ursachen. Ich denke, Erfolg wird sowohl von inneren als auch von äußeren Umständen bedingt, also angepasstes Umfeld ebenso wie individuelle Kompensations-Möglichkeiten, in welcher Form auch immer. Aber wie überall im Leben gilt es, die Variablen nicht außer Acht zu lassen. Genmanipulation finde ich äußerst bedenklich.

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  2. 2ndplanetleft 21. Februar 2016 / 23:54

    Ich will aber gar nicht repariert werden. Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft mich annimmt wie ich nun mal bin und nicht versucht mich zu normieren. Außerdem würde ich alle meine Fähigkeiten verlieren. Autismus hat auch viele positive Eigenschaften. Wieso schaut jeder nur auf die angeblichen Nachteile?

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  3. kiki0104 22. Februar 2016 / 19:57

    Gott spielen… Ich bin so oder so gegen alle genetischen Murksereien! Mein Maxi soll so bleiben wie er ist: Ein liebenswürdiger, aufgeweckter Bub, mit mancherlei Eigenheiten und „Marotten“.Ich liebe ihn so wie er ist und will ihn gar nicht anders haben!

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